Hirte und Prophet

- Gesetzlichkeit - Gesetzlosigkeit

Hirte und Prophet

Gesetzlichkeit - Gesetzlosigkeit

Der Galaterbrief ist die Kampfschrift schlechthin, wenn es um diese Dinge geht. Man kann mit dem Gesetz im Äußeren viel erreichen, aber das Verbor­gene – die Gedanken und Begierden – wird vom Gesetz nicht erfasst.

„Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne!” Gal. 2, 17. Die Juden wünschten keinen Mittler zwischen Gott und den Menschen. So wie die Religiösen Christus verkündigen, wird er ein Diener der Sünde, indem er die Menschen in Schutz nimmt, die damit fortset­zen wollen zu sündigen.

„Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann ma­che ich mich selbst zu einem Übertreter.” Gal. 2, 18. Was hatte Paulus nieder gebrochen? Ja, dass man durch Gesetzeswerke gerechtfertigt wird. Wenn es so wäre, müsste man ja am alten Leben herumflicken. Die Menschen sehen, dass es eine Schande für das Christentum ist, wenn die, die errettet sind, weiterhin schlecht leben, und deshalb gibt man ihnen Gesetze und Gebote. „Wenn ihr nun mit Christus den Mächten der Welt gestorben seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt: Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren?” Kol. 2, 20-21. Die in der Welt leben und nach dem Fleisch wandeln – sie brauchen die Gesetze und Gebote. Dadurch bekommen sie auch einen Na­men, dass sie gute Christen sind, aber darin liegt keine Entwicklung.

„Wenn sie nun bei einem andern Mann ist, solange ihr Mann lebt, wird sie eine Ehebrecherin genannt; wenn aber ihr Mann stirbt, ist sie frei vom Gesetz, so dass sie nicht eine Ehebrecherin ist, wenn sie einen andern Mann nimmt.” Röm. 7, 3.

Nur diejenigen, die gestorben sind, sind frei vom Gesetz. Diejenigen, die leben, brauchen das Gesetz. Bildlich gesprochen können wir sagen, dass die Heiden ein Auto ohne Bremse fuhren. Die Juden hatten das Gesetz, und das Gesetz war eine Bremse für die Sünde. Dadurch vermieden sie viele Unfälle, die den Heiden widerfuhren. Was verstehen jene nicht, die die Gemeinde un­ter das Gesetz bringen wollen? Ja, sie verstehen ganz einfach das eigentliche Geheimnis nicht – das Sterben Christi! „Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.” Gal. 2, 19-20. Wenn man nicht selbst lebt, ist man frei vom Gesetz. Durch das Gesetz hatte man nur seine eigene Kraft, die die Sünde außerhalb des Leibes verurteilte. Unsere Berufung ist es, die Sünde im Leib zu töten. Es gibt viele Themen und Schriftstellen, die alle auf das eine hinauslaufen – der Weg geht durch den Tod zum ewigen Leben.

„Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben (5. Mose 21, 23): «Verflucht ist jeder, der am Holz hängt», damit der Segen Abrahams unter die Heiden kom­me in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.” Gal. 3, 13-14. Wenn wir von der Sünde freigemacht werden, wer­den wir vom Fluch des Gesetzes erlöst, der über die kam, die das Gesetz nicht zu halten vermochten. Das Gesetz soll ja nicht abgeschafft werden. Es ist ja geistlich, gerecht, heilig und gut.

„Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die Ge­rechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist.” Röm. 8, 3-4. Die meisten Gläubi­gen leben im Geheimnis der Gesetzlosigkeit. Sie glauben nicht, dass man über die Sünde siegen kann und sie glauben nicht an eine wahre Erlösung, durch die die gerechte Forderung des Gesetzes in uns erfüllt werden kann.

Jesus kam nicht um seinetwillen, sondern um der Sünde willen, um eine ewige Erlösung zu bringen. Das Gesetz war ja nur ein Teil von Gottes Willen – es konnte uns nicht wirklich von der Sünde befreien. Diejenigen, die sichnicht um das Gesetz kümmern, sondern unter Missbrauch der Gnade sündi­gen, geraten in eine falsche Freiheit.

„Denn sie reden stolze Worte, hinter denen nichts ist, und reizen durch Un­zucht zur fleischlichen Lust diejenigen, die kaum entronnen waren denen, die im Irrtum ihr Leben führen...” 2. Petr. 2, 18-19. Anstatt ihnen aus der Sünde zu helfen, redet man stolze Worte. Es ist unheimlich, wie die Menschen hier verführt werden. „…und versprechen ihnen Freiheit, obwohl sie selbst Knechte des Verderbens sind. Denn von wem jemand überwunden ist, dessen Knecht ist er geworden.” Unterliegst du der Sünde, bist du ein Knecht. Wenn du dann ein Wegweiser für andere sein willst, so wirst du ein Wegweiser zu falscher Freiheit.

Wir glauben, dass uns das Evangelium aus der Sünde heraushelfen kann. Die Menschen müssen dazu angeleitet werden, Verbindung mit dem Heiligen Geist zu bekommen, sodass sie die Kraft des Evangeliums erleben können.

„Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich’s auch unter Tränen: sie sind die Feinde des Kreuzes Christi.” Phil. 3, 18. Sie waren nicht Feinde des Kreuzes auf Golgatha, sondern Feinde dessen, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen. Die Menschen wollen so gerne tun, was sie wollen und gleichzeitig haben sie Angst vor den Folgen. Solange man das Fleisch nicht gekreuzigt hat, wird man betrogen. Das Kreuz muss wirk­sam werden gegen die Lüste und Begierden im Fleisch, wenn man Glauben daran haben will, mit ihm zusammen zu sein.

„Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch, und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt.” Solche Menschen leben also nach dem Fleisch. „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwar­ten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unsern nichtigen Leib (norw.: Leib der Erniedrigung) verwandeln wird, dass er gleich werde seinem ver­herrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.” Phil. 3, 19-21.

Verkündige dieses, damit das Herz durch die Verkündigung des Glaubens zu schlagen beginnt! Denk nur, du kannst anfangen, an eine solche Kraft zu glauben. Du kannst nicht in der Liebe bleiben, ohne dich in den Verhältnissen des Lebens zu erniedrigen. Durch die Liebe bekommst du Hoffnung auf ewi­ges Leben – das sind gewaltige Kräfte, die auch unsere Leiber verwandeln werden, sodass wir unserem Meister in alle Ewigkeit folgen können.

Solange wir das Evangelium haben, können wir den Menschen nicht das Gesetz verkündigen. Wir verkündigen den Tod des Herrn, bis er kommt. So werden wir weder gesetzlos noch Gesetzesknechte. Das Kreuz ist das stärkste Werkzeug gegen die Sünde. Dadurch, dass wir im Geist wandeln, werden auch die Begierden des Fleisches nicht vollbracht – nicht ausgeführt. Wir schau­en hinein in das vollkommene Gesetz der Freiheit und werden mit Christus gleich gestaltet. Das ist eine überaus große Berufung, zu der das Gesetz einen Menschen niemals führen kann.