Lied

84

Einst Gott, der Herr, sprach zu seinem Volke

1.
Einst Gott, der Herr, sprach zu seinem Volke:
«Dein Fasten kann nicht gefallen mir.
Ihr plagt den Leib, tut der Seele wehe,
In Sack und Asche liegt trauernd ihr.»
An welchem Fasten hat er Gefallen?
Ja, dass Gebund'ne du lässest frei,
Dass, wer gefangen in Sündenbanden,
Vom Joch der Sünde gelöst nun sei.
2.
Was soll dies heißen, zu lösen Fesseln
Und die Gebundenen lassen frei?
Sieh, Gott im Worte so deutlich redet:
«Gehorch der Stimme des Herrn, sei treu!»
In dein Haus bitte den Heimatlosen
Und dem, der hungrig, dein Brot nun brich.
Wem Kleidung mangelt, dem helfe willig,
Er ist dein Fleisch, ihm entzieh dich nicht.
3.
Dann wird dein Licht gleich der Morgenröte
Erstrahln und herrlich der Tag erstehn
Und deine Heilung wird eilends wachsen,
Deine Gerechtigkeit vor dir gehn.
Dir Gottes Herrlichkeit wird zur Nachhut,
Rufst du zum Herrn, gibt er Antwort schon.
Wenn du ihn bittest, so wird er sagen:
«Sieh, hier bin ich, auf dich wartet Lohn.»
4.
Was sagt der Herr dir noch mehr im Worte,
Der du so gern seinen Weg willst gehn?
«Das Joch entferne aus deiner Mitte
Und von dem Bösen sollst du abstehn!
Mit jedem Hungrigen teile willig,
Was deine Seele auch selbst begehrt,
Denn wenn die leidende Seel du sättigst,
Wird hell dein Licht leuchten hier auf Erd.»
Geschrieben von Wilhelm Berg (veröffentlicht 1916)Text © Stiftelsen Skjulte Skatters ForlagNorway ⋅ D