Hirte und Prophet

- Unser Dienst und Wandel im Hause Gottes

Hirte und Prophet

Unser Dienst und Wandel im Hause Gottes

„Dies schreibe ich dir und hoffe, bald zu dir zu kommen. Wenn ich aber erst später komme, sollst du wissen, wie du wandeln sollst in dem Hause Gottes, das ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und Grundfeste der Wahr­heit. Und kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.” 1. Tim. 3, 14-16.

Wenn wir darüber reden, zu lernen, wie man im Hause Gottes wandeln soll, so geschieht das in Abhängigkeit davon, inwieweit man das Geheimnis der Gottesfurcht kennt. Das kann man sich nicht durch Studieren aneignen, sondern es muss uns durch den Geist offenbart werden. Als Mensch liegt es uns nahe, eine Form anzunehmen, die uns von gottesfürchtigen Menschen übergeben wurde, die vor uns gelebt haben. Viele haben dies getan. Dann verkündigen sie weiterhin diese Form, als ob die Form an sich der Weg zu einem heiligen und gottesfürchtigen Leben wäre. „Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unsers Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die gemäß ist dem Glauben (norw.: der Gottesfurcht).” 1. Tim. 6, 3.

Christi Lehre handelt von ihm, der im Fleisch offenbart wurde. „Ein jeder sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Er­scheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward ge­horsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.” Phil. 2, 5-8. Nachdem Jesus zuerst darauf verzichtet hatte, Gott gleich zu sein, war er willig, in die Lebensbedingungen der Menschen hineingeboren zu werden und als ein Wurzel­spross Davids (Elberfelder Übers.) einen neuen und lebendigen Weg zurück zu Gott einzuweihen. Durch Jesu Treue wurde das Leben Gottes in einem Menschen in einem solchen Ausmaß offenbar, dass er sagen konnte: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.” Joh. 14, 9.

„Denn auch Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf dass er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.” 1. Petr. 3, 18. Das Ergebnis dieses Kampfes und dieser Leiden war, dass er ein Abglanz der Herrlichkeit Gottes und das Ebenbild seines Wesens wurde, und er trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort. Hebr. 1, 3.

„Weil nun die Kinder Fleisch und Blut haben, hat auch er’s gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel.” Hebr. 2, 14. Jesus führte einen Kampf auf Leben und Tod, um nicht vom Fleisch Davids, das er angenommen hatte, befleckt zu werden. Darum kämpfte und stritt er bis ganz zum Schluss. Sein Werk wird reichlich belohnt werden. Durch seinen Kampf und seine Mühe hat er Brüder gewonnen, die in denselben Lauf hineingekommen sind – hin­ein in die Heiligung und Gleichgestaltung mit dem Sohn. Das sind Menschen, die in ihrem Geist lebendig gemacht wurden. Sie sind nicht in einem pharisäerischen oder religiösen Formenwesen erstarrt, sondern sind davon ergriffen, ihrem Meister gleichgestaltet zu werden. Jesus selbst freut sich dar­auf, sie vor seinen himmlischen Vater zu stellen. „Denn es ziemte sich für den, um dessentwillen alle Dinge sind und durch den alle Dinge sind, dass er den, der viele Söhne zur Herrlichkeit geführt hat, den Anfänger ihres Heils, durch Leiden vollendete. Denn weil sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt, und die da geheiligt werden, darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen. Und spricht: Ich will deinen Namen meinen Brüdern ver­kündigen und mitten in der Gemeinde dir lobsingen. Und wiederum: Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen. Und abermals: Siehe, hier bin ich und die Kin­der, die Gott mir gegeben hat.” Hebr. 2, 10-13.

Lasst uns das Leben unseres großen Hohepriesters nicht auf Gebote und Re­geln einer vergangenen Zeit reduzieren, die von den Neigungen und Veranla­gungen der Menschen geprägt und diesen angepasst sind. Nur der Geist der Offenbarung in Verbindung mit den lebenspendenden göttlichen Kräften bringt Licht und Leben zum Wachstum und zur Entwicklung der Gemeinde hervor. Starke Menschenmeinungen – oft in Bezug auf äußere Dinge – haben noch nie etwas von geistlichem Wert zur Erbauung der lebendigen Gemeinde Gottes beigetragen. Jeder, der an der Erbauung der Gemeinde mitarbeiten will, muss in die geistliche Welt eindringen und darf nicht an Gesetzen und verkrüppelten Buchstaben festkleben. „Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wohin er will, und du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.” Joh. 3, 6-8. Solche Menschen sind Diener des Geistes. Sie haben sich nicht in Formen und Nor­men, Buchstaben und Regeln verfangen. Sie lassen sich von Gottes Geist trei­ben und wirken durch ihr Leben und ihren lebendig gemachten Geist befreiend und erlösend auf viele Seelen, die vom Ankläger überlistet wurden.

Auch Jesus musste sich selbst erniedrigen, um diesen Weg zu gehen. Der Weg, auf dem ihn der Geist leitete, kostete ihn sein Eigenleben. Wenn er einen Weg zurück zum Vater bahnen und für uns sowohl ein Sühnopfer als auch ein barmher­ziger Hohepriester werden sollte, dann musste er den Weg gehen, der ihn zu Trä­nen und lauten Gebeten in seinem Leben führte. „Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem geopfert, der ihm von dem Tode aushelfen konnte, und ist auch erhört, darum dass er Gott in Ehren hatte. Und wiewohl er Gottes Sohn war, hat er doch an dem, das er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursache zur ewigen Seligkeit geworden.” Hebr. 5, 7-9. Auf diesem Weg nahm er zu an Weisheit, Alter und an Gunst bei Gott und den Menschen. Luk. 2, 52. Er ist unser Vorbild, unser Vorläufer und unser großes Beispiel!

„Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.

Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit un­serer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.” Hebr. 4, 14-16.