Eitle Ehre
In Galater 5,26 gibt Paulus einen klaren und so wichtigen Rat: „Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.“ Jesus sagt über sich selbst in Johannes 5,41: „Ich nehme keine Ehre von Menschen an.“
Dieses Verlangen nach eitler Ehre – nach Anerkennung durch Menschen – ist wohl eine der häufigsten Sünden, unter denen Menschen leiden, schon von recht jungem Alter an. Dass es normal ist, macht es nicht weniger schlimm! Jesus sagt im selben Kapitel in Vers 44: „Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt? Und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?“ Hier wird deutlich, wie ernst es ist. Wenn ich mich von der Ehre der Menschen leiten lasse und ihr gutes Zeugnis suche, ist es nach den Worten Jesu unmöglich, zu glauben und somit auch unmöglich, auf dem Weg der Heiligung voranzukommen!
Ich kann leichtfertig meinen, ich sei über diese Sünde hinweg. Und vielleicht bin ich auch „klug“ genug, die gröbsten oder peinlichsten Ausprägungen dieser Sünde zu vermeiden – solche Dinge, bei denen alle sehen und verstehen können, dass ich nun Ehre suche. Ich kann zum Beispiel meine Worte so wählen, dass sie „demütig und fromm“ klingen. Wenn ich das Licht der Wahrheit auf die eigenen Gedanken, Worte und Handlungen scheinen lasse, merke ich schnell, dass leider nicht alles so rein und so frei vom Wunsch nach Ehre ist, wie ich mir selbst es eingeredet hatte. Die Wahrheit ist, dass dieses Streben nach Ehre tief in der menschlichen Natur verwurzelt ist und in vielen unterschiedlichen „feinen“ Formen zum Vorschein kommt: Man genießt es, sich ein bisschen wichtig zu fühlen und gelobt zu werden, man erzählt gerne von Dingen, die man selbst erreicht hat, man hofft auf positive öffentliche Rückmeldungen – und so weiter. Eigentlich zeigen meine Denkweise und mein Verhalten ziemlich deutlich, dass ich ganz einfach Ehre von Mitmenschen suche.
Nur das Kreuz kann mich von all dem komplett befreien. Es bedarf eines eifrigen und entschlossen geführten Glaubenskampfes, in dem ich immer wieder „nein“ sage, wenn die Versuchung aufkommt, Ehre anzunehmen. Das Herrliche ist, dass ich durch den Glauben auch von dieser Sünde völlig frei werden kann und Gott beginnt, mehr und mehr seine Gesetze und Gebote in mein Herz und meinen Sinn zu schreiben. Zum Beispiel steht in Römer 12,10 die Ermahnung: „Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich.“ Was für ein Gegensatz dazu, eitle Ehre zu suchen! So ein Wunder kann Gott in einem armen Menschen tun. Auch wenn ich einst gebunden und ganz erfüllt war vom Verlangen nach eitler Ehre, kann ich verwandelt werden, sodass es mir ein Bedürfnis wird, andere zu ehren. Gott sei Dank für solch ein Werk des Glaubens!
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.“ (Joh. 12, 24–26)
Dies ist für jemanden, der kein Jünger geworden ist, völlig verborgen. Lasst uns um erleuchtete Augen bitten, damit wir, die wir Jünger geworden sind, sehen, wie herrlich es ist, Jesus nachzufolgen, indem wir „unser Leben“ hassen und ein Weizenkorn sind! Für den natürlichen Menschen wirkt so ein Leben wirklich „töricht“. Ein Weizenkorn liegt im Boden und stirbt. Es gibt nicht viel zu sehen, und mit einem verrottenden Weizenkorn kann man auch nicht wirklich angeben ... . Unter der Erde gibt es nicht viel eitle Ehre von den Menschen zu holen. Aber genau ein solches Weizenkorn wird der Vater ehren, und das muss uns für ewig reichen!