Ein hörendes Ohr
Es steht in Sprüche 20,12: „Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der Herr.“ Kein Mensch kann das Ohr des Herzens öffnen oder verschließen – das tut der Herr! Darum ist es eine große Gnade, wenn wir die Stimme des Geistes im Herzen hören dürfen. Dieses Ohr muss darin geübt werden, immer feiner zu hören. In Matthäus 5,3 beginnt Jesus mit den Worten: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“
Wenn das Gehör feiner werden soll, muss die Armut im Geist zunehmen. Jesus war so arm im Geist, dass er mit großer Not betete. Obwohl er ein siegreiches Leben führte, war er in großer Not. Der Geist will mir meine Unvollkommenheit in Gedanken, Worten und Taten aufzeigen. Er will mir das andere Gesetz in meinen Gliedern zeigen, das dafür verantwortlich ist, dass meine Werke – die ich für Gott getan habe – nicht so vollkommen waren, wie ich es mir eigentlich wünschte. (Röm. 7,18–19). Deshalb ist es sehr wichtig, mir bewusst zu sein, dass ich ein Fleisch habe und dass darin die Sünde wohnt. Ich habe eine Natur, die ich von meinen Vorfahren geerbt habe, und sie beeinflusst alles, was ich tue. Selbst meine allerbesten Absichten und Gedanken sind daher von dieser Natur verunreinigt. Diese Erkenntnis macht geistlich arm. Sie führt dazu, dass man hungert und dürstet nach mehr Gerechtigkeit – nach Gottes Gerechtigkeit, nicht nach der eigenen. Dadurch wird das Ohr des Herzens geübt, um besser den zu hören, der wahrhaft gerecht ist.
Der Herr kann dafür sorgen, dass dieses Ohr immer besser darin wird, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Das Ohr des Herzens ist der Verbindungskanal zum Himmelreich, deshalb ist es so wichtig, dass es immer mehr geübt wird.
Jesus sagt in Johannes 8,15–16: „Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. Wenn ich aber richte, so ist mein Richten wahr, denn ich bin’s nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.“ Es ist sehr leicht, nach dem Fleisch zu urteilen – man meint, alles richtig verstanden zu haben und die Dinge richtig einordnen zu können. Das liegt an mangelnder geistlicher Armut. Die Früchte davon sind nicht zum Segen, sondern wirken im Gegenteil zum Anstoß. Es ist Gott, der das Ohr meines Herzens öffnen muss, damit ich hören kann, was der Geist zu sagen hat. Nur dann kann das, was ich sage und tue, aus dem hervorgewirkt werden, was ich gehört habe – und nur dann kann es zu wahrer Hilfe werden.
Das Wort Gottes ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Es dringt durch, scheidet und wirkt in mir. Es scheidet Seele und Geist und richtet die Gedanken und Sinne des Herzens (Hebr. 4,12). Ein hörendes Ohr kann dieses Wort annehmen. Es lässt mich erkennen, was aus der Seele, den Gefühlen und dem menschlichen Wesen kommt, und was aus dem Geist kommt. Wie gesegnet ist es dann, wenn der Leib so eingesetzt wird, wie der Geist es wirkt.
Jesus sagte: „Einen Leib aber hast du mir bereitet, ... dass ich tue, Gott, deinen Willen.“ (Hebr. 10,5–8) Das erleben wir auch heute in der Gemeinde in großem Maß: Es gibt Brüder und Schwestern, die ein hörendes Ohr haben – das macht unser Miteinander so gesegnet. Lasst uns ihren Spuren folgen, damit auch unser Leben dort, wo wir sind, zum Segen wird.