Gefangener
„So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.“ (Eph. 4,1–3)
Paulus war treu auf diesem Weg, trotz des Preises. Er war gefangen und gefesselt, doch keines dieser Bedrängnisse konnte ihn daran hindern, seiner Berufung würdig zu wandeln (Apg. 20,19 u. 24). Das Einzige, was für ihn zählte, war, seinen Lauf zu vollenden und den Dienst auszuführen, den er von Jesus Christus empfangen hatte!
„Er ist aufgefahren zur Höhe, hat Gefangene in die Gefangenschaft geführt und den Menschen Gaben gegeben.“ (Eph. 4,8)
Durch seine Treue wurde Paulus den Menschen zu einer Gabe und hinterließ uns ein Vorbild, dem wir nachfolgen können. Sein Wirken und seine Treue – trotz Gefangenschaft und all der Leiden – zeigen uns, welche Möglichkeiten all diejenigen haben, die in demselben Glauben wandeln.
Die Umstände sind heute anders, doch auch wir werden an unsere Grenzen geführt – dorthin, wo wir denselben Glauben brauchen, den Paulus hatte! In solchen Situationen können wir uns wie gefangen fühlen. Unser „Gefängnis“ kann zum Beispiel Armut sein, Krankheit, schwierige Situationen in der Familie, in der Gemeinde, in der Schule oder am Arbeitsplatz.
Wie wunderbar ist es, die Ermahnung eines „Gefangenen um des Herrn willen“ annehmen zu können, sodass wir trotz unserer „Gefangenschaft“ unserer Berufung würdig wandeln können – in aller Demut, Sanftmut und den anderen Tugenden Christi. Wenn alle Forderungen an andere ans Kreuz gebracht werden und alle Gedanken des Selbstmitleids aufgrund unseres „Gefängnisses“ getötet werden, dann bleibt die Einheit des Geistes bewahrt. Dann kommen wir in die richtige Beziehung zu unserem Meister, der selbst diesen Weg bis ans Ende gegangen ist! Erst dann kann Gott uns die Aufgaben zeigen, die er uns aufgetragen hat. Unsere Freude wird dann sein, die „kleinen“ Aufgaben zu tun, die direkt vor unseren Füßen liegen.
Wenn ich dort in meinem eigenen „Gefängnis“ lerne, die Dinge recht zu nehmen, sehe ich, dass gerade mein Teil im Leben eine Gnade des Herrn ist – eine Goldgrube. Da kann ich mit Gott versöhnt sein: Er ist der liebevolle Vater, der mich durch meine Lebensumstände formt. Selbst wenn ich diese anfangs als „Gefängnis“ empfinden kann, sind sie doch verborgene Quellen des Segens! Wenn ich darin zufrieden werde, formt Gott mich zu einer Gabe für die Menschen.
„Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen.“ (Psalm 84,7)
Kann ich mit erleuchteten Augen des Herzens sehen, welche herrliche Goldgrube ich in meinen Lebensumständen habe? Dann steigen um Mitternacht Lobgesänge zu Gott auf, so wie bei Paulus und Silas in Apostelgeschichte 16,25 – auch aus meinem „Gefängnis“!
„Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.“ (Röm. 8,37)