Eine königliche Priesterschaft
„Dieser Melchisedek aber war König von Salem, Priester Gottes des Höchsten; er ging Abraham entgegen, als der vom Sieg über die Könige zurückkam, und segnete ihn; ihm gab Abraham auch den Zehnten von allem. Erstens heißt er übersetzt: König der Gerechtigkeit; dann aber auch: König von Salem, das ist: König des Friedens. Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.” Hebr. 7, 1-3.
Melchisedek glich dem Sohn Gottes. Deshalb ist Jesus Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks und wir sind berufen, Priester nach derselben Ordnung zu sein. Keiner von diesen ist, wie es die Kinder Levi waren, von Menschen nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebots eingesetzt. Solange man von Menschen eingesetzt ist, wird es immer Streit und Konkurrenz geben. Das Ganze läuft auf irdische Ehre und menschlichen Gewinn hinaus. Darum kann man auch nicht durch Lesen und Studieren Priester nach der Ordnung Melchisedeks werden - dazu muss man wiedergeboren werden.
Jesus selbst war nicht vom Stamm Levi. Er war also nicht deshalb Priester. Er kam vom Stamm Juda. Er war Priester in der Kraft des unvergänglichen Lebens, weil er sich selbst durch den ewigen Geist opferte.
„Denn es ist ja offenbar, dass unser Herr aus Juda hervorgegangen ist, zu welchem Stamm Mose nichts gesagt hat vom Priestertum. Und noch klarer ist es, wenn in gleicher Weise wie Melchisedek ein anderer als Priester eingesetzt wird, der es nicht geworden ist nach dem Gesetz äußerlicher Gebote, sondern nach der Kraft unzerstörbaren Lebens. Denn es wird bezeugt: „Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.” Hebr. 7, 14–17.
Er hob das erste auf – nämlich die Opfer außerhalb des Leibes, wozu Levi gesetzt war – und setzte das zweite ein – das sind die Opferungen im Leib. Da konnte er sagen: Hier bin ich, Gott, zu tun deinen Willen. „Darum spricht er, wenn er in die Welt kommt: „Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir geschaffen. Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. Da sprach ich: Siehe, ich komme – im Buch steht von mir geschrieben -, dass ich tue, Gott, deinen Willen. Zuerst hatte er gesagt: »Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht«, obwohl sie doch nach dem Gesetz geopfert werden. Dann aber sprach er: »Siehe, ich komme, zu tun deinen Willen..« Da hebt er das Erste auf, damit er das Zweite einsetze.” Hebr. 10, 5-9. Auf dieselbe Weise sind wir berufen, ihm nachzufolgen. Wir sind ein königliches Priestertum, dazu berufen, seine Tugenden zu verkündigen.
Im alten Bund waren König und Priester zwei verschiedene Personen. Sie waren in ihrem Dienst für Gott auf vielerlei Weise miteinander verbunden und waren abhängig voneinander. Jesus war von niemandem abhängig. Indem er sich selbst opferte, bekam er auch die Königsmacht, so dass er Gottes Willen tun konnte. Dieselbe Berufung haben wir bekommen. Wenn wir mit dem Willen des Fleisches und der Sinne in das Sterben Jesu hineingehen, wird auch das Leben Jesu an uns offenbar werden, so dass auch wir die Königsmacht haben. „Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.” Röm. 8, 13.
Diejenigen, die so leben, werden Priester für Gott und haben Kraft, Gottes Willen auszuführen. Sie werden eine Waffe der Gerechtigkeit für Gott, so dass sowohl König als auch Priester in ein und derselben Person offenbar werden. „Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin, als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit.” Röm. 6, 13. Durch das Leben solcher Menschen wird dann die Kraft des unvergänglichen Lebens offenbar. Das ist das Priestertum Melchisedeks im neuen Bund.
Ich glaube, dass es für die Geschwister in vielerlei Hinsicht am leichtesten ist, Priester zu sein, indem sie verstehen, ihr eigenes Leben zu opfern und dadurch im Guten bewahrt zu bleiben. Es kann etwas schwerer sein, König zu sein und das zu sagen, was gesagt werden sollte und das zu tun, was getan werden sollte. Gerechtigkeit zu wirken, scheint in vielerlei Hinsicht nicht so christlich zu sein, aber um unserer Brüder und unserer Freunde willen ist es doch notwendig. Solche königlichen Priester sind von Gott eingesetzt. Darum machen sie auch kein Wesen um ihre Person, sondern sie tauchen auf und segnen eine Seele in ihrem Kampf und Streit. Gegen einen solchen Dienst werde ich mich nicht wehren, sagte David. Das ist wie das gute Salböl, das den Bart herabfließt. Es folgt etwas Frisches und Gesegnetes, wenn solche Personen auftauchen – solche Priester nach der Ordnung Melchisedeks. Sie halten nie lange Vorträge mit theoretischen und theologischen Auslegungen, die von Grübeleien und Erkenntnis herrühren. Nein, vor langer Zeit haben sie den Dachboden gründlich entrümpelt und haben alles alte Gedankengut die Treppe abwärts hinaus in den Container befördert. Sie sind imstande dazu, kurze und geisterfüllte Reden zu halten, voll von Kraft und himmlischen Vitaminen. Sie treten einfach und natürlich aus der Ewigkeit heraus und können eine Seele auf dem Weg zum Himmel segnen - auf die gleiche Weise, wie Melchisedek Abraham segnete und ihm nach dessen Sieg über den König von Sodom mit Brot und Wein entgegenkam.
Wenn sein Name gedeutet wird, ist er vor allem König der Gerechtigkeit. Es war gerecht von Melchisedek, Abraham entgegen zu gehen, da Abraham nicht für sich selbst oder das Seine gekämpft hatte. Sein Herz brannte für seinen Neffen Lot. Wäre Abraham neidisch gewesen oder hätte er etwas Böses gegen Lot im Herzen gehabt, weil dieser das Beste gewählt hatte, hätte Abraham nicht so gehandelt. Dann hätte er sich einfach abgewandt, als er sah, dass Lot in Schwierigkeiten kam. Der Segen, den Abraham von Melchisedek bekam, war so stark und kräftig, dass Abraham auch verstand richtig zu wählen, als der König ihm das Gold und das Silber geben wollte und selbst das Volk behalten wollte. „Aber Abram sprach zu dem König von Sodom: Ich hebe meine Hand auf zu dem Herrn, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, dass ich von allem, was dein ist, nicht einen Faden noch einen Schuhriemen nehmen will, damit du nicht sagest, du habest Abram reich gemacht.” 1. Mose 14, 22-23.
Es gehört zum Priestertum Melchisedeks, dass man voll und ganz an das glaubt, was Gott tun will. Er wartete nicht auf irgendein Erbe und war nicht an etwas Irdisches gebunden. Er hatte weder Vater noch Mutter auf menschliche Weise, und darum war er imstande, Gottes Willen zu tun. Darin ist er auch Gottes Sohn gleich. Wenn man treu im Licht wandelt, sollte man von aller Sympathie und Antipathie frei werden, so dass nicht etwas von diesem Stoff – für den einen und gegen den anderen – in den eigenen Dienst hineinkommt. Wir müssen den Wirkungen des Geistes folgen und dort arbeiten, wo Gott seine Interessen hat. Wen Gott segnet, der wird auch von Priestern im Priestertum Melchisedeks gesegnet werden.
Ein König nach dem Priestertum Melchisedeks zu sein, beinhaltet nicht nur, für das Evangelium aufzustehen und die Wahrheiten des Evangeliums zu verteidigen. Das ist selbstverständlich ein Teil des Ganzen. Die königliche Gerechtigkeit, die aus der Kraft des ewigen Lebens kommt, strahlt wie Zion in ihrer Schönheit in allen Verhältnissen des Lebens hervor. Zum Beispiel haben solche Personen einen Sinn dafür, freigiebig zu sein und Gutes zu tun, und sie haben Kraft und Würde, ihre Güte auszuüben. Gott sorgt dafür, dass solche keine Bettler werden, sondern gibt ihnen Mittel, um gerade auch in irdischen Verhältnissen zu segnen. Sie achten genau darauf, dass niemand Schaden erleidet – dass alle Berge erniedrigt und die Täler erhöht werden. Weil ihre Herzen vollständig rein von Neid sind und von dem, Ehre von Menschen zu suchen, haben sie auch immer allen Menschen einen Segen zu geben.
Im Wetteifer einander zu ehren, sind sie darum unter den Allerersten und alle können erkennen, dass sie einen Segen nach Gottes Willen hervorbringen und das Herz des Bruders und der Schwester salben.
Es ist fast verwunderlich, wie gut solche das Verborgene der Anderen kennen und wie sie das verborgene Leben mit Christus in Gott leben. Sie sind ganz unabhängig von äußerem Dienst und Glanz, zu dem die Menschen so oft aufsehen. Es ist überaus gut, mit solchen zusammen zu sein. Selbst wenn manche das Gefühl haben, dass diese streng oder hart sind, sind sie doch die besten Menschen, mit denen man zusammen sein kann. Solche Personen werden dir allezeit ein Freund und ein treuer Helfer und eine Stütze in Zeiten der Not sein. Willst du gute Freunde haben – was ja ein gewaltiger Reichtum ist – dann musst du in dieses Priestertum Melchisedeks hineinkommen. Hier kann Gott dich auf seinem Weg leiten und Gott kann dich in seiner Hand formen, wie er es wünscht. Dies ist der Königsweg hinein in Gottes Reich - der neue und lebendige Weg, der ganz von Anfang an der Weg der Helden war. Hier wandelte Jesus Christus selbst und hier wandeln die, die ihm nachfolgen. Sie haben himmlische Schätze angehäuft, die das Erbteil der Heiligen im Licht sind. Hier brennt das Herz für alles, was rein und heilig ist. Du, der du Miterbe bist – reih dich hier ein, und du gehst zu ewigem Leben und zu ewiger Herrlichkeit ein.
Ich bekam selbst Gnade, von meiner frühesten Jugend an in dieses Priestertum hineinzukommen, was bewirkt hat, dass ich Gemeinschaft mit den besten Menschen auf der Erde bekommen habe und dass ich ein außergewöhnlich reiches und herrliches Leben führen durfte.
Ein guter König hat sein Volk vor Augen und hat den aufrichtigen Wunsch, es für das Volk gut zu machen. Auf dieselbe Weise haben auch die königlichen Priester in der Gemeinde keinen Bedarf dafür, selbst bedient zu werden, sondern sie wünschen so wie der Meister zu dienen und zum Segen zu sein. „So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.” Matth. 20, 26-28. Ihr Verlangen ist, die Herzen der Witwen zum Jubeln zu bringen und jeden darin zu stärken, in seinem Erbteil zu wachsen und zu gedeihen.
Hätten die Schafe, die David hütete, sprechen können, hätten sie wohl gesagt: „David ist mein Hirte, mir mangelt nichts.” Er rettete sie vor Bär und Löwe und setzte das Leben für sie ein. „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.” Joh. 15, 13. Durch solche Könige entsteht ein glückliches Volk, das selber zu Königen heranwächst. Es wird so, wie von Israels erstem Präsident Chaim Weizmann erzählt wird, der dem amerikanischen Präsidenten Harry Truman antwortete, als dieser begeistert sagte: „Ich bin Präsident von 150 Millionen Amerikanern, und Sie nur für eineinhalb Millionen Israeli!” Weizmann antwortete: „Sie irren sich! Ich bin Präsident von eineinhalb Millionen Präsidenten!”
Einem guten König liegt das ganze Königreich am Herzen, und selbst die Menschen in den entlegensten Gegenden seines Reiches erleben, dass er sie kennt und ihnen wohl will. Er sieht den Wert des einzelnen Menschen, und ihre Lebenssituation bedeutet ihm etwas. Er arbeitet dafür, den Einzelnen so weit in Gott voran zu führen, dass dieser über sein Erbteil jubeln kann. So soll es auch in Gottes Gemeinde sein. Wir alle sollen mitarbeiten und wie unser Vorbild und Hohepriester Jesus Christus dienen und unser Leben geben.
„Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk wild und wüst; aber wohl dem, der auf die Weisung achtet!” Spr. 29, 18. Jesus ist das wahre Brot vom Himmel, das gekommen ist, um der Welt Leben zu geben. Die königlichen Priester haben auch Nahrung zu geben. Wenn das eigene Ich stirbt, bekommt man das Brot zu geben, das vom Himmel ist, so dass viele Nahrung bekommen können. Genauso wie der Meister am See Genezareth Tausende sättigte, kann ein solcher Diener durch das, was klein und gering ist, Tausenden Nahrung geben, wenn es vom Meister gesegnet wird.
„Darum, so spricht der Herr, Jahwe: Siehe, ich gründe einen Stein in Zion, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, aufs festeste gegründet; wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen.” Jes. 28, 16. Es ist oft wichtig, sich ein wenig Zeit zu nehmen. Als König muss man tatkräftig handeln, aber trotzdem dürfen wir nicht Gott voraus sein. Wir müssen warten, bis wir das Geräusch von den Wipfeln der Bakabäume hören.
„Und David befragte den Herrn; der sprach: Du sollst nicht hinaufziehen ihnen entgegen, sondern komm von hinten über sie, dass du sie angreifst vom Bakawalde her. Und wenn du hörst, wie das Rauschen in den Wipfeln der Bakabäume einhergeht, so eile; denn dann ist der Herr ausgezogen vor dir her, zu schlagen das Heer der Philister.” 2. Sam. 5, 23-24. Als er Gottes Rede hörte, machte er sich zum Krieg bereit und gewann auf diese Weise große Siege. Ist man zu schnell, kann man die Menschen zerstören, anstatt sie zu erbauen.
Im Totenreich gibt es keine Entwicklungsmöglichkeit mehr und darum ist auch die Stimme des Treibers ausgeschlossen. Hiob 3, 18. Durch den König kommt auch der Treiber hervor. Er wünscht, dass seine Befehle alle Provinzen im ganzen Land erreichen. Auf dieselbe Weise sollten wir davon ergriffen sein, dass Jesus als Herr in den Herzen geheiligt wird und dass die Botschaft von der Errettung und Erlösung alle Provinzen erreichen soll. Unser Herz ist wie die Hauptstadt. Von dort soll Christi Leben in unseren ganzen Leib hineinkommen. Als „gereifte” Diener des Herrn sollen wir nicht nur gute Arbeiter werden, sondern wir sollen es zur kunstvollen Facharbeit bringen. Dann hat die Botschaft von Heil und Erlösung bildlich gesprochen alle Provinzen des Landes erreicht.
Ein solcher König ist ein Opferpriester Gottes. Er war in seinem eigenen Leben treu, als der Geist Opfer aussuchte. Dadurch hat er selbst etwas bekommen, was er vor Gott bringen kann. Das sind die geistlichen Opfer, die Gott gefallen. Hier sind beide, König und Priester, in ein und derselben Person wirksam. „Er ist es, der mit Wasser und Blut gekommen ist, Jesus Christus; nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ist es, der bezeugt, weil der Geist die Wahrheit ist. Denn drei sind es, die bezeugen: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei sind einig.” 1. Joh. 5, 6-8 (Schlachter Übers.).
Jesus kam nicht nur mit äußerlicher Reinigung. Durch den hohepriesterlichen Dienst werden auch wir in eine innere Reinigung getrieben, so dass wir zum Zeugnis des Blutes kommen – unser eigener Egoismus wird zunichte gemacht. Durch diese zwei Zeugnisse bezeugt der Geist – der die Wahrheit ist – dass es wahr ist. Es ist wahr, dass man ein Jünger ist und dass man sein Leben in dieser Welt hasst. Denn es sind drei, die da zeugen – der Geist, das Wasser und das Blut. Es ist ungeheuer wichtig, dass diese drei Zeugen in unserem Leben hervorkommen. Durch diese Zeugnisse wird die Gemeinde hineingetrieben in Geist, Wasser und Blut. Es kommt auf vielerlei Weise mehr Fahrt ins Schiff, und man segelt scharf. Ein solcher Mann ist ein Treiber, der die Gemeinde in Fahrt bringt, und dafür sorgt, dass die Segel richtig stehen und dass man vorwärts kommt. Christi Leib wird erbaut und wächst. Die Reinigung zur äußerlichen Reinheit bringt alleine keinen Antrieb, aber durch Jesu Rede und sein Leben werden die Menschen vorwärts getrieben – hin zu Licht und Gericht.
Im alten Bund waren sie mit Tieropfern beschäftigt – im neuen Bund wird die Stimme des Treibers in dem Dienst offenbar, der uns zum Zeugnis des Blutes treibt. „Gedenkt an den, der soviel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werden und den Mut nicht sinken lasst. Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf gegen die Sünde.” Hebr. 12, 3-4.
Es gibt viele gute Prediger und Redner, die viel Gutes und Erbauliches über Gott sagen können, aber es gibt nur wenige Propheten unter uns, die Priester sind, die schlachten können.
Möge Gott seine Propheten stärken und bewahren. Ohne sie ist die Gemeinde hoffnungslos verloren. Es sind nur wenige imstande, so zu dienen, dass die Gemeinde in eine tiefere Gemeinschaft mit unserem Vorläufer, der im Fleisch offenbart wurde, getrieben wird.
Wenn man ein gutes Gewissen hat, besitzt man das Zeugnis des Wassers. Weiterführend geht es jedoch darum, dass jeder Einzelne mehr Licht bekommt und Wachstum und Entwicklung erlangt, so dass eine tiefere Reinigung von der eigenen Sünde (dem eigenen Egoismus) geschieht. Es gibt große Unterschiede zwischen den Gewissen der Geschwister. Das Gewissen ist eine Bezeichnung für das, was man zusammen mit Gott weiß. Hier können wir einander nicht richten, sondern müssen uns an Jesu Wort halten: „Wenn ihr aber wüsstet, was das heißt: „Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer”, dann hättet ihr die Unschuldigen nicht verdammt.” Matth. 12, 7. Einige tun mit gutem Gewissen etwas, was für andere völlig verwerflich wäre. Alle sollen auf diesem Gebiet zu Wachstum kommen, so dass Gott durch unsere Leiber geehrt werden kann – das ist die Zielrichtung.
Der Opferpriester hat einen Dienst vor Gottes Angesicht. In solchem Dienst kann man unmöglich vor dem Angesicht der Menschen stehen und Ehre von ihnen suchen. Hier muss man den Weg des Weizenkorns gehen, auf dem man selbst stirbt, damit die anderen leben können. Man ist imstande, sich über die zu freuen, die sich ihrer Siege rühmen, obwohl sie Kleinkinder in Christus sind. Solche Menschen haben einen Vatersinn und sie freuen sich über das Wachstum und den Dienst der anderen; so wie Paulus sich über die Korinther freute, als sie wie Korn in der Ähre im Wind hin und her gewiegt wurden. Er wusste, dass die Zeit kommen würde, da sie selber in die Erde fallen und sterben würden, um viel Frucht zu bringen. Auf dieselbe Weise wie das Korn in der Ähre natürlich heranreift, sollten auch wir uns über die Jugendlichen freuen, die sich in der Gemeinde wohl fühlen, selbst wenn sie noch nicht so gereift sind, dass sie in die Erde fallen um zu sterben.
Möge niemand durch Ehre oder Größe von diesem Dienst abkommen und in die Irre gehen. Gottes Propheten müssen sich an Gottes Tisch setzen und die Stimme aus seinem Mund hören. Dort wird ihnen mitgeteilt, was der Gemeinde mangelt. Dann können sie dienen, um Licht und Verständnis zu geben, so dass der Einzelne sich selbst sieht und dazu kommt, sein eigenes Leben in einem solchen Grad zu hassen, dass er das tötet, worüber er Licht bekommt. Einen solchen Dienst auszuführen, erfordert große Gottesfurcht!
Es ist das Geheimnis der Gottesfurcht, das den Geist des Antichristen von der Gemeinde fern hält. Als ein Opferpriester Jesu Christi kann man nicht vermeiden, menschliche Personen gegen sich zu bekommen. Darum muss man zuerst im eigenen Fleisch ein Opferpriester sein. Dies ist ein gewaltiger Kampf. Wir müssen alles hassen, was nach uns selbst schmeckt. Wir haben nichts, was wir nicht bekommen haben. Von sich selbst zu denken, man habe großes Vertrauen, ist der erste Schritt auf dem Weg des Abfalls. Verwirf jeden solchen Gedanken als unwahr.
„Ich habe es aber dennoch gewagt und euch manches geschrieben, um euch zu erinnern kraft der Gnade, die mir von Gott gegeben ist, damit ich ein Diener Christi Jesu unter den Heiden sei, um das Evangelium Gottes priesterlich auszurichten, damit die Heiden ein Opfer werden, das Gott wohlgefällig ist, geheiligt durch den heiligen Geist. Darum kann ich mich rühmen in Christus Jesus vor Gott. Denn ich werde nicht wagen, von etwas zu reden, das nicht Christus durch mich gewirkt hat, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen durch Wort und Werk, in der Kraft von Zeichen und Wundern und in der Kraft des Geistes Gottes. So habe ich von Jerusalem aus ringsumher bis nach Illyrien das Evangelium von Christus voll ausgerichtet.” Röm. 15, 15-19.
Ein Opferpriester hat einen anderen Geist über sich als einer, der nur in Gottes Erkenntnis gelehrt ist. Letzterer hat nicht das Schwert, das durchdringt und scheidet. Was der Prophet redet, ist nicht immer so wohl formuliert, aber es ist doch Gottes Wort, welches mächtig ist, in unserem Inneren ein Werk zu tun. Steht man in der Erniedrigung und ist gehorsam, gelangt man zu einem solchen Leben. Wenn man auch kein guter Redner ist, so wird einem doch das Leben etwas zu sagen geben.
Der Kampf wird im Verborgenen gekämpft. Unser Werk geschieht auch im Verborgenen und Gott gebührt die Ehre. Johann O. Smith wusste, dass die Offenbarungen, die er von Gott bekommen hatte, festen Bestand haben würden. Er arbeitete mit nichts anderem als mit dem, was Gott ihm gegeben hatte.
Dass Christus im Fleisch offenbart wurde, ist das Geheimnis selbst – Christus selbst ist ja eben das Geheimnis – er, der wie die Kinder Fleisch und Blut angenommen hat, er, der mit starkem Geschrei und Tränen Gebete und Notrufe dargebracht hat. Das ist der Menschensohn – der Mensch Jesus Christus. Darum musste er gekreuzigt werden. Wenn Jesus nicht sein Kreuz auf sich genommen hätte, wäre durch seinen Leib auch nicht Gottes Weisheit offenbar geworden. Stattdessen wäre seine eigene Person hervorgekommen.
Die Religiösen im Allgemeinen verkünden einen anderen Jesus, einen, der sich nicht erniedrigen musste, einen, der nicht versucht wurde. Man kann Christi Leben nicht mit Kraft verkündigen, ohne selbst in der Erniedrigung zu stehen. Das ist der Leidensweg, und Jesus litt dadurch, dass er versucht wurde. „Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde.”
1. Petr. 4, 1. Wir werden auch versucht. In dem Maß wie wir ausleiden, bekommen wir ein zunehmend größeres Gebiet, auf dem wir nicht mehr versucht werden. Gott führt uns ständig an unsere Grenzen, so dass in unserem Inneren eine Entwicklung und ein Wachstum geschehen können.
Wir dürfen nicht einfach nach unseren Neigungen loslegen, - alles muss im Geist der Gemeinschaft geschehen. Die Berufung der Gemeinde ist, Jesu Braut hervorzubringen, und der Geist, der Christi Braut hervorbringt, muss immer in unseren Versammlungen sein. Der Vorhof muss diesen Geist respektieren. Wir können nicht allem Möglichen nachgeben. Sei gütig und fest und steuere auf das Ziel zu, das Gott für die Gemeinde gesteckt hat. Gott selbst hat einen Leib aufgerichtet und in ihm liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Es ist darum Weisheit, Rat im Leib zu suchen, so dass man wie ein fester Block zusammenhält.
