Das Gesetz über die Erniedrigung und die Erhöhung
„Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.” Luk. 17, 7-10. Solche Diener haben sich in ihrem Herzen gedemütigt. Keine Größe hat in ihren Gedanken Raum bekommen. Es besteht kein Zweifel, dass solche Diener zu ihrer Zeit erhöht werden!
„Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen als der Größte gelten solle. Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist’s nicht der, der zu Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener.” Luk. 22, 24-27. Diejenigen, die der Diener bedienen soll, sind die Größten. Was meinst du wohl, wie viele Herren in dieser Welt solch ein Verständnis und so eine Einstellung haben? Aber ich bin wie ein Diener unter euch, sagte Jesus. Er hat diesen Platz freiwillig eingenommen. Diese Gesinnung hatte auch das Herz von Paulus erfüllt und er ermahnt in Phil. 2, 3: „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst.”
„In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, die einen zu ehrenvollem, die andern zu nicht ehrenvollem Gebrauch. Wenn nun jemand sich reinigt von solchen Leuten, der wird ein Gefäß sein zu ehrenvollem Gebrauch, geheiligt, für den Hausherrn brauchbar und zu allem guten Werk bereitet.” 2. Tim. 2, 20-21.
„Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden.” Eph. 4, 11-12.
Es ist nicht gleichgültig, wie man sich gegenüber den Dienern Gottes verhält, die Gott selbst in der Gemeinde eingesetzt hat. Das hat große Bedeutung für einen selbst, für die eigene Familie und alle diejenigen, die Vertrauen zu einem haben. Ist man oberflächlich und hat große Gedanken von sich selbst, kann man in seinen Gedanken verführt werden und sich auf eine leichtfertige Weise über Gottes Diener äußern. König Belsazar gebrauchte die Gefäße des Herrn auf eine leichtfertige Weise. Diese ernste Begebenheit aus den Tagen Daniels ist auch uns zur Lehre geschrieben.
„König Belsazar machte ein herrliches Mahl für seine tausend Mächtigen und soff sich voll mit ihnen. Und als er betrunken war, ließ er die goldenen und silbernen Gefäße herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, damit der König mit seinen Mächtigen, mit seinen Frauen und mit seinen Nebenfrauen daraus tränke. Da wurden die goldenen und silbernen Gefäße herbeigebracht, die aus dem Tempel, aus dem Hause Gottes zu Jerusalem, weggenommen worden waren; und der König, seine Mächtigen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken daraus. Und als sie so tranken, lobten sie die goldenen, silbernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter. Im gleichen Augenblick gingen hervor Finger wie von einer Menschenhand, die schrieben gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal. Und der König erblickte die Hand, die da schrieb. Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn, so dass er wie gelähmt war und ihm die Beine zitterten. Und der König rief laut, dass man die Weisen, Gelehrten und Wahrsager herbeiholen solle. Und er ließ den Weisen von Babel sagen: Welcher Mensch diese Schrift lesen kann und mir sagt, was sie bedeutet, der soll mit Purpur gekleidet werden und eine goldene Kette um den Hals tragen und der Dritte in meinem Königreich sein.” Dan. 5, 1-7.
Niemand von den Weisen des Königs konnte ihm helfen. Gott hatte ihn gewogen und zu leicht befunden, obwohl Belsazar wusste, dass das Herz seines Vaters sich erhöht hatte und dass der Geist seines Vaters so stolz geworden war, dass er übermütig auftrat. Er wusste, dass er von seinem Königsthron herunter gestoßen und seine Ehre von ihm genommen wurde. „Er wurde verstoßen aus der Gemeinschaft der Menschen, und sein Herz wurde gleich dem der Tiere, und er musste bei dem Wild hausen und fraß Gras wie die Rinder, und sein Leib lag unter dem Tau des Himmels und wurde nass, bis er lernte, dass Gott der Höchste Gewalt hat über die Königreiche der Menschen und sie gibt, wem er will.” Obwohl Belsazar all das wusste, hatte er sein Herz nicht gedemütigt, sondern im Gegenteil sich gegen den Herrn des Himmels erhoben. Der Gott, der seinen Lebensodem in seiner Hand hatte und der über alle seine Wege herrschte, den hatte er nicht geehrt. V. 20-27. „Aber in derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, getötet.” Vers 30.
Auch Salomo warnt vor leichtfertigem Umgang mit den heiligen Dingen – in Worten oder Gedanken. „Fluche dem König auch nicht in Gedanken und fluche dem Reichen auch nicht in deiner Schlafkammer; denn die Vögel des Himmels tragen die Stimme fort, und die Fittiche haben, sagen’s weiter.” Pred. 10, 20. Dieser Übermut und dieses Großsein wurden schon immer von dem beeinflusst, der gerne Gott gleich sein wollte und der ein Beispiel des Schreckens dafür ist, wie es mit denen geht, die sich in den Gedanken ihres Herzens erhöhen.
„Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern! Wie wurdest du zu Boden geschlagen, der du alle Völker niederschlugst! Du aber gedachtest in deinem Herzen: Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen, ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung im fernsten Norden. Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten. Ja, hinunter zu den Toten fuhrest du, zur tiefsten Grube! Wer dich sieht, wird auf dich schauen, wird dich ansehen und sagen: Ist das der Mann, der die Welt zittern und die Königreiche beben machte, der den Erdkreis zur Wüste machte und seine Städte zerstörte und seine Gefangenen nicht nach Hause entließ?” Jes. 14, 12-17.
Auch der Prophet Hesekiel schreibt von ihm und richtet dieselbe kräftige Warnung an uns, wie gefährlich und zerstörend Übermut ist. „Du Menschenkind, stimm ein Klagelied an über den König von Tyrus und sprich zu ihm: So spricht Gott der Herr: Du warst das Abbild der Vollkommenheit, voller Weisheit und über die Maßen schön. In Eden warst du, im Garten Gottes, geschmückt mit Edelsteinen jeder Art, mit Sarder, Topas, Diamant, Türkis, Onyx, Jaspis, Saphir, Malachit, Smaragd. Von Gold war die Arbeit deiner Ohrringe und des Perlenschmucks, den du trugst; am Tag, als du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet. Du warst ein glänzender, schirmender Cherub, und auf den heiligen Berg hatte ich dich gesetzt; ein Gott warst du und wandeltest inmitten der feurigen Steine. Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat gefunden wurde. Durch deinen großen Handel wurdest du voll Frevels und hast dich versündigt. Da verstieß ich dich vom Berge Gottes und tilgte dich, du schirmender Cherub, hinweg aus der Mitte der feurigen Steine. Weil sich dein Herz erhob, dass du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz, darum habe ich dich zu Boden gestürzt und ein Schauspiel aus dir gemacht vor den Königen. Weil du mit deiner großen Missetat durch unrechten Handel dein Heiligtum entweiht hast, darum habe ich ein Feuer aus dir hervorbrechen lassen, das dich verzehrte und zu Asche gemacht hat auf der Erde vor aller Augen. Alle, die dich kannten unter den Völkern, haben sich über dich entsetzt, dass du so plötzlich untergegangen bist und nicht mehr aufkommen kannst.” Hesek. 28, 12-19.
Jesus bestätigt dieses einfache und sehr wichtige Lebensgesetz: „Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.” Matth. 23, 12. Dies ist der einzige wahre Weg zur Erhöhung, den uns die Schrift weist. Oh, wie viele Leiden hätte man vermeiden können, wenn man auf dieses Gesetz Acht gehabt hätte! Gott achtet genau darauf, wie sich der Einzelne in den Gedanken seines Herzens verhält – in wieweit man sich erhöht oder erniedrigt. Angelernte Redeweisen und schöne Worte nützen sehr wenig, wenn im Innersten des Herzens keine Demut wohnt. Wir dürfen nie vergessen, dass wir es mit Gott zu tun haben. Er sieht das Herz an und er ist derjenige, der Gnade gibt oder Gnade zurückhält – alles gemäß seinen eigenen Gesetzen.
