Bruderliebe
In 2. Samuel 1 stimmt David ein Klagelied an über Saul und Jonathan, die im Kampf gefallen sind. In Vers 26 singt er über Jonathan: „Du bist mir sehr lieb gewesen!“ (SL). David zeigte bei der Nachricht vom Tod Jonathans keine Schadenfreude. Ganz im Gegenteil!
Die Liebe Davids zu Jonathan ist ein sehr gutes Beispiel für Bruderliebe. In Psalm 133 beschreibt David diese brüderliche Liebe folgendermaßen: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! [...] Denn dort verheißt der Herr Segen und Leben bis in Ewigkeit.“ Das erleben auch wir immer mehr, nachdem die Liebe in unser Herz ausgegossen wurde.
Jesus sagt in Matthäus 18,20: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Jesus selbst ist der Mittelpunkt der Bruderliebe. Die Bedingung ist, dass wir uns in seinem Namen versammeln. Nicht in unserem eigenen Namen, nicht mit unseren eigenen starken Meinungen, nicht unter dem Einfluss von Sympathie oder Antipathie, nicht mit Forderungen gegenüber anderen. Nein, im Namen Jesu. Er ist derjenige, der sich selbst erniedrigte und derjenige, der uns zuerst liebte. Er ist derjenige, der für uns starb, als wir noch Sünder waren. Wenn wir uns in diesem Namen versammeln und seinem Beispiel folgen, erleben wir, was Jesus sagte. Dann ist er in unserer Mitte, und dort hat der Herr den Segen verheißen!
Petrus schreibt in seinem ersten Brief in Kapitel 1,22: „Habt ihr eure Seelen gereinigt im Gehorsam der Wahrheit zu ungeheuchelter Bruderliebe, so habt euch untereinander beständig lieb aus reinem Herzen.“ Im Umgang miteinander begegnen wir unserer eigenen Natur, beispielsweise unserer Härte und unserer Neigung zu Sympathie und Antipathie. Vielleicht erleben wir auch von anderen etwas, das nicht so gut ist, und dann regt sich oft unsere Seele: Das war ungerecht! Anstatt nun selber böse zu werden und in der brüderlichen Liebe zu erkalten, sollen wir in dieser Situation tun, wozu Petrus uns ermahnt, nämlich unsere Seele reinigen, damit unsere brüderliche Liebe aufrichtig wird und wir von Herzen lieben können. Genau wie David Jonathan liebte! In der Bruderliebe zeigen wir Fürsorge füreinander und erfahren dies auch selbst von anderen. Fürsorge macht das Herz weich, was wiederum die brüderliche Liebe stärkt. Ich mag vielleicht meinen, dass ein anderer seine Schwächen hat – aber kann ich ihn dann dort ergänzen und stärken, wo er schwach ist? So sollte die Bruderliebe sein und ausgelebt werden.
Es ist gut, sich selbst in dieser Hinsicht gründlich zu prüfen. Wie steht es um meine Liebe zu meinen Brüdern und Schwestern, mit denen ich zusammen bin? Ist es so, dass ich von jedem Einzelnen sagen kann: „Du bist mir sehr lieb“, besonders an dem Ort, wo ich wohne und den verschiedenen Menschen regelmäßig begegne? Oder gibt es auch Ausnahmen? Gibt es Personen, die ich lieber meide? Gibt es jemanden, bei dem ich mich vielleicht insgeheim ein wenig freue, wenn es ihm nicht so gut geht? Jemanden, für den ich nicht beten kann? Wenn das der Fall ist, fehlt es mir ja an Bruderliebe! Dann muss ich mich davon bekehren und anfangen, mich selbst zu reinigen.
„Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ (Psalm 133,1). Gepriesen sei Gott, dass wir unverdient Zugang zu einer so herrlichen Gemeinschaft in brüderlicher Liebe erhalten haben. Dadurch lernen wir, im Umgang miteinander barmherzig zu werden. Wir können füreinander beten und spüren auch, dass für uns gebetet wird. Die Bruderliebe gibt uns Energie und Kraft, im Kampf auszuhalten. Wir lieben, und wir spüren, dass wir wieder geliebt werden. Das ist wirklich etwas Feines und Liebliches.
Wo brüderliche Liebe herrscht, dort verheißt der Herr Segen und Leben bis in Ewigkeit!