Stückweise
In 1. Korinther 13,4–7 (SLT) werden wir dazu ermahnt, in den Besitz der göttlichen Liebe zu kommen: „Die Liebe ist langmütig ... sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“
Paulus schreibt weiter in Vers 9 (SLT): „Denn wir erkennen stückweise und wir weissagen stückweise.“
Uns, die wir Jünger Jesu Christi geworden sind, wurden die größten und kostbarsten Verheißungen gegeben, nämlich göttliche Natur zu gewinnen (2. Petr. 1,3–4). Demgemäß sind wir dazu berufen, dass unser menschlich enges Herz, das nur den eigenen Vorteil sucht, neu wird. Dann wird das Herz weit, hat freien Raum, und wir erleben göttliche Freiheit. Wir bekommen Kraft zu lieben und die Macht zu erbauen in den Lebensumständen, in denen wir gerade sind.
Fange ich an, diese Worte über die göttliche Liebe in den verschiedenen Situationen meines Lebens zu praktizieren, stelle ich schnell fest, dass es mir nicht so gelingt, wie ich es mir vorgestellt habe. Der Grund dafür ist die mir ständig anklebende Sünde. Ich kann zwar alles mögliche aushalten und ertragen, doch die Frage ist, ob ich alles aushalte und alles ertrage.
So viel der Himmel höher ist als die Erde, sind Gottes Gedanken höher als unsere Gedanken, sagt uns sein Wort (Jes. 55,9). Seine Gedanken zeigen sich anhand folgender Tatsache: „Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt. 5,45). Und in Jakobus 1,17 heißt es: „Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel von Licht und Finsternis.“
Dies ist unsere Berufung, diese göttliche Freiheit – göttliche Natur gewinnen. Damit diese innere Verwandlung stattfinden kann, ist es notwendig, dass ich meine Sünde erkenne und mir in jeder Situation darüber im Klaren bin, dass ich immer nur ein kleines Stück des Ganzen sehe. Paulus war sich dieser Tatsache bewusst, als er in Philipper 3,12–14 (SLT) schrieb: „... Eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu ...“
Lasst uns immer diese demütige Selbsterkenntnis bewahren, dass wir nur stückweise erkennen und es nötig haben, mehr und klarer zu sehen! Dann begeben wir uns keineswegs zur Ruhe, sondern es treibt uns ein starkes Sehnen an, mehr von der Güte Gottes sehen zu können und mehr von dem herrlichen Land, das vor uns liegt. Wir sind dazu berufen, zusammen mit allen Heiligen so viel wie möglich dieser Herrlichkeit zu besitzen! Dann wird das Zeugnis des Apostels Paulus in 2. Korinther 6,12 (LU12) auch in uns wahr: „Ihr habt nicht engen Raum in uns.“