Hirte und Prophet

- Der Dienst der Herrlichkeit

Hirte und Prophet

Der Dienst der Herrlichkeit

In diesem Dienst wird eine außerordentliche Reinheit gefordert. Jeder muss vor Gottes Angesicht stehen und ihm dienen, während man gleichzeitig auch ein Ziel mit den Menschen haben muss. Paulus hatte ein sehr hohes Ziel für diejenigen, mit denen er arbeitete, und er arbeitete mit großem Fleiß und Ein­satz. „Den verkündigen wir und ermahnen alle Menschen und lehren alle Men­schen in aller Weisheit, damit wir einen jeden Menschen in Christus vollkom­men machen. Dafür mühe ich mich auch ab und ringe in der Kraft dessen, der in mir kräftig wirkt.” Kol. 1, 28-29. Wir haben die Aufgabe, den Dienst der Herr­lichkeit hervorzubringen – ein Dienst, der die Menschen in dieselbe Herrlich­keit hineinführt, die in Christus ist – eine Herrlichkeit, die nicht schwindet, sondern die mit uns in die ewigen Wohnungen geht.

Es ist ja nicht so leicht, eine solche Herrlichkeit zu verkündigen, wenn man nicht selbst etwas von Gottes Herrlichkeit ausstrahlt. Ist man inniglich froh, dankbar und glücklich in seinem eigenen Leben, dann kann man Gott um Gna­de und Fähigkeiten bitten, das deutlicher auszudrücken, was in unserem Inne­ren wohnt und wonach wir Verlangen haben. Als Diener des Herrn müssen wir verstehen, uns in den Verhältnissen selbst zu richten, damit wir Wachstum und Entwicklung bekommen. Dann werden die Menschen, mit denen wir in Verbin­dung kommen, schmecken und sehen, dass der Herr freundlich ist. Wenn nicht, kommt man leicht in den Dienst des Buchstabens hinein – was man sagt und tut ist zwar richtig, aber es ist nicht diese Rede des Glaubens, die die Gedanken und Sinne des Herzens offenbart und die es schafft, die Herzen mit dem Himmel­reich in Verbindung zu bringen. Redet man in Übereinstimmung mit dem pro­phetischen Geist, dann redet man den Menschen zum Trost, zur Ermahnung und Erbauung. Hier müssen wir aufmerksamer sein, so dass wir auch ein Vor­bild im Geist – in der Begeisterung – sein können.

In kleineren Gemeinden kann es leicht geschehen, dass man beginnt über das zu reden, von dem man meint, dass die anderen darüber Licht bekommen soll­ten. Dann entstehen Parteien und niederbrechende Kräfte bekommen Macht in der Gemeinde. Auf diese Weise entsteht oft sehr viel Schlechtes im Gemeinde­leben, und darunter leiden nicht zuletzt die Kinder und Jugendlichen. So ist es auch, wenn sich die Verkündigung mehr um äußere Dinge dreht. Wenn wir hingegen Gottes Wort reden, dann hat das Wort Macht, hindurch zu dringen und die verborgenen Gedanken und Sinne des Herzens zu richten. Das wirkt dann wie ein Anker für unsere unruhige Seele und die Geschwister bekommen Nah­rung für ihr inneres Leben, so dass sie in Frieden erbaut werden.

Durch Gottes Gnade arbeiten wir mit dem Verborgenen der Menschen. Röm. 2, 16. Es ist die Absicht, dass die Herrlichkeit, von der die Schrift redet, von unserem Leib Besitz ergreift, so dass wir zur Verwandlung kommen und Christi Herrlichkeit von uns strahlen kann. Wir können ein neuer Mensch werden! Durch den Dienst des Wortes wird Gottes Licht hindurch dringen und Seele und Geist scheiden, auch Mark und Bein, und die Gedanken und Sinne des Herzens offen­baren. Dadurch werden unsere Gedanken ausgerichtet. Durch den Fall ist die Sünde zu allen Menschen durchgedrungen. Röm. 5, 12. Wir können deshalb nicht davon ausgehen, dass alle unsere Gedanken vor Gott recht sind. Sie müssen durch das Wort geprüft werden. Durch Demut werden unsere Gedan­ken ausgerichtet, so dass wir von uns selbst befreit werden, von unseren eige­nen Gedanken und Meinungen. Das ist das Werk des prophetischen Wortes, und das waren auch der Dienst und das Werk, an dem die Apostel festhielten.

Paulus schreibt in 2. Kor. 3 eindrücklich über diesen Dienst und schließt das Ganze in Vers 18 wie folgt ab: „Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.” Wir können nicht in einem solchen Dienst stehen, wenn wir nicht selbst daran teilbekommen haben und glücklich geworden sind durch den Dienst, den wir ausführen. Gott gab uns durch sein eigenes Wort eine Anleitung zu diesem Dienst, in der Absicht, dass unser Geist mehr und mehr gelöst werden soll von unserem Selbstleben. Durch eine solche Entwicklung wird die Herr­lichkeit, die von Jesu Leben hervorstrahlte, auch mehr und mehr von unserem Leben hervorstrahlen. Wir können nicht für andere Gehilfen der Freude sein, wenn wir nicht selbst durch das Evangelium glücklich geworden sind.