Verborgene Schätze

„Auch die Zunge ist ein Feuer ...“

März 2025

„Auch die Zunge ist ein Feuer ...“

„... – als die Welt des Unrechts erweist sich die Zunge unter unseren Gliedern: Sie macht den ganzen Leib schmutzig, sie steckt das Rad des Lebens in Brand und wird ihrerseits von der Hölle in Brand gesteckt.“ (Jak. 3,6 ZB). Jakobus fährt fort, dass kein Mensch die Zunge zähmen könne. Sie sei ein aufrührerisches Übel, voll tödlichen Gifts. Diese Unterweisung ist so aufsehenerregend und außergewöhnlich, dass es allen Grund gibt, innezuhalten und sich ein paar Fragen zu stellen: Wie gebrauche ich meine Zunge? „Tod und Leben stehen in der Zunge Gewalt; wer sie liebt, wird von ihrer Frucht essen.“ (Spr. 18,21)

Wie viele Menschen habe ich mit meiner Zunge „getötet“ oder gelähmt? Wie viele wurden durch meine Zunge erquickt, angefeuert und gesegnet?

Wenn Paulus die Natur eines Menschen beschreibt – insbesondere das, was im Zusammenhang mit der Zunge steht –, sagt er: „Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie, Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit.“ (Röm. 3,13–14)

Es ist unglaublich, wie der Mensch es schafft, seine schmutzigen Taten in Worte und Phrasen zu kleiden, die ihn edel aussehen lassen, als wäre es fürsorglich gemeint gewesen. Man kann sich in schöne Worte kleiden, um wie ein Engel auszusehen, während eher das Gegenteil der Fall ist. Gleichzeitig zieht man seinen Nächsten und dessen Absichten in Zweifel, sodass eventuelle Zuhörer mit kritischen und unerfreulichen Gedanken zu kämpfen haben, vielleicht sogar jahrelang. Die Zuhörer werden gedanklich fast lahmgelegt, wenn es darum geht, der Person, über die gesprochen wird, etwas Gutes zu tun. Es war tödliches Gift in dem, was man auftischte. Aus Neugierde kann man sich einen ganzen Vorrat an Informationen ansammeln über Dinge, die einen überhaupt nichts angehen, und wie leicht streut man diese Informationen als „verlässlichen“ Stoff in alle Richtungen, ohne wirklich geprüft zu haben, ob sie auch stimmen. Man setzt das gesamte „Rad des Lebens“ in Brand, ruiniert dabei vielleicht auch den Arbeitstag anderer, weil alle mit „Löscharbeiten“ beschäftigt sind, anstatt den Tag für etwas viel Nützlicheres und Erbaulicheres gebrauchen zu können.

Mit dem kleinen Ruder namens Zunge steuert man sein Lebensschiff in eine völlig falsche Richtung, weg von der Gemeinschaft und der Bruderschaft, man landet vielleicht in einer Gesellschaft, in der man nie sein wollte.

Was ist also zu tun? Nun, zuerst muss man sich bekehren, und zwar gründlich. Sodann ist es notwendig, dass man für böse und unbedachte Worte um Vergebung bittet. Danach muss man zielgerichtet und langfristig an seiner Seligkeit arbeiten. Man muss wachen und beten! Selbst der große Gottesmann Paulus war so arm in sich selbst, dass er die Epheser bat, für ihn zu beten, damit ihm Worte gegeben würden, wenn er den Mund auftat. Was für ein Unterschied zum gewöhnlichen Menschen, der über alles Mögliche „herzieht“, sodass die Umgebung müde und ihrer Motivation und Energie beraubt wird. Meistens geht es um einen selbst, um die eigene Größe und Exzellenz oder um die Dummheit der anderen, um das, was sie gesagt und geäußert haben, Dinge, die sie bei näherer Betrachtung, weder gesagt noch gemeint haben. „Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ (Mt. 10,7). Bringe ich dieses Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude im Heiligen Geist mit? Oder ist es die Nichtigkeit des Sinnes, die meine Zunge steuert? Habe ich mit dem, was ich erzähle, ein Ziel? Ein guter Maßstab ist dieser: „Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!“ (1. Kor. 16,14). Auch die Worte von Jakobus sollten wir zu Herzen nehmen: „Wenn jemand meint, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern betrügt sein Herz, so ist sein Gottesdienst nichtig.“ (Jak. 1,26). Bringe ich meinem Nächsten einen Mehrwert, oder bin ich jemand, der mit seinem wertlosen Geschwätz die Lebenszeit anderer stiehlt? Wie oft beten wir dieses Gebet Davids: „Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir, Herr ...“ (Ps. 19,15). Johannes der Täufer drückt es so aus: „Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, ist über allen.“ (Joh. 3,31). Das meiste, das geredet wird – auch unter Gläubigen – kommt von der Erde. Das ist zwar immer noch besser als die Rede der Zungen, die von der Hölle entzündet wurden und von Hass und Verachtung getrieben sind.

Jesu Rede kam vom Himmel. Seine Zunge war gelöst von der Erde und den Menschen. Sie war vom Himmel entzündet. Jesus hatte sein Leben in dieser Welt verloren. Deshalb lag eine himmlische Kraft und Autorität in seiner Rede. Niemand konnte die Festungen des Satans so einreißen wie er. Niemand konnte das Dunkel so erhellen wie er. Niemand konnte den Armen im Geiste so erquicken wie er. Er war über allen. Seine Erniedrigung unter alle hat ihm eine solche Macht verliehen, dass er den Gesetzlosen mit den Worten seines Mundes töten wird, wenn die Zeit gekommen ist. Er lebte in den Tagen seines Fleisches vor Gott und hatte Acht auf dieses Wort: „... und so du das Edle vom Unedlen scheidest, sollst du mein Mund sein ...“ (Jer. 15,19 SLT)

Indem er die Gerechtigkeit liebte und die Ungerechtigkeit hasste, entsprang eine Quelle, die so rein und unbefleckt war, dass „... alle Zeugnis von ihm gaben und sich wunderten über die Worte der Gnade, die aus seinem Munde kamen.“ (Luk. 4,22). „Noch nie hat ein Mensch so gesprochen“, sagten die Knechte über Jesus (Joh. 7,46).

Mit derselben Quelle sollen auch wir uns verbinden. Wenn wir durch das Kreuz den alten Brunnen verstopfen, der den Lüsten und Begierden des Fleisches entspringt, treten wir in Verbindung mit dem Geist der Wahrheit. Dieser holt vom Vorrat, der beim Vater ist; ein Vorrat, den Jesus auf seiner Wanderung hier unten in seinem Geist ansammelte. „Alles, was der Vater hat, das ist mein“, sagte Jesus. (Joh. 16,15). Welch eine Quelle der Weisheit, eine Quelle lebendigen Wassers! Selbst als Paulus vor Alexander dem Kupferschmied warnte, war das reine Rede, es war reines Wasser zur Bewahrung des Leibes Christi (2. Tim. 4,14-15). Dann ist unsere Rede gut und zur notwendigen Erbauung. Die Worte sind wohl gewählt, und die Zunge verwandelt sich – von einem unkontrollierbaren Übel zu einem unschätzbaren Gut. Es gibt auf dieser Welt und auch in der Gemeinde nicht zu viele solcher Münder und Zungen der Gerechtigkeit, keinen Überfluss an Worten, die zur rechten Zeit geredet werden.

Jede, von der Hölle entzündete Zunge und alle Rede, die das „Ich“ in den Mittelpunkt stellt, wird ein Ende haben. Dann wird der ganze Himmel mit erlösten Zungen und lauter Stimme singen: „Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. ... Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ (Offb. 5,12–13)

In diesem Geist soll unsere Zunge geübt werden. Dann steuert nicht unsere Sünde, unser „Ego“, die Zunge. Güte, Barmherzigkeit und Dankbarkeit haben ein Instrument erhalten, das Segen und Hoffnung verbreitet. „Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung.“ (Spr. 12,18)