Hirte und Prophet

- Der Geist der Weissagung

Hirte und Prophet

Der Geist der Weissagung

„Und ich fiel nieder zu seinen Füßen, ihn anzubeten. Und er sprach zu mir: Tue es nicht! Ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an! Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung.” Offb. 19, 10. Das Zeugnis Jesu ist ein Zeugnis von einem vollständigen Tod über die Sünde. Der Geist der Weissagung ist so stark, dass selbst die Pforten der Hölle keine Macht über ihn bekommen können. Alles, was im Geist der Weissagung gebaut ist, bleibt bestehen – dort kann keine Sünde leben und keine Macht kann ihn besiegen.

„Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist die Gnade gegeben wor­den, den Heiden zu verkünden den unausforschlichen Reichtum Christi und für alle ans Licht zu bringen, wie Gott seinen geheimen Ratschluss ausführt, der von Ewigkeit her verborgen war in ihm, der alles geschaffen hat.” Eph. 3, 8-9.

Ein Prophet ist nicht immer ein großer Redner, aber das Leben, das er lebt, gibt ihm dennoch etwas zu sagen. Er offenbart durch seinen Dienst Christi Geheimnisse – die von ewigen Zeitaltern her verborgen gewesen waren. Diese Geheimnisse treiben die Gemeinde hin zum Geist, zum Wasser und zum Blut. Dann hat das prophetische Wort sein Werk getan – man wird zu einem Tod über „das Ich” hingetrieben. Christi Geheimnisse werden durch die Leh­re, die uns übergeben ist, offenbar. Sie befreien uns von der Sünde und ma­chen uns fähig, Diener Gottes zu werden. Die Propheten stehen in einer besonders engen Verbindung mit Gott. Deshalb kann es durchaus vorkom­men, dass ein Prophet ab und zu Dinge sagt und tut, die im Vergleich zum Hirten und Evangelisten etwas ungewöhnlich sind. Darin liegt etwas Göttli­ches, das kräftig wirkt, sofern man es nicht verachtet. Seine Rede ist oftmals nicht so wohl formuliert und geschliffen – sie kommt spontan und ist direkt von Gott gewirkt. Deshalb lautet eine besondere Ermahnung in 1. Thess. 5, 20. „Prophetische Rede verachte nicht.” Klage auch nie einen Mann an, derdas Schwert auf die rechte Art führt, selbst wenn nicht alle Hiebe rechtmäßig sind.

Man merkt schnell, ob hinter den Worten, die verkündigt werden, ein mensch­licher Wille steckt. Das ist oft dann der Fall, wenn sich derjenige über etwas ärgert oder etwas ändern möchte: das ist nichts anderes als menschlicher Wil­le; daraus wird nichts Wohlgefälliges. Es riecht nach Schweiß. „Und sie sol­len einen leinenen Kopfbund auf ihrem Haupt haben und leinene Beinkleider um ihre Lenden und sollen sich nicht mit Zeug gürten, das Schweiß wirkt.” Hes. 44, 18. Man soll leinene Kleider anhaben – d.h. es darf nichts von mir ausgehen, was nach meinem eigenen Ich riecht. Wenn prophetische Worte verkündigt werden, wird die Gemeinde die Glaubensstellung einnehmen – tot für die Sünde und lebendig für Gott. Ihre gesamte innere Einstellung wird danach ausgerichtet. Solche vom Geist getriebene Rede wirkt so kräftig, dass auch die, die urteilen sollen, beginnen, prophetisch zu reden. 1. Kor. 14, 29. „Auch von den Propheten lass zwei oder drei reden, und die anderen lasst darüber urteilen.” Diejenigen, die durch diese Rede Hilfe bekommen haben, bezeugen nun ihren Glauben. Das bewirkt eine kräftige Erbauung im Geist.

Ich habe oft bemerkt, dass auch in unseren Zusammenkünften auf diesem Gebiet gesündigt wird. Die, die urteilen sollen, spüren oft, dass ihr Herz zu brennen beginnt, wenn der erste Prophet redet. Sofort bekommen sie Lust, auch prophetisch zu reden. Deshalb sind diejenigen, die die prophetische Rede beurteilen sollen, oft ein wenig zu eifrig und lassen dem zweiten Propheten keinen Raum. Wenn mich das, was ich vom ersten Propheten gehört habe, begeistert hat, ist das kein Zeichen dafür, dass ich nach ihm an der Reihe bin zu dienen. Habe ich also erst durch den ersten Propheten etwas vernommen, so ist das ja gerade ein Zeichen dafür, dass ich nicht der zweite Prophet bin, denn dieser hat ja – wie der erste - eine Botschaft direkt von Gott bekommen. Die, die urteilen sollen, sollten es daher etwas ruhiger angehen und genau auf sich selbst und auf die Wirkungen des Geistes in der Versammlung achten, so dass sie erkennen können, wann sie dran sind, sich aktiv an der Versammlung zu beteiligen. Eine Versammlung ist in vielerlei Hinsicht mit einem Klavier­stück vergleichbar. Alle Tasten müssen dem Pianisten zur Verfügung stehen und bereit sein. Einigen kann es so vorkommen, dass die Rede des Propheten so mächtig ist, dass sie nichts mehr hinzuzufügen haben. Deshalb schalten sie ab, werden passiv und sind nicht zum Gehorsam gegenüber den Wirkungen des Geistes bereit. Es werden dann einige „Töne” in der Versammlung fehlen, und den Geschwistern werden durch die Untreue der Betreffenden Ewigkeits­werte geraubt. In der Versammlung kann niemand anderes genau das geben, was du geben solltest. Selbst die schwächsten Glieder haben etwas zur Erbau­ung des Geistes beizutragen.

Es ist absolut notwendig, dass es einen oder mehrere Propheten in einer Gemeinde gibt, damit diese als eine Gemeinde in Gott, als eine Entrückungs­gemeinde bestehen bleiben kann. Ohne das Wirken eines Propheten würde sich das Gemeindeleben leicht im Wahren der äußeren Form erschöpfen; die Gemeinde würde reich und satt werden, selbst wenn sie die rechte Lehre hat. Taste Gottes Propheten nicht an! Diejenigen, die das tun, gehen selbst zu Grun­de. Die Propheten sind Gottes Augapfel. Es hat sie viele Leiden, Kampf und Schmerzen gekostet, zu diesem Leben zu kommen. Ihr Leben und Dienst hat große Bedeutung für die Menschen. Möge Gott deshalb seine Propheten in ihrem Leben und Dienst vor Gottes Angesicht kräftig stärken!

„Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Ge­rechter ist, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen.” Matth. 10, 41. Wer auf diese Weise einen Propheten aufnimmt, ist ja selbst ein Prophet, der diesen Geist kennt, und deshalb ist es auch natürlich, dass er den Lohn eines Propheten empfangen wird.

„Und als sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander. Und Elia fuhr im Wetter gen Himmel. Elisa aber sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und sein Gespann! Und sah ihn nicht mehr. Da fasste er seine Kleider und zerriss sie in zwei Stücke.” 2. Kön. 2, 11-12. Elisa sah Elia als Schutz Israels – als einen, der größere Bedeutung hatte, als die ganze Streitmacht des Landes. Und so war es ja auch!