Sich auf die Zunge beißen
„Sich auf die Zunge beißen“ oder „die Zunge im Zaum halten“ sind bekannte Redewendungen in vielen Sprachen. Die Menschen haben im Laufe der Jahrhunderte gelernt, dass es Situationen gibt, in denen es besser ist, zu schweigen, als sich zu äußern. Das hat Streit und Konflikte verhindert.
„Nicht was zum Mund hineingeht, macht den Menschen unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein.“ (Mt. 15,11). Vielleicht können wir still sein und den Mund halten, uns also angemessen verhalten! Die große Frage ist jedoch: Wen lassen wir in unserem Inneren zu Wort kommen? Womit lassen wir unser Herz füllen?
Jesus lehrt uns: „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ (Lk. 6,45). Es ist also möglich, einen bösen Vorrat an bitteren, egoistischen, feindseligen und herabsetzenden Gedanken in sich zu haben. Solche Bosheit hat ihren Ursprung im Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden. Deshalb muss die Herzenstür scharf bewacht werden! Wenn das nicht geschieht, wird mit der Zeit ein böser Schatz im Herzen entstehen!
„So auch ihr: Haltet euch für Menschen, die der Sünde gestorben sind und für Gott leben in Christus Jesus.“ (Röm. 6,11). Auf diese Weise kommt Satan in unserem Inneren nicht zu Wort. Er wird von der Herzenstür vertrieben! Wir müssen nicht auf ihn hören. Wir sind freigekauft und haben den freien Willen, zu entscheiden, wer im Innersten unseres Herzens reden darf!
Lebendig für Gott in Christus Jesus zu sein bedeutet, seine Stimme zu vernehmen, auf ihn zu hören und ihm und seinem Wort zu gehorchen. Jesus will durch sein Wort und seinen Geist zu mir reden. Es ist gut und notwendig für mich, ihm zuzuhören. Sei erst einmal still und lerne von ihm!
„Hilf mir, auf deine Stunde zu warten, hilf zu schweigen, hilf zu reden“, steht im Originaltext in Lied Nr. 333 in „Herrens Veier“ in der dritten Strophe.
Tatsächlich müssen wir beides lernen: das Schweigen und das Reden. Möge es uns allen bewusst sein, wie wichtig unsere Worte vor allem für diejenigen sind, die uns nahestehen. Worte haben Macht, weil ihnen auch ein bestimmter Geist anhaftet. Möge uns die Gnade gegeben werden, die Worte zu reden, mit denen der Meister uns in unseren Lebenssituationen helfen konnte (2. Kor. 1,3–5). In dem genannten Liedervers heißt es weiter: „... den zu trösten recht auf Erd, welcher mutlos und beschwert!“
Lasst uns mehr denn je darauf bedacht sein, von Christus zu lernen, damit wir die richtigen Worte für unsere Mitmenschen finden können – nämlich Gottes lebendiges Wort des Trostes, der Ermutigung, der Ermahnung und der Wegleitung (1. Kor. 14,3)!