Allen Speise geben
„Darum spricht Gott der Herr: Siehe, ich will selbst richten zwischen den fetten und den mageren Schafen; weil ihr mit Seite und Schulter drängtet und die Schwachen von euch stießet mit euren Hörnern, bis ihr sie alle hinausgetrieben hattet, will ich meiner Herde helfen, dass sie nicht mehr zum Raub werden soll, und will richten zwischen Schaf und Schaf.” Hes. 34, 20-22. Gott wird zornig auf die, die nicht den Wert in denen sehen, die nach menschlichen Maßstäben wie magere und schwache Schafe aussehen können. Deshalb muss ein Hirte in seinem Dienst das Allerbeste für alle tun und sie leiten, so weit es möglich ist. Das liegt in Gottes Liebe zum Schöpfungswerk. Verhöhne den Geringen und Schwachen nicht. Sonst gerätst du als Hirte in ein verkehrtes Verhältnis zum Oberhirten und wirst Gottes brennenden Eifer über das begangene Unrecht zu spüren bekommen.
Der Hirte soll zu den guten Weideplätzen führen. Es gibt auch schlechte Weideplätze mit verschmutztem Gras, zum Beispiel ungeistliches, loses Geschwätz, Verleumdung, sich in Angelegenheiten anderer einzumischen und so weiter. Dass man sich in die Sachen anderer einmischt, ist eine Hauptursache für Unruhe in der Gemeinde. Dann kommen die leeren Worte. Der Hirte sieht die Gefahren und führt die Schafe davon weg. Durch die Speise, die er zu geben hat, zieht er sie in eine andere Richtung.
Es ist deshalb ungemein wichtig, dass man Speise zu geben hat. Die Nahrung muss vielseitig sein. Die Schafe können nicht die ganze Zeit von Kraftfutter leben. Man kann immer wieder über dasselbe Wort Gottes reden, bis es sich anhört wie das eintönige Rauschen eines Wasserfalls, aber die Schafe wollen sich nicht so gerne um einen Hirten versammeln, der mehrmals in der Woche immer wieder dasselbe sagt, ohne erneuert zu werden. Verwendet man zum Beispiel ständig den Ausdruck Christi Tod, kann es eine abgedroschene Phrase werden. Oftmals benötigen sie etwas ganz anderes, zum Beispiel die Rede von der lebendigen Hoffnung, damit sie sich danach sehnen und dadurch in Christi Tod hineingehen. Lade lieber ab und zu andere Brüder ein, die vielleicht Dinge auf eine etwas andere Art sagen. Das kann gut für die Schafe in deiner Heimatgemeinde sein. Reichlich Speise und abwechslungsreiche, ausgewogene Kost haben eine gute Wirkung. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, Christus offenbart im Fleisch deutlich zu machen, und Liebe macht erfinderisch.
„Ich suchte unter ihnen, ob jemand eine Mauer ziehen und in die Bresche vor mir treten würde für das Land, damit ich’s nicht vernichten müsste; aber ich fand keinen.” Hes. 22, 30. Die Gebete sind sehr wichtig in der Hirtenarbeit, weil sie den Worten Kraft verleihen. Gebete sind Zaun und Schutz, die die Weideplätze abgrenzen, damit die Schafe nicht außerhalb landen. Manche denken so, was passiert, das passiert eben. Das ist ganz falsch. Wir sollen nicht alles in der Weise Gottes Vorsehung überlassen, dass wir uns zurücklehnen und, indem wir die Verantwortung von uns weisen, eine gleichgültige Haltung dem gegenüber einnehmen, was geschieht. Wir sollen Gottes Mitarbeiter sein, und die Gebete der Heiligen bewegen Gottes Hände rund herum auf der Erde. Er ist ja der allmächtige Gott. Es ist Mangel an Liebe, wenn man nicht für die Menschen betet, wenn sie in Not sind. Unsere Gebete sollen ihnen Leben geben. „Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde nicht zum Tode, so mag er bitten, und Gott wird ihm das Leben geben – denen, die nicht sündigen zum Tode. Es gibt aber eine Sünde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll.” 1. Joh. 5, 16. Man bringt es nicht fertig, jemanden anzuklagen, für den man betet. Das Gebet schließt den Anklagegeist und den nieder reißenden Dienst des Zuchtmeisters völlig aus.
