Sein Kreuz auf sich nehmen
„Da sprach er zu allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ (Lk. 9,23) Das ist eigentlich eine ganz einfache Botschaft, aber sie fordert mein ganzes Eigenleben. Wenn das Eigenleben gefordert wird, dann wird es kompliziert. Das Fleisch, das verschont bleiben will, verteidigt sich massiv. Unsere Selbstgerechtigkeit und unser fleischlicher Eigenwille widerstehen der Selbstverleugnung. Aber Jesus sagt ganz klar weiter: „Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.“ Das ist unsere einzige Rettung. Es geht darum, unser Eigenleben hier in dieser Welt zu verlieren und in Gottes Leben hineinzukommen, wo wir den Wirkungen von Jesus Christus, dem Haupt, folgen. Da spürt man, dass man seinem eigenen Fleisch in den vielen unterschiedlichen Situationen des Lebens begegnet, und man erkennt wirklich, dass die einzige Lösung darin besteht, sich zu demütigen und sich unter Gottes mächtige Hand zu beugen und sich selbst wirklich zu verleugnen und sein Kreuz auf sich zu nehmen.
Paulus schreibt in 1. Korinther 1,18: „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft.“ Das erfahren wir wirklich, wenn wir Jesu Wort verstehen, jeden Tag unser Kreuz auf uns zu nehmen. Dann beugen wir uns nämlich unter Gottes gewaltige Hand und nehmen das Kreuz auf und erleben dabei, wie uns diese Kraft Gottes zuteil wird. Das ist dieselbe Kraft, von der Paulus in Philipper 3,10 redet, wenn er von der Kraft seiner Auferstehung, der Gemeinschaft seiner Leiden und davon spricht, seinem Tod gleichgestaltet zu werden. Paulus verstand, dass er auch an seinem Tod teilhaben musste, wenn er Anteil am Leben Christi bekommen wollte. Das ist ja das Ergebnis, wenn wir uns selbst verleugnen und unser Kreuz aufnehmen. Jeder Mensch kann sich bis zu einem gewissen Grad aus eigener Kraft verleugnen. Aber das Kreuz auf sich zu nehmen und Anteil an der Reinigung durch das Blut Jesu zu bekommen, dazu braucht die Kraft des Heiligen Geistes. Dafür muss ich mein Eigenleben und meinen fleischlichen Eigenwillen aufgeben. Dieser Weg führt in die Erniedrigung. Wir Menschen schaffen das nicht, es sei denn, wir demütigen uns unter Gottes mächtige Hand, bitten Gott, die Leitung unseres Lebens zu übernehmen und sind gehorsam dem, was er in uns wirkt.
Bestimmt waren die Jünger, die mit Jesus unterwegs waren, ziemlich überrascht, als er ihnen erzählte, dass er getötet werden und am dritten Tag wieder auferstehen würde, und dass sie, wenn sie ihm folgen wollten, jeden Tag ihr Kreuz auf sich nehmen müssten. Sie hatten gesehen, wie er lebte und den Jüngern und den Menschen diente, denen er auf seinem Weg begegnete. Er war der Erste im Dienen und darin, sein Leben hinzugeben; er erniedrigte sich im Umgang mit den anderen und erwies allen, denen er begegnete, nichts als Güte und Fürsorge. Sie hatten auch die Kraft und Reinheit gespürt, die er ausstrahlte. So verstanden sie in gewissem Maß etwas von Jesu Leben und seiner Herrlichkeit. Aber dass der Weg zu diesem Leben über Demut und das tägliche Tragen des Kreuzes ging, war wohl schwer zu verstehen. Denn kurz nachdem Jesus das gesagt hatte, fingen die Jünger an zu diskutieren, wer von ihnen der Größte sei. Also genau das Gegenteil dessen, was Jesus ihnen beibringen wollte. Aber so sind wir eben als Menschen. Wir sind schnell in der Verteidigung unseres Fleisches und tun uns schwer damit, zu sehen, dass der Fehler bei uns liegt und dass es darum geht, unser Kreuz aufzunehmen. Aber stell dir vor, wie herrlich es ist, die Erkenntnis zu haben, die Paulus in Römer 7 hatte: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt.“ Auch ich entdecke das Gesetz, dass mir, der ich Gutes tun will, das Böse immer vorhanden liegt. Mögen wir alle diese Erkenntnis durch alle Lebenslagen hindurch bewahren.