Hirte und Prophet

- Wie wir in Grefsen landeten

Hirte und Prophet

Wie wir in Grefsen landeten

Der Mietvertrag der Werkstatt in Drøbak, den mein Vater geschlossen hatte, lief nur über fünf Jahre. Die Vermieter waren ältere Menschen und wollten nach Ablauf dieser Zeit den Vertrag nicht verlängern. Vater musste sich darum etwas einfallen lassen, um Wohnung und Arbeit zu finden. Einer von Mutters Ver­wandten - Herman Solberg - besaß ein Grundstück in Tyristrand. Das konnte mein Vater kaufen. Er hatte erfahren, dass in diesem Quartal ein Bauvorhaben genehmigt werden sollte und war der einzige, der einen Antrag dafür stellte. Eines Tages fuhr er dann zur Bezirksverwaltung nach Drammen, um alles Wei­tere zu regeln. Er stellte sich vor und sagte, dass er eine Baugenehmigung in Tyristrand beantragt hätte. Die Büroangestellte fand indessen nichts im Archiv. Sie suchte überall, das Baugesuch blieb jedoch verschwunden.

So musste Vater zum Fernmeldeamt hinunter gehen und Herman Solberg anrufen, um ihm zu erzählen, dass das Baugesuch in der Bezirksverwaltung nicht angekommen war. Es stellte sich heraus, dass der Vorsitzende des Bau­ausschusses in Tyristrand gleichzeitig Vorsitzender der Inneren Mission war er hatte das Baugesuch unterschlagen aus Angst, dass eine falsche Lehre ins Dorf kommen würde!

Unverrichteter Dinge musste Vater wieder heimfahren. Als er an jenem Nachmittag nach Oslo kam, wollte er den Bus nach Drøbak erreichen, doch dieser fuhr ihm vor der Nase weg. „Das ist wirklich der böse Tag”, dachte er, doch plötzlich sah er einen Bus, auf dem „Kjelsås” stand. Da es noch mehrere Stunden dauern würde, bis der nächste Bus nach Drøbak fuhr, hatte er die spontane Eingebung, zu Edwin Bekkevold hinauf zu fahren und ihn zu besu­chen, wo er nun einmal sowieso in der Stadt war. Als Vater schließlich in Grefsen ankam, sagte Bekkevold: „Dein Bruder Aksel Johan Smith war hier und erzählte, dass du in Tyristrand bauen willst.”

Vater musste erzählen, was mit dem Baugesuch geschehen war und dass er nun nicht so recht wusste, was er machen sollte.

Da sagte Edwin Bekkevold plötzlich zu seiner Frau: „Du, Ingrid, wir haben doch ein Grundstück, das keines der Kinder haben will. Du weißt ja, sie wol­len lieber wegziehen.”

„Wäre das denn etwas für euch, Helge?”

„Wenn die Kinder es nicht haben wollen, dann will ich es gerne nehmen”, antwortete mein Vater.

Und so geschah es dann. Vater rief Aksel J. Smith an und fragte auch ihn um Rat - und seine Antwort war klar: „Schlag ein - ich werde für dich bürgen!” Seine Mutter hatte ihn ermahnt, meinem Vater zu helfen, wenn er es nötig hätte, da er selbst von seinen Eltern das Haus in Horten übernommen hatte.

Als unsere Familie nach Oslo zog, stießen wir überall auf offene Türen. Vater durfte das Haus sogar um zehn Quadratmeter größer bauen, als es ge­wöhnlich erlaubt war, weil wir eine große Familie waren. So kam es auch, dass Rakel und Sigurd Bratlie - die damals bei David Myhre wohnten - in unser Haus einzogen, da die Familie Myhre den Platz in ihrem relativ kleinen Haus selbst benötigte.

So wie Josef Gottes wunderbare Führung und Güte erfuhr, erlebten auch wir, dass Gott zum Allerbesten wendete, was einzelne Menschen böse zu machen gedachten.