Lied

145

O göttlich Liebe, rein du bist

1.
O göttlich Liebe, rein du bist,
Wer je ermisst dein Wesen?
Wie Tau vom Himmel, ja so ist
Dein klares, mildes Reden
Dem, der gebeugt, zerschlagen gar,
Voll Schmerz durch tiefe Reue –
Und wer im Prüfungsfeuer war,
Den tröstest du aufs Neue.
2.
Du echte erste Liebe bist,
Als solche wir dich kennen.
Zuerst zu lieben, göttlich ist,
Dies wir aus uns nicht können.
Bei dem, der still und demütig,
Dort sie für immer thronet.
Wer arm und elend siehet sich,
Bei dem sie bleibt und wohnet.
3.
Die erste Liebe, echt und wahr,
Brennt ohne Falsch in Reinheit.
Dort, wo sie ist, dies merkt man klar,
Herrscht unter Freunden Einheit.
Sie Bitterkeit nicht hat in sich,
Sie trägt nichts nach vom Bösen,
Und einen kleinen Nadelstich,
Den kann sie schnell vergessen.
4.
Wir wolln für immer auf dem Weg
Der edlen Liebe bleiben,
Uns auf dem schlichten, reinen Steg
Von ihr uns lassen treiben.
Vor allem andern, was wir tun,
Wir uns in Liebe kleiden,
Um, wie's sich ziemt, zu lieben nun,
Zu sein zur Ehr und Freude.
Geschrieben von Lorentz Risnes (veröffentlicht 1929)Text © Stiftelsen Skjulte Skatters ForlagNorway ⋅ D