Sich selbst verleugnen
Viele Menschen verleugnen sich in sehr vielen Dingen, ohne dass sie sich selbst verleugnen. Ihre Selbstverleugnung dient eher zur Stärkung ihres „Ichs”, und sie dünken sich dadurch besser als andere. Für solche Menschen ist Christus nicht mehr das Haupt. Darum ermahnt Gott auch: „Hüte dich, dass du deine Brandopfer nicht an jeder Stätte opferst, die du siehst!” 5. Mose 12, 13. Es liegt in unserer Natur, andere auf uns aufmerksam machen zu wollen. Darum ermahnt Jesus auch eindringlich in der Bergpredigt: „Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich ich sage euch: sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die Rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.” Matth. 6, 1-6.
„…die zwar einen Schein von Weisheit haben durch selbst erwählte Frömmigkeit und Demut und dadurch, dass sie den Leib nicht schonen; sie sind aber nichts wert und befriedigen nur das Fleisch.” Kol. 2, 23. Jeder Gottesdienst, der nach unserem eigenen Gutdünken geschieht, hat vor Gott keinen Wert. Er dient nur zur Befriedigung des Fleisches. Es gehört ein brennender Eifer dazu, all dies auszurotten, so dass der Leib ein Tempel des heiligen Geistes wird. „Zerstört alle heiligen Stätten, wo die Heiden, die ihr vertreiben werdet, ihren Göttern gedient haben, es sei auf hohen Bergen, auf Hügeln oder unter grünen Bäumen.” 5. Mose 12, 2.
„Weil wir nun wissen, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir, Menschen zu gewinnen; vor Gott aber sind wir offenbar. Ich hoffe aber, dass wir auch vor eurem Gewissen offenbar sind.” 2. Kor. 5, 11. Wir sehen, dass dieser Vers in klarem Zusammenhang mit dem steht, was Paulus vorher und nachher schreibt. Es ist klar, wenn man Menschen gewinnt, möchte man auch gern angesehen sein. Darum sind die Beweggründe in unserer Arbeit für die Menschen auch sehr verschieden. Paulus war vor Gott offenbar in dem, was er tat - für ihn war es eine Herzenssache. Er hoffte, dass er auch vor dem Gewissen anderer offenbar sein konnte. Er begehrte nicht ihre irdischen Güter, sondern hatte den Wunsch, ihre Herzen für Gott zu gewinnen. Er wusste, dass der Herr zu fürchten ist, und er wusste, dass er eines Tages vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden musste, um seinen Lohn für das zu empfangen, was er bei Lebzeiten getan hatte - es sei gut oder böse. Er hatte die Beweggründe seines Herzens geprüft und mit allem Egoismus aufgeräumt. Darum konnte er auch sagen: „Denn die Liebe Christi drängt uns, zumal wir überzeugt sind, dass, wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist.” 2. Kor. 5, 14-15.
Man kann fragen: Warum schreibt er nicht „für andere zu leben”, sondern „für ihn”? In der Praxis bedeutet dies ja, dass wir für andere leben, aber trotzdem schreibt er, dass wir für Christus leben sollen. Das tut er, damit wir in unserer Arbeit für die Menschen nicht deren Knechte werden. Viele sind Knechte der Menschen geworden, weil sie bei Weltmenschen den Ruf haben wollen, gute Christen zu sein. Dadurch verlieren sie selbst jedoch die Verbindung mit dem Haupt - also mit dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. „Und das nicht nur, wie wir hofften, sondern sie gaben sich selbst, zuerst dem Herrn und danach uns, nach dem Willen Gottes.” 2. Kor. 8, 5. Wir können uns nicht den Menschen auf die Weise hingeben, wie sie es fordern und haben möchten, denn sonst werden wir schnell der Menschen Knechte. Jesus lebte so: „Da sprach ich: Siehe, ich komme - im Buch steht von mir geschrieben -, dass ich tue Gott deinen Willen.” Hebr. 10, 7.
Wenn wir auf dieselbe Weise zu Jesus kommen, wie er zu seinem Vater kam, dann wird Jesus unser Herr. Dann können wir hören, was der Geist in unseren Herzen redet; und dann können wir uns den Menschen nach Gottes Willen hingeben. Dann sind wir frei von den Menschen, während wir ihnen dienen. Es ist Gott, der in uns wirkt, sowohl das Wollen als auch das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.
