Fremdes Feuer
„Und Aarons Söhne Nadab und Abihu nahmen ein jeder seine Pfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten so ein fremdes Feuer vor den Herrn, das er ihnen nicht geboten hatte. Da fuhr ein Feuer aus von dem Herrn und verzehrte sie, dass sie starben vor dem Herrn. Da sprach Mose zu Aaron: Das ist’s, was der Herr gesagt hat: Ich erzeige mich heilig an denen, die mir nahe sind, und vor allem Volk erweise ich mich herrlich. Und Aaron schwieg.” 3. Mose 10, 1-3.
Fremdes Feuer ist gefährlich, weil es unkontrollierbar ist, und Feuer ohne Aufsicht und Kontrolle bringt den Menschen Unglück und führt zum Ruin. Eine Feuerstelle dagegen spendet Wärme und dient zum Segen und zur Gemeinschaft. So ist es auch mit der Zunge. Jak. 3, 6. Sie ist ein Feuer, und wenn sie mit dem Himmelreich und den dort für die Erbauung geltenden Gesetzen in Verbindung gebracht wird, ist sie ein außerordentlich großer Segen. Wir sind dazu berufen, in der Beweisung des Geistes und der Kraft zu reden. Dann verspüren wir Gottes Geist und sein Zeugnis von Reinheit und Freiheit von der Sünde. Im Gegensatz dazu zeigt uns die Weltgeschichte viele Beispiele von Menschen, die mit dem Feuer, das von unten kommt, erfüllt waren, und die mit feurigen Reden das Ihre gesucht und die Menschenseelen verführt haben. Solche Menschen haben dazu beigetragen, Volk und Land zu ruinieren.
Fremdes Feuer dringt in die Gemeinde durch Menschen ein, die das Ihre suchen und etwas für sich selbst möchten. Manche übernehmen sich mit Aufgaben, die ihre Fähigkeiten übersteigen und außerhalb ihres gesalbten Gebietes liegen. Vielleicht redet man gegen Äußerlichkeiten und möchte Dinge zurecht bringen, wozu nur die Väter in Christus Gnade haben. Oft tritt ihre menschliche Stärke so sehr zutage, dass es nicht erbaulich ist, ihnen zuzuhören. Selbst wenn man die Gabe hat, von der Weisheit und der Erkenntnis zu reden, und brennend und warm über die Geheimnisse Christi reden kann, ist man dennoch nichts, wenn man keine Liebe hat. Das bedeutet, dass man nicht zu praktizieren versteht, worüber man so warm redet. Dann ist man, obwohl das, was man sagt, recht und richtig ist, dennoch ein falscher Prophet. Man führt die Menschen eher zu sich selbst anstatt zu Christus, der das Haupt ist. Dies ist der Grund für viel Unruhe im Gemeindeleben in vielen Versammlungen.
An denen, die dem Herrn nahe sind, will er seine Heiligkeit erzeigen. Ist der Beweggrund für den Dienst, den man tut, nicht der, dass man die Heiligkeit des Herrn offenbaren will, dann geht man in die Irre und leitet andere in die Irre. Das „Ich” steuert das Ganze. Leider gibt es dafür mehrere Beispiele. „Ich habe der Gemeinde kurz geschrieben; aber Diotrephes, der unter ihnen der Erste sein will, nimmt uns nicht auf. Darum will ich ihn, wenn ich komme, erinnern an seine Werke, die er tut; denn er macht uns schlecht mit bösen Worten und begnügt sich noch nicht damit: er selbst nimmt die Brüder nicht auf und hindert auch die, die es tun wollen, und stößt sie aus der Gemeinde.” 3. Joh. 9-10.
Diotrephes führte die Schafe zu sich selbst und wollte nichts von Johannes und den anderen Brüdern wissen. Er hinderte jene, die gerne Gemeinschaft haben wollten und stieß sie sogar aus der Gemeinde. Alle, die etwas Besonderes sein möchten, suchen das Ihre, und sie benutzen ihre Gnadengaben, um über die Menschen zu herrschen und Macht über sie zu bekommen. Solche haben es leicht, die Lehre mit dem Verstand zu erfassen, aber gleichzeitig sind sie stark in sich selbst. Es ist Schwäche, vor ihrer Stärke zu kapitulieren und sich unter sie zu beugen. Man sollte feststehen und ihnen Bruderschaft dahingehend erweisen, dass die Stärke gebeugt und zum Segen werden kann. Menschen, die stark in sich selbst sind, stellen das größte Gefahrenpotenzial für die Zerstörung einer Gemeinde dar - falls sie Macht bekommen. Sie sammeln zu sich selbst und suchen nicht, was Christi ist. Darum ist es wichtig, sie entsprechend zu behandeln und von den frühesten Anfängen an mit solchem Ausschuss reinen Tisch zu machen. „Ich gehe davon aus, dass, wenn das Ganze nicht in wilde Triebe ausarten soll, dann muss man den nötigen Schnitt erhalten – und das beizeiten”, schreibt Johan O. Smith.
Man glaubt vielleicht von sich, die Dinge klar zu sehen, aber sucht man das Seine, greift man leicht auf eine solche Weise in die Dinge ein, dass der Hirte in der Gemeinde geschwächt wird. Sehr wahrscheinlich sieht der Hirte die Dinge auch klar, aber er arbeitet vielleicht mehr im Stillen, damit die Schwachen gestärkt werden und die Gebrechlichen geheilt werden. Um nicht gegen die Gesetze in Christi Leib zu verstoßen, müssen wir behutsam vorgehen und lieber ergänzen, was fehlt, anstatt zu beginnen, gegen die Anderen zu arbeiten. Hier können wir von dem Verhältnis zwischen Absalom und David lernen.
„Und es begab sich danach, dass Absalom sich einen Wagen anschaffte und Rosse und fünfzig Mann, die seine Leibwache waren. Auch machte sich Absalom eines Morgens auf und trat an den Weg bei dem Tor. Und wenn jemand einen Rechtshandel hatte und deshalb zum König vor Gericht gehen wollte, rief ihn Absalom zu sich und sprach: Aus welcher Stadt bist du? Wenn der dann sprach: Dein Knecht ist aus dem und dem Stamm Israels, so sprach Absalom zu ihm: Siehe, deine Sache ist gut und recht; aber du hast keinen beim König, der dich hört. Und Absalom sprach: Oh, wer setzt mich zum Richter im Lande, dass jedermann zu mir käme, der eine Sache und Gerichtshandel hat, damit ich ihm zum Recht hülfe! Und wenn jemand ihm nahte und vor ihm niederfallen wollte, so streckte er seine Hand aus und ergriff ihn und küsste ihn. Auf diese Weise tat Absalom mit ganz Israel, wenn sie vor Gericht kamen zum König. So stahl Absalom das Herz der Männer Israels.” 2. Sam. 15, 1-6.
Die auf solche Weise dienen, widersetzen sich dem lebendigen Gott und seinem Willen in ihrem Begehren nach eigener Ehre und danach, ihre eigene Person in den Vordergrund zu stellen. Sie sind wie reißende Wölfe. Die Natur des Wolfes ist, zu nehmen und in Stücke zu reißen – er hat nichts zu geben. Damit er Macht erlangt, um in Christi Gemeinde Schaden anzurichten, benötigt der Wolf ein Schafskleid. „Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.” Matth. 7, 15. Gottes wahre Propheten arbeiten, um die besten Weiden für ihre Herde zu finden, und sie wachen über die falschen Propheten, dass diese nicht zur Macht gelangen. Sie sind geopfert und haben sich mit ihrem ganzen Leben Gottes Willen hingegeben. Sie suchen nicht das Ihre, sondern reinigen sich von aller Selbstsucht. Deshalb braucht man sich auch nicht darüber zu wundern, dass Gott für sie sorgen will für Zeit und Ewigkeit!
