Bleibt in mir!
Im Gleichnis vom wahren Weinstock gibt Jesus seinen Jüngern eine Ermahnung und ein Versprechen: „Bleibt in mir und ich in euch.“ Und er fährt mit einem wichtigen Hinweis fort: „Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.“ (Joh. 15,4)
Das Gleichnis enthält auch eine ernste Warnung: „Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt; und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.“ (Joh. 15,6). Jesus sagt deutlich, dass wir viel Frucht bringen sollen, und er betont die Bedingung dazu noch einmal: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Wie soll das gehen?
Die Erklärung steht in Vers 7: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben ...“ Wenig später wiederholt er es noch einmal: „Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe ...“ (Joh. 15,10). Das Geheimnis, in ihm zu bleiben, besteht darin, dass wir in seinem Wort bleiben, wenn wir den Prüfungen und Ereignissen des Lebens begegnen. Dieses Gleichnis ist von tiefem Ernst geprägt, und gleichzeitig gibt es uns Hoffnung auf ein herrliches Leben, ein Leben voller guter Früchte – den Tugenden Jesu.
Auch im Brief an die Römer verwendet Paulus das Bild vom Stamm und den Zweigen und erinnert dabei an den Unterschied zwischen den Juden und den Heiden. Als Heiden waren wir Abgetrennte, konnten nicht an der „Wurzel und dem Saft des Ölbaums“ teilhaben, aber durch das Heil in Jesus Christus ist es uns nun möglich geworden, Kraft und Saft vom Baum der Gottesfurcht zu ziehen. Wir, die wir von Natur aus Zweige am wilden Ölbaum sind, können nun davon ausgebrochen und in den guten Ölbaum eingepfropft werden. Auch an anderer Stelle werden wir ermahnt, es ernst zu nehmen: „Sei nicht überheblich, sondern fürchte dich!“, schreibt Paulus. Es ist sehr wichtig, sich bewusst zu sein, dass dies durch Glauben geschieht: „... du aber stehst fest durch den Glauben“. (Röm. 11,16–24)
Diese Bilder vom Weinstock und vom Ölbaum erinnern an das kraftvolle Zeugnis des Paulus in Galater 2,20. Er sah sich selbst als mit Christus gekreuzigt, d. h. „abgehauen“ vom alten und wilden Baum des egoistischen Eigenlebens. Das Kreuz hatte mächtige Auswirkungen in seinem Leben. Und das Leben, das er nun im Fleisch lebte, lebte er im Glauben an den Sohn Gottes. Seine Verbindung mit dem Egoismus und dem Eigensinn war abgetrennt worden, und er lebte nun in dem Glauben, dass er Zugang zur „Wurzel und dem Saft des guten Ölbaums“ hatte. Jesus lebte in ihm. Er war ein wahrer Jünger, der reichlich Frucht trug, die durch den Heiligen Geist gewirkt worden war. Er war gestorben, und sein Leben war verborgen mit Christus in Gott (Kol. 3,3).
Lasst uns unser Leben bewusst auf diesem Fundament aufbauen. Dann halten wir uns an Gottes Güte und bleiben in ihm und in seinem Wort (Röm. 11,22). Unsere „wilde Natur“ wird am Kreuz gehalten und das Leben Jesu kann in uns offenbart werden – durch lebendigen Glauben!