Vollkommene Freude
„Das habe ich euch gesagt, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde.“ (Joh. 15,11)
Jesus sagte dies zu seinen Jüngern, nachdem er sie ermahnt hatte, seine Gebote zu halten und in seiner Liebe zu bleiben (Vers 9–10). Daraus können wir schließen, dass nur das Befolgen von Gottes Geboten zu vollkommener Freude führt. Vollkommene Freude entsteht dann, wenn wir unseren Mitmenschen in Liebe begegnen – jener Liebe, die ihr Leben für ihre Freunde hingibt (Joh. 15,13).
Die meisten Menschen verbinden die Bedeutung von Freude mit einem Leben in Wohlstand, geprägt von Erfolg und frei von Schmerzen, einem Leben, in dem man seine Sehnsüchte erfüllt und seine Träume und Wünsche verwirklicht.
Aber das ist eine falsche und vergängliche Freude. Die vollkommene Freude, die Jesus uns schenken will, ist völlig unabhängig von äußeren Umständen und Lebensverhältnissen. Es gibt nur eines, das uns Menschen die Freude rauben kann, und das ist das Leben gemäß unserer eigenen sündigen Natur.
„Meine Brüder und Schwestern, erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallt, und wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt. Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und unversehrt seid und keinen Mangel habt.“ (Jak. 1,2–4)
Wenn wir keine Geduld haben, dann fehlt uns die Freude. Warum? Die Ungeduld stiehlt sie uns. Unser Glaube wird geprüft und in der Prüfung werden wir versucht. Das Ausharren in der Versuchung bewirkt Geduld, schreibt Jakobus in Kapitel 1. Wenn wir in der Versuchung ungeduldig werden, verschwindet die Freude. Es ist nicht möglich, Ungeduld und Freude zu kombinieren. So ist es mit allen sündigen Neigungen in einem Menschen. Je mehr wir ihnen nachgeben, desto mehr schwindet auch die Freude. Wenn die sündigen Neigungen in der Versuchung oder Bedrängnis Macht über den menschlichen Geist gewinnen, erlischt die Freude. Wenn die Freude zurückkehren soll, muss die Sünde verschwinden. Wir müssen zur Einsicht kommen und uns reinigen.
Je mehr wir von Sünde und Selbstbezogenheit gereinigt werden, desto tiefer und unerschütterlicher wird unsere Freude im Leben. Über Jesus steht geschrieben: „Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deiner Gefährten“ (Hebr. 1,9). Jesus hasste nicht das Unrecht, das ihm angetan wurde, nein, er hasste die Ungerechtigkeit, zu der er von seinem eigenen Fleisch versucht wurde. Die innere, klare Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht in unseren Entscheidungen und Prioritäten ist es, die das Öl der Freude fließen lässt, sofern wir uns für das Richtige entscheiden. Dann ist es nur die eigene Ungerechtigkeit, die Sünde im Fleisch, die verhindert, dass das Freudenöl im Leben fließt. Mit anderen Worten: Es ist nicht die Ungerechtigkeit, die ich von anderen erfahre, die ich verabscheuen sollte, sondern die Ungerechtigkeit in mir selbst. Jede Form von Egoismus ist Ungerechtigkeit.
Jakobus ermahnt uns auch, um Weisheit zu bitten. Wenn in den verschiedenen Lebensumständen Weisheit fehlt, fehlt auch die Freude. Alle Forderungen und Erwartungen an unsere Mitmenschen entspringen der Torheit, und diese wiederum zerstört die Freude. Aus Torheit können wir uns zum Beispiel in die Angelegenheiten anderer einmischen. Das verursacht unnötiges Leid und raubt die Lebensfreude. Wer voller Liebe und Dankbarkeit ist, hat ein weitaus besseres Leben als derjenige, der in Hass, Misstrauen, Unfrieden und mit Forderungen lebt.
„Das Leben lieben und gute Tage sehen“, ist ein Ausdruck, den Petrus verwendet. Wie weise ist es doch, seine Zunge zu hüten und nichts Falsches zu reden, sich vom Bösen abzuwenden und Gutes zu tun, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen! Ein wahrer Quell der Freude! (1. Petr. 3,10–11)
„Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.“ (Ps. 16,11)