„Als du klein warst in deinen Augen ...“
Woran dachte Samuel wohl, als er diese Worte an Saul richtete? Dachte er nicht an den Moment, als damals die verborgene Herzenseinstellung Sauls sichtbar geworden war, als Samuel ihn zum König Israels salben wollte? In 1. Samuel 9,21 lesen wir: „Saul antwortete: Bin ich nicht ein Benjaminiter und aus einem der kleinsten Stämme Israels, und ist nicht mein Geschlecht das geringste unter allen Geschlechtern des Stammes Benjamin? Warum sagst du mir solches?“ Er war völlig von seiner Untauglichkeit überzeugt. Diese Gesinnung führt zu einem schmerzhaften Tod für unseren Feind, das menschliche Ego. Es ist eine große Gnade, dass wir wachen und beten können, um diese Selbsterkenntnis niemals zu verlieren. Als Samuel ihn zum König salben wollte, war Sauls Reaktion darauf ein einfaches und ehrliches Eingeständnis der Wahrheit. Das war die Voraussetzung dafür, dass Gott Saul für die Aufgabe, die er übernehmen sollte, vorbereiten und salben konnte.
In eigenen Augen klein zu sein, bedeutet, dass wir uns danach sehnen, von Jesus zu lernen, „sanftmütig und von Herzen demütig“ zu werden. Wir bekommen Kraft, genau das zu tun, was wir in 1. Petrus 2,23–24 über Jesus lesen, „der es dem anheimstellte, der da recht richtet.“ Durch den Geist der Wahrheit verstehen wir, dass wir überhaupt nicht dafür qualifiziert sind, das zu analysieren oder kritisieren, was andere vermeintlich denken oder empfinden (Mt. 11,29). Um von Jesus lernen zu können, brauchen wir eine Haltung, in der wir anerkennen, dass wir noch nicht so erkannt haben, wie wir erkennen sollten (1. Kor. 8,2). Dann steht uns der Weg offen, Gottes Gedanken zu empfangen, die wahr und gerecht sind. So können wir lernen, besonnen zu denken, wie es in Römer 12,3 steht. „Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich‘s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens.“
Wir freuen uns, dass wir am Kreuz an den Leiden Christi teilhaben und unsere Gedanken gefangen nehmen können unter den Gehorsam Christi. Wir lernen ihn in der Gemeinschaft mit seinen Leiden kennen, und eben das ist unsere Berufung. Wer sich selbst klein achtet, sieht die Herrlichkeit darin, Gottes Gedanken als gute und vollkommene Gaben von oben zu empfangen; sie sind so sehr viel höher als unsere. Im Glauben an diese Gedanken von oben werden wir ausgerüstet, die Werke zu tun, die Gott für uns vorbereitet hat: den anderen zu dienen.