Verborgene Schätze

Die anderen können so bleiben, wie sie sind

Mai 2025

Die anderen können so bleiben, wie sie sind

Paulus schreibt in 2. Korinther 4 darüber, zu welcher Herrlichkeit wir kommen können, wenn wir nur verstehen, mit allem richtig umzugehen, was uns im Leben begegnet und dem wir ausgesetzt sind. Alles hängt mit unserem inneren Menschen und unserer Beziehung zu Gott zusammen. Besonders dann, wenn das Verhalten der anderen oder ihre Art uns nicht liegen, wenn uns dies Unbehagen bereitet und in Versuchung führt.

Paulus schreibt in Vers 4 über das Licht des Evangeliums und in Vers 6, dass es Gott ist, der dieses Licht in unsere Herzen hat scheinen lassen. Für Paulus war es ein Licht Gottes in seinem eigenen Leben, das sein Inneres und seine Finsternis erhellte, sodass er dadurch mehr von seiner Sünde und seinem Egoismus erkennen konnte. Weiter im Korintherbrief lesen wir, dass das Licht, das Gott in unsere Herzen scheinen lässt, dazu führen soll, dass die Erkenntnis von Gottes Herrlichkeit im Angesicht Jesu Christi aus uns hervorstrahlt. Dies ist das neue Leben, das Leben Jesu Christi und seine Tugenden, die dann hervorstrahlen. Das Licht bringt Gericht, das wiederum Erkenntnis und Reinigung zur Folge hat, wenn wir die Wahrheit lieben, und aus diesem Tod des Eigenlebens wächst wahres Leben.

„Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.“ (Vers 7). Für Paulus war dies ein reicher Schatz, den Gott ihm anvertraut hatte. Dieses neue Leben war mit Christus in Gott verborgen und kam keineswegs aus eigener Kraft. Nein, ganz im Gegenteil: Gerade wenn unsere eigene Stärke zerbricht, kommt Gottes Kraft hervor, das neue Leben. Dieser reiche Schatz ist dann eine wahre Kraft in uns als irdenem Gefäß: Das irdene Gefäß mag so zerbrechlich sein, wie es nur sein kann – doch wenn die Kraft in unserem Inneren von Gott kommt, wird sie in allen Lebenslagen tragen, uns im Guten halten, in der Liebe bewahren.

Paulus arbeitete ganz bewusst damit – als ein Werkzeug oder eine Waffe – gerade in den Situationen und Bedrängnissen, die er durchleben musste (Vers 8–9). Die eigentliche Hilfe, die Lösung in all diesen Prüfungen war für ihn dies: „Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.“ (Vers 10). Das wiederholt er in Vers 11 noch einmal. Gerade durch Licht, Gericht und Selbsterkenntnis wirkte das Sterben Jesu in Paulus, und das Leben wurde offenbart. Das Sterben ging im Verborgenen über all sein Eigenleben, und das Leben Jesu wurde nach und nach an ihm offenbar. Genau das lesen wir in Vers 6, dass die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi aus uns hervorleuchten soll.

Für Paulus war dies ein Licht, das Licht des Evangeliums. Das war ein reicher Schatz von Gott, den er in seinem Leib trug. Deshalb konnte er in Vers 12 auch so einfach sagen: „So ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch“. Die anderen sollten dieses Leben von Paulus erfahren und schmecken. Es sollte ihnen als Segen und Bereicherung von Gott zuteil werden – durch das Wirken der Gnade in seinem Inneren.

Wie ist es mit uns? Ist dieses Licht, dieser Schatz in uns zu Licht und Leben geworden, zu einem Segen für unsere Nächsten und unsere Mitmenschen? Das ist der Wille Gottes, unsere Heiligung (1. Thess. 4,3).

Wenn das in mir lebendig ist, können die anderen so bleiben, wie sie sind. Niemand muss sich meinetwegen verändern. Niemand muss sich meinetwegen beugen oder demütigen. Ich kann mich beugen, ich kann mich unterordnen, ich kann mich selbst erkennen und den Tod über meinen Egoismus wirken lassen, damit das Leben offenbar wird.

Wie häufig ist es nicht der Fall, dass in schwierigen Momenten der andere sich beugen muss oder zumindest ebenfalls erkennen sollte – und nicht nur ich? Nein, das Licht des Evangeliums und dieser reiche Schatz öffnen den Weg zum Leben, wenn ich mich erkennen und beugen kann. Gerade durch dieses Licht und das Leben, das dabei offenbart wird, können auch die anderen das Verlangen und die Sehnsucht entwickeln, diesen Weg zum Leben zu finden. Auf diese Weise können wir Beispiele und Wegweiser für das Gute sein und selbst dazu beitragen, die Menschen zu Christus zu führen.

Das ist der neue und lebendige Weg in den Fußspuren Jesu. Nur indem ich Jesus hier folge, kann ich selbst zum Leben kommen und anderen zur Hilfe sein, damit auch sie diesen Weg zum Leben finden und Besitzer dieses reichen Schatzes im irdenen Gefäß werden.