Hirte und Prophet

- Wer ist innerhalb und wer ist außerhalb?

Hirte und Prophet

Wer ist innerhalb und wer ist außerhalb?

Als Johannes die Aufgabe bekam, Briefe an die sieben Gemeinden in Klein­asien niederzuschreiben, wurde er mit vielen Gedanken und Ratschlüssen ver­traut gemacht, die Jesus für seine Diener auf dem Herzen hatte. Zum Teil muss­te Jesus ernste Ermahnungen und Zurechtweisungen zu Bekehrung und Ernst geben. Bevor er Johannes in diese für die Gemeinde sehr ernsten Verhältnisse einweihte, gab er ihm eine Schau der Dinge, wie er sie sah. Diese ernsten Briefe wurden von ihm geschickt, der uns liebt und uns von unseren Sünden befreit hat. Er ist der treue und wahrhaftige Zeuge, der hier spricht.

„Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.” Offb. 1, 4-6. Gleichermaßen bekam Johannes zu sehen, dass sie – trotz der Schwächen und zum Teil großen Mängel in den Gemeinden – goldene Leuchter in der Hand Gottes waren. Eine solche Sicht der Gemeinde gibt uns Furcht davor, sich leichtfertig über die Menschen zu äußern, die Gott auserwählt hat und mit denen er sein Werk tut. „Schreibe, was du gesehen hast, und was ist und was geschehen soll danach. Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und der sieben goldenen Leuchter ist dies: Die sieben goldenen Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden.” Offb. 1, 19-20.

Es zeugt von großem Hochmut, wenn man Menschen beurteilen und platzie­ren möchte, die Gott auserwählt hat. Dadurch mischt man sich in Gottes Ange­legenheiten ein und verliert die Gnade über sein eigenes Leben. „Was verbor­gen ist, ist des Herrn, unseres Gottes; was aber offenbart ist, das gilt uns und unsern Kindern ewiglich, dass wir tun sollen alle Worte dieses Gesetzes. 5. Mose 29, 28.

„Einer ist der Gesetzgeber und Richter, der selig machen und verdammen kann. Wer aber bist du, dass du den Nächsten verurteilst?” Jak. 4, 12. Einer ist der Richter - es sind nicht zwei und auch nicht drei. Auch weder du noch ich sind dazu gesetzt, Richter zu sein. Gott selbst hat diese Position inne. Ich glau­be, wir haben alle großen Grund zur Freude, dass ein solches Amt nicht einem Menschen überlassen wurde. Durch Härte und Unbarmherzigkeit, Urteil und Kritik, obwohl man nicht alle Dinge kennt, kann man großes Unrecht an denen tun, die Gott sich auserwählt hat. „Erhebet den Herrn, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße; denn er ist heilig. Mose und Aaron unter seinen Priestern, und Samuel unter denen, die seinen Namen anrufen, die riefen den Herrn an, und er erhörte sie. Er redete mit ihnen in der Wolkensäule, sie hielten seine Gesetze und Gebote, die er ihnen gab. Herr, du bist unser Gott, du erhör­test sie; du Gott, vergabst ihnen und straftest ihr Tun.” Ps. 99, 5-8.

„Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja viel­mehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.” Röm. 8, 33-34.

Es entspringt den Lüsten des Fleisches, dass man aus seinem eigenen Ver­ständnis heraus, das erbärmlich klein ist, dirigieren und bestimmen will, um dann anderen weis zu machen, wer außerhalb und wer innerhalb ist - wer Chris­ti Leib angehört und wer nicht. Auf diese Weise kann man sich leicht selbst ausschließen und seinen Kampfpreis an dem Tag verlieren, wenn Jesus zurück­kommt um die Seinen zu holen. Wer sich selbst innerhalb wähnte, kann sich dann an diesem Tag leicht außerhalb befinden. Und wer weiß, ob nicht der, den man als außerhalb stehend beurteilte, an dem Tag in heiligem Schmuck einge­kleidet da steht und eine Braut Jesu geworden ist? Solche Verhältnisse kann man unmöglich richtig beurteilen, da sich im neuen Bund alles um das verbor­gene Leben mit Christus dreht.

Eines ist sicher - die das Licht lieben, bleiben in der Gemeinschaft und lieben die Gemeinschaft. Ist man von Herzen demütig und gering in sich selbst, wird man mit allen Gemeinschaft bekommen, die diese Gesinnung haben. Und ansonsten dürfen wir warten, bis Jesus wiederkommt, dann werden wir wirklich sehen, wer innerhalb und wer außerhalb ist. Es ist ja nicht so schwierig, das zu beurteilen, wenn es die Welt und Gott betrifft, aber wenn künstliche Grenzen innerhalb der Gemeinden errichtet werden, lässt das meist auf Parteiungen schließen. Ein Zei­chen, dass in einer Gemeinde Parteien sind, ist, dass man anfängt, zueinander zu reden – man redet das, wovon man meint, dass es die andren nötig hätten zu hören. Das macht es für die Zuhörer leicht, Partei zu ergreifen und wiederum über jenes zu reden, wovon sie meinen, dass es der erste Redner hören sollte. Wir verstehen, wenn es in einer Gemeinde so bestellt ist, verschwindet die Erbauung ganz von selbst. Die Gottes Wort in Reinheit verkündigen, reden aus dem Leben heraus, das sie in Gott haben. Das Wort Gottes wird im Frieden gesät denen, die den Frieden halten. Das sind wichtige Dinge! Jeder Bruder und jede Schwester sollte im Geist der Furcht wandeln, um das Zeugnis in seinem Geist zu haben, dass man in diesen Dingen nicht das Seine sucht. Will man die Gemeinde erbau­en, muss man in erster Linie rein sein von allem, was nach Fleisch oder Eigenwil­len schmeckt. Alles, was danach schmeckt, einander anzugreifen, ist ganz verbo­ten in der Gemeinde des lebendigen Gottes. Dann gibt es etwas, dessen man über­drüssig geworden ist, - was man bei dem anderen nicht dulden und ertragen kann. Man sollte es als einen großen Skandal sehen, wenn so etwas passiert.

Mit Menschen, die in bewussten Sünden leben und nicht damit aufhören wollen, können wir keine Gemeinschaft bekommen, weil unsere Gemeinschaft im Licht liegt. Es ist deshalb unmöglich, mit Menschen Gemeinschaft zu be­kommen, die in der Finsternis wandeln.

„Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.” „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.” 1. Joh. 1, 3 und 7.

„Bei einigen Menschen sind die Sünden offenbar und gehen ihnen zum Ge­richt voran; bei einigen aber werden sie hernach offenbar. Desgleichen sind auch die guten Werke einiger Menschen zuvor offenbar, und wenn es anders ist, können sie doch nicht verborgen bleiben.” 1. Tim. 5, 24-25.

Bei einigen Menschen kann man schon an ihrem Lebenswandel erkennen, dass sie in Sünden leben. Bei anderen Menschen sind die Sünden nicht so offen­bar. Sie haben vielleicht nachgegeben gegenüber Neid, Hochmut oder großen Gedanken über sich selbst. Auf lange Sicht kann man dies nicht verbergen. So ist es auch mit dem Guten. Bei manchen Menschen können wir an ihrem Leben und Dienst erkennen, dass sie ein herrliches und erhöhtes Leben führen. Wieder andere Brüder und Schwestern haben einen eher verborgenen Dienst. Sie leben in Treue in ihrem persönlichen Umfeld und dienen dem Herrn Christus. Solche Personen sind sehr wertvoll und eine große Kraft für eine Gemeinde, auch wenn sie scheinbar keinen offenbaren Dienst haben. Das zeigt sich nicht zuletzt am Tag des Kampfes und wenn die Gemeinde geprüft wird. Dann werden solche treuen Menschen immer Partei für die Wahrheit ergreifen und eine unschätzba­re Stütze für den Vorsteher und den Kampf der Bruderschaft sein, um die Ge­meinde rein zu halten.

Dann können wir fragen – wer wird dabei sein, wenn Jesus wiederkommt? Darauf können wir nicht antworten! Die Antwort liegt im Glauben des Einzel­nen. Hat Gott jemandem den Glauben ins Herz gegeben, wird dieser ihn zum Sieg und in die Heiligung hineinführen, auch wenn der Ausgangspunkt sehr, sehr schwach gewesen sein mag. Aber desto größer wird die Ehre Gottes.