Hirte und Prophet

- Ein Wohlgeruch Christi

Hirte und Prophet

Ein Wohlgeruch Christi

Mose begehrte, die Herrlichkeit Gottes zu sehen. Da ließ Gott seine ganze Güte an seinem Angesicht vorbeiziehen. Wer die Güte als etwas Schwaches, Schlechtes oder Wertloses betrachtet, kennt Gottes Herz nicht. Unsere Beru­fung besteht darin, Frucht zu tragen, damit unsere Umgebung durch unsere Per­son etwas von Gottes Herrlichkeit schmecken kann. Ewigkeitsmenschen - Kin­der der Auferstehung - haben etwas von Gottes Fülle in ihren Geist bekommen und nur die, die voll des Heiligen Geistes und Glaubens sind, sind Träger der Herrlichkeit Gottes. Sie können vergeben ohne Vorbehalte, ohne Grenzen zu ziehen und ohne reserviert und berechnend zu werden.

Die Verhältnisse des Lebens sollen uns nicht dazu bringen, dass wir aus der Güte fallen. Wir dürfen niemals böse oder kalt werden. Barnabas gewann die Menschen durch seine Güte. Die Güte ist ein Geist, der durch unsere Worte hervorströmt und die Herzen der Menschen gewinnen soll. Ohne Güte erhält die Ermahnung oft einen Beigeschmack von Anklage. Sowohl um ermahnen zu können als auch um eine Ermahnung annehmen zu können, muss man Gottes Barmherzigkeit über sich haben, sonst wird man einander leicht überdrüssig.

Man kann vieles aufgreifen und mit vielem arbeiten, aber die Milde und Güte Christi werden oft salben, segnen und kräftigere Wirkungen tun als die Gedan­ken, die man zunächst aus seiner menschlichen Stärke heraus denkt. Den Brie­fen von Paulus können wir entnehmen, dass er in einem prophetischen Geist war, wenn er mit den Menschen arbeitete - auch bei den geistlichen Kleinkin­dern. Er hatte Glauben daran, dass so, wie Gottes Güte ihn zur Buße geleitet hatte, auch die Güte, die durch seinen Dienst für die Menschen hervor kam, auf die, denen er diente, dieselbe Wirkung haben würde. In der Güte liegt die Weis­heit Gottes. Deshalb beten auch die Geister der vollendeten Gerechten mit le­bendigem Interesse für uns, damit wir unseren Lauf in Güte vollenden können. Der Berg Zion ist unerschütterlich im Guten.

Wenn wir uns in Fürsorge, Liebe, Güte und Mitgefühl entwickeln wollen, muss unser eigenes Leben zugrunde gehen. Es braucht Wärme und Güte, wenn etwas wachsen und gedeihen soll. Jesus offenbarte seinen Vater dadurch, dass er voller Gnade und Wahrheit war. Der Leib Christi wird nicht durch menschliches Gutdünken und Manneskraft gebaut. Ohne eine Fülle von Güte kann es leicht gesche­hen, dass man beginnt, die Schafe zu schlagen, wenn die Entwicklung nicht so rasch voranschreitet, wie man es gerne hätte. Doch diejenigen mit Vätersinn kom­men darüber in Not, das Schuldopfer in ihrem eigenen Leben zu finden. Selbst wenn offenbare Mängel und Schwächen zu sehen sein können, hat es eine sehr gute Wirkung, wenn die Geschwister merken, dass man von ihnen als von heili­gen, geliebten und auserwählten Brüdern und Schwestern redet. Wenn wir einander in unseren Gedanken begegnen, so soll dies in Dankbarkeit, Güte, Fürbitte und Freude geschehen. Dann leben wir im Geist des Glaubens und können in aufrich­tiger Liebe so wie Gott dem rufen, was nicht ist, dass es sei. Röm. 4, 17-21.

Möge in unseren Herzen eine Betrübnis wohnen, an Gottes Wesen Teil zu bekommen. Die Menschen sollen sehen, dass durch unsere Leiber Gottes Barm­herzigkeit und Güte offenbart werden. Gott selbst ist vollkommen in der Güte, und er gebärt Kinder, die ihm gleichen. Die Charakterzüge des Vaters müssen mehr und mehr in seinen Dienern zum Vorschein kommen.

Wir sind dazu berufen, ein Wohlgeruch Christi für Gott zu sein. Das gilt selbst­verständlich zuallererst in unseren Heimen und in unserer Heimatgemeinde. Unser Leben soll sich dahin entwickeln, dass von ihm ein Geruch von Güte ausgeht, was wiederum bei anderen die Lust dazu weckt, an Christi Leben Teil zu bekommen. Wie Jesus sagte, wer mich sieht, der sieht den Vater, so sollen auch die Menschen, denen wir begegnen, eine Begegnung mit Gott haben. So lange wir in dieser Welt leben, soll die Welt Hoffnung zu sehen bekommen. Die Menschen sollen eine Begegnung mit der Barmherzigkeit und Gnade Gottes haben.

Das Evangelium verheißt uns, dass wir Leben und volle Genüge erlangen können, ja, wir sollen leben und herrschen durch den einen, Jesus Christus. Lasst uns deshalb den Reichtum seiner Geduld und Langmut kennen lernen, damit wir in den Verhältnissen des Lebens Tragkraft haben. Alle Härte muss verbannt sein. Bei vielen Menschen ist die Habsucht so stark, dass selbst die eigenen Kinder zum Hindernis werden; sie stehen einem im Weg, wenn man sich selbst leben will. Die eigene Ehrsucht kann einen auch dazu treiben, hart zu sein, um die Resultate zu erreichen, die man gerne haben möchte. Es muss also etwas in uns selbst zunichte gemacht werden, wenn Jesu Herzensgesinnung für die Menschen offenbar werden soll.

Wenn unser Herz überfließt vor Dankbarkeit, ist das ein Zeichen dafür, dass wir es gut miteinander haben. Ohne Dankbarkeit kann man so zugeknöpft sein, dass andere merken, dass ich mit meinem Bruder und meiner Schwester nicht ganz zufrieden bin. Dann ist man auch nicht im Stande, die, die neben einem laufen, zu ermahnen oder durch erbaulichen Zuspruch zu stärken. Wir sind dazu berufen, ein Priester nach der Ordnung Melchisedeks zu werden, einer der keine Erwartungen oder Forderungen an die anderen hegt, sondern Macht hat, andere Menschen aus ihren Sünden herauszuziehen, heraus aus falscher Freiheit und aus Gesetzlichkeit. Das ist die Kraft des unvergänglichen Lebens, bei dem die Güte nicht vom Benehmen anderer abhängig ist. Unsere Herzen müssen brennend sein, um ganzherzig danach zu suchen, an einer größeren Fülle von Christi Leben Teil zu bekommen.

Eine Hauptschwierigkeit an neuen Plätzen besteht darin, dass die Geschwis­ter ihren Trost nicht in Christus finden. Dann liegt es nahe, dass sie ihn bei den anderen in der Gemeinde suchen und dadurch leicht in einen Geist der Forde­rung geraten. Der wahre Trost besteht ja darin, dass, wer sich selbst erniedrigt, erhöht werden soll. Jesus selbst hat diesen Weg eingeweiht, und er wurde ge­salbt mit Freudenöl wie keiner seinesgleichen.

In unserer Arbeit mit den Menschen können wir manchen begegnen, die in tiefer Verzweiflung über ihre Lebensverhältnisse sind. Da ist es sehr wichtig, dass sie die Güte in unserem Geist kennen lernen, dass man im Stande ist, zuzu­hören und sich in Sanftmut Zeit für sie zu nehmen. Sonst fängt man schnell an, Worte zu rügen, aber die Rede eines Verzweifelnden verhallt im Wind. „Wer ist weise und verständig unter euch?”, fragt Jakobus. Der erzeige mit seinem guten Wandel seine Werke in Sanftmut und Weisheit. Sanftmut ist eine unerwartete und überraschende Güte von jemandem, der Macht hat, Autorität zu zeigen. Deshalb müssen wir uns davor hüten, zu schnell einzugreifen und uns zu äu­ßern. Im Geist der Sanftmut wird man instand gesetzt, auf eine gute Weise die Herzen der Menschen zu gewinnen und zu wahrer Hilfe zu werden. Es soll nie ein geistlicher Tiefdruck in unserem Geist herrschen. Über unserem Reich soll die Sonne nie untergehen. Wenn ich meinen Nächsten wärmen möchte, muss ich ihm nahe sein.

Es besteht großer Bedarf für die Rede des Glaubens. In ihr liegen sowohl Ge­richt, Erbauung, Ermahnung, Wegleitung und Trost. Gottes Güte hat nichts mit menschlicher Weichheit zu tun. Gottes Güte macht uns fest und unerschütterlich. Wenn wir von ganzem Herzen wünschen, Gott zu dienen und brennend eifrig für das Reich Gottes sind, bekommen wir unsere Torheit zu sehen, und in unserem Inneren wird das Bedürfnis geboren, an Gottes Güte Anteil zu bekommen.