Hirte und Prophet

- Vatersinn oder Zuchtmeister

Hirte und Prophet

Vatersinn oder Zuchtmeister

„Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter, denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durchs Evangelium. Darum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel! Aus demselben Grund habe ich Timotheus zu euch gesandt, der mein lieber und getreuer Sohn ist in dem Herrn, damit er euch erinnere an meine Weisungen in Christus Jesus, wie ich sie überall in allen Gemeinden lehre.” 1. Kor. 4, 15-17.

„Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen, und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, und ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen.” Joh. 15, 1-6.

Paulus hatte mit den Korinthern gearbeitet; weil ihnen aber Liebe fehlte, liefen sie Gefahr, dass sie aufgeblasen würden durch die Erkenntnis und das Licht, das sie bekommen hatten. „Dies aber, liebe Brüder, habe ich im Blick auf mich selbst und Apollos gesagt, um euretwillen, damit ihr an uns lernt, was das heißt: Nicht über das hinaus, was geschrieben steht! damit sich keiner für den einen gegen den andern aufblase.” 1. Kor. 4, 6. Es gab viele falsche Apostel in Korinth, die sich sicher mit Paulus in den Redegaben messen konn­ten. Sie betrogen die Korinther dadurch, dass sie diese etwas lehrten, was diese nie hätten lernen sollen, nämlich ihre Väter zu verachten! Menschen, die eine solche Entwicklung hineingeraten, stehen in großer Gefahr, ins Feuer geworfen zu werden.

Paulus wollte Timotheus senden, um die Gläubigen an seine Wege in Chris­tus zu erinnern. Paulus war so ausgiebig auf den Pfaden des Lichtes gegan­gen, dass sie in seinem Inneren zu gefestigten Wegen wurden. Die Gesetze des lebendig machenden Geistes waren ein Teil von ihm selbst geworden. Auf diesen herrlichen Lebenswegen wandelte er - auf dem Weg der Demut, dem Weg der Güte, dem Weg der Barmherzigkeit und so weiter. Darum war Paulus besorgt, als er bemerkte, dass sie von diesen gesegneten Wegen in Christus abgewichen waren. Trotzdem hatte er den Glauben, dass die Sache in Ord­nung kommen würde, wenn er nur mehr mit ihnen arbeiten konnte. Er hat sicher für die Korinther zu Gott gebetet, dass er sie nicht wegnehmen und sie nicht ins Feuer werfen sollte. Er arbeitete mit ihnen und betete für sie in sei­nem Herzen. „Ihr seid unser Brief in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen Menschen! Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unseren Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, son­dern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen.” 2. Kor. 3, 2-3.

Wenn die Korinther, die Paulus für nichts achteten, Gelegenheit bekommen hätten, in sein Herz hineinzusehen, hätten sie entdeckt, dass nicht ein einziger von ihnen, auch nicht der Schwierigste, aus Paulus’ Herzen ausgeschlossen war. Alle zusammen waren dort! Er hat für sie alle gebetet und arbeitete voll von Liebe und mit dem Geist des Glaubens und der Hoffnung mit ihnen allen.

Den Zuchtmeistern fehlt die Liebe zu den Schafen. Sie haben Gnadengaben bekommen und einige können die Rede von der Erkenntnis und der Weisheit als Gnadengabe besitzen, aber sie selbst verstehen nicht, das zu leben, wovon sie so glänzend reden. Darum wollte Paulus ihnen einen besseren Weg zu ihren Gnadengaben zeigen. Er beschreibt in 1. Kor. 12 und 13 die Liebe nicht als Gegensatz zu den Gnadengaben, sondern er redet von einem besseren Weg, um an ihnen Teil zu bekommen. Wir bedürfen der Gnadengaben zur Erbau­ung der Gemeinde, aber Gnadengaben ohne Liebe können die Gemeinde nicht bauen. Darum schreibt Paulus in 1. Kor. 13 so kräftig von den Eigenschaften und der Beschaffenheit der Liebe, und dass es nur die Liebe ist, die einen Menschen dazu befähigt, den anderen zu dienen und etwas hervor zu bringen, was in alle Ewigkeit bestehen bleibt.

Die Zuchtmeister haben in ihrem Dienst eigentlich sich selbst vor Augen. Sie wollen gerne erwähnt und bekannt werden. Die Väter dagegen ertragen Geringschätzung und können ungenannt und unbekannt bleiben, wenn nur die Kinder gute Lebensbedingungen haben. Sie suchen nicht ihre eigene Ehre, sondern die Ehre Gottes. „Und wenn ich mich rühmen wollte, wäre ich nicht töricht, denn ich würde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand mich höher achte, als er an mir sieht oder von mir hört.” 2. Kor. 12, 6. Das Leben, das Paulus am Rednerpult verkündigte, lebte er, wenn er nicht am Rednerpult stand. Die Korinther waren begeistert von ihren eige­nen Gnadengaben und sie genossen es, dass andere zu ihnen aufsahen. In der Gnade, die sie am Rednerpult hatten, hätten sie auch darüber nachdenken sollen, wie es eigentlich zu Hause mit ihnen bestellt war. Wie war es eigent­lich mit der Liebe, Güte, Fürsorge und Barmherzigkeit gegenüber der Frau und den Kindern? Väter in Christus haben es gerne, dass das Licht des Evan­geliums umgekehrt auch auf sie selbst scheint. „Sondern ich bezwinge mei­nen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerf­lich werde.” 1. Kor. 9, 27. Solche Gedanken haben die Väter, während die Zuchtmeister mehr daran denken, Eindruck zu machen, und sie sind sehr daran interessiert, was andere von dem halten, was sie sagen und tun. Sie wollen den Menschen gefallen.

Wenn man wenig göttliche Liebe hat, kann man andere Menschen leicht mit kalten Händen anfassen. Besonders deutlich wird das, wenn jemand ih­nen nicht gefällig sein will. Für die Zuchtmeister ist es dann nahe liegend, dass sie mit ihrem Mund zu schlagen beginnen. Sie legen ihre „Botschaft” so an, dass sie wie Peitschenhiebe auf andere Menschen wirken kann. Ihre Rede wirkt nicht befreiend, sondern sie ist drückend und schwer für die Schafe! Deshalb besteht ein großer Unterschied in der Wirkungsweise des Dienstes eines Zuchtmeisters oder eines Vaters auf seine Kinder. Der Dienst eines wah­ren Vaters wirkt befreiend und gut. Das Kind kann frei sein Herz und seinen Mund öffnen, ohne Angst zu haben, vom Vater falsch verstanden zu werden. Ein solches Kind kennt seinen Vater. Selbst wenn die Worte ein bisschen ver­kehrt herauskommen, weiß das Kind, dass sie vom Vater auf gute Weise ge­deutet werden. Die Zuchtmeister dagegen reagieren sehr unangemessen und hören mehr auf die Worte als auf das Herz. Das bewirkt Abstand und Unsi­cherheit. Der Ernst des Zuchtmeisters ist nicht von Gott gewirkt. Es ist der Druck der Finsternis und der Bosheit, der den Aufgang aus der Höhe daran hindert, die Herzen zu erleuchten. Der Dienst der Väter lässt die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heil unter ihren Flügeln. Nur der Vatersinn in Verbindung mit dem Gott des Himmels kann bewirken, dass es wächst und gedeiht!