Hirte und Prophet

- Gottes Langmut mit uns

Hirte und Prophet

Gottes Langmut mit uns

Die Geschichte zeigt, dass die erste Generation einer Erweckung oft eine Vision bekommen hat und kräftige Erlebnisse mit Gott hat, die für ihr Leben richtungsweisend werden. Die zweite Generation wird durch ihre Eltern ge­segnet und durch das, was diese erlebt haben, aber sie bekommen nicht unbe­dingt Anteil am gleichen begeisterten Pioniergeist, von dem ihre Eltern be­seelt waren. Die dritte Generation wird meistens weltlich und mit der vierten Generation hat sich das ganze mehr oder weniger aufgelöst. Die Erweckung, die wir in den 90er Jahren erlebten, erweckte viele Jugendliche aus der drit­ten, vierten und fünften Generation in der Gemeinde, so dass sie selber die Glut und Begeisterung der Pioniere erlebten. Sie konnten von einem mächti­gen Glaubensgeist trinken, wurden mit dem heiligen Geist getauft und gingen einen Jüngerbund mit Gott ein. Dadurch haben sie Erlebnisse und Erfahrun­gen gemacht, die noch weit in die Zukunft hinein für uns zum Segen sein werden. Es kann so aussehen, als ob Gottes Güte uns noch etwas mehr Zeit dazu gibt, die Gemeinde zu bauen, und dazu hinauszuziehen, um das Evange­lium allen Völkern zu verkündigen. Aber bald kommt eine neue Zeit­haushaltung, in der wir nicht mehr so arbeiten können, wie wir das jetzt tun.

Meine Aufgabe in dieser ganzen Zeit war, den Menschen Gottes Wort zu geben, damit sie durch die Gnade zum Wachstum kommen können. Man darf keinen Hehl daraus zu machen, dass in dieser Zeit etliche Menschen mächtig aufgeblasen wurden und meinten, dass sie viel weiter in Gott gekommen wä­ren, als es in Wahrheit der Fall war. Mit denjenigen, die sich sagen ließen ist es sehr gut gegangen, während Selbstklugheit und Übermut in Gottes Reich niemals Fortschritt haben werden. Es war deshalb eine ziemlich herausfor­dernde Aufgabe, allen diesen neugeborenen geistlichen Kindern zu helfen, zu einer gesunden und guten Entwicklung in Gott zu gelangen. In solchen Ver­hältnissen muss man, damit man nicht jemand zerstört, behutsam vorgehen. Zu Gottes Ehre und Preis muss ich sagen, dass wir die Gnade bekommen haben so zu arbeiten, dass dieses in einem sehr großen Maß gelungen ist. „Glaubt an den Herrn, euren Gott, so werdet ihr sicher sein, und glaubt seinen Propheten, so wird es euch gelingen” 2. Chr. 20, 20.

Es war eine so starke Kraft in der Erweckung, dass die Gemeinde an einzel­nen Orten im Begriff war, gespalten zu werden. Manche waren so radikal und extrem, dass es zum Schluss nur noch einige wenige gab, die sie für eifrig genug hielten. Selbst herrliche Geschwister wurden als „Gegner” der Erwe­ckung betrachtet, weil sie besonnen waren. Die Erweckung, die frei vom Ge­setz machen sollte, war im Begriff, sie wieder unter das Gesetz gefangen zu nehmen. Viele Hirten verstanden nicht, ihren Schafen eine angemessene Weg­leitung zu geben, wie es diese Zeit erforderte. Sie hatten ganz einfach nicht genug Weisheit, um das zu tun. Andere hatten wohl Angst davor, Vertrauen zu verlieren und unpopulär zu werden und taten im Großen und Ganzen nichts, um einzelne ungesunde und merkwürdige Ausschläge, die auch vorkamen, zu unterbinden. Einzelne Hirten hatten vielleicht in ihrem eigenen Leben nie eine kräftige Erweckung erlebt. Hätten sie mehr Erfahrung mit Gott gehabt, dann hätten sie vielleicht all denen, die in dieser Zeit wiedergeboren wurden, besser helfen können. Will man in einer Erweckungszeit Hirte sein, dann muss man selbst ein Teil der Erweckung sein. Manche gaben sich als Hirten aus, ohne jemals brennend eifrig für Gott gewesen zu sein. Es ist klar, dass solche Menschen keine Gnade haben können, um zur Hilfe zu sein, sondern dagegen Unmut und Widerstand wecken.

Nach und nach kamen an den allermeisten Orten die Dinge ins Lot. Es war für einen Teil der Geschwister mit schwachen Nerven schwierig, den „Lärm” auszuhalten, der die Erweckung begleitete. In diesen Jahren hielten wir fünf Jahre hintereinander Konferenzen in Israel. Dort war Frieden und Ruhe und eine angenehme, persönliche und gute Atmosphäre. Das tat vielen gebrechli­chen Seelen sehr gut. Ich freue mich darüber, dass das Evangelium bei dieser Gelegenheit auch auf Hebräisch verkündigt wurde, so dass es geisterfüllte Reden in der Sprache der Juden gibt, falls es in Israel mehr Menschen geben sollte, die sich nach diesem Heil sehnen.

Weiter hinten in diesem Buch schreibe ich einiges über unsere Aufgaben als Hirten in der Gemeinde. Es ist daher meine Hoffnung, dass dieses Buch für Hirten in der Zukunft eine Hilfe wird, so dass wir die herrliche Aufgabe wahrnehmen, die Gott uns gegeben hat. Wir verkündigen keine Erweckung. Wir verkündigen Gottes Wort, und dann wirkt Gottes Wort Erweckung in un­seren Herzen. Dies muss jeder Hirte zu Herzen nehmen, wenn sowohl er selbst auch die Gemeinde zu Gesundheit und Leben heranwachsen sollen.

„Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst; denn sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.” Joh. 17, 14-15.