Meine Aufgabe in dieser Zeit
Ebenso wie Gott in einer Erweckung arbeitet, arbeitet auch Satan sehr kräftig. Verführerische Geister, die zum geistlichen Ruin und zur Zwietracht in einer Gemeinde führen, können sich leicht einmischen, um Gottes Werk zu zerstören.
Eine Erweckung setzt gewaltige Kräfte frei, die – bildlich gesprochen, in Rohren gefasst und auf Turbinen geleitet werden müssen. Dann wird die Kraft eine ernorme Hilfe werden, um Gemeinschaft und Einheit in der Gemeinde zu bauen, und wir werden durch jedes Band, das Gott gibt, miteinander verbunden. Es dauert oft mehrere Jahre, bis man die Reichweite des Segens sieht, den Gott in solchen Erweckungen gibt.
Ohne ein klares Bild darüber, was die Aufgabe der Gemeinde ist und was Christus mit seiner Gemeinde beabsichtigt, entwickelt sich eine Erweckung leicht zu extremen und ungesunden Zuständen. Darum ist es in solchen Zeiten besonders wichtig, einen Kompass zu haben und eine klare Route zu haben. In Erweckungszeiten ist das Seelenleben oft in starken Schwingungen, und man kann daher auf eingebildete Höhen empor geschraubt werden und dort von sich glauben, man habe eine Aufgabe und eine Bedeutung, als ob man ein ältester Bruder sei. Die Wahrheit ist wohl oft, dass man neugeboren ist und Hilfe braucht.
In dieser Zeit wurde es deshalb mein Dienst, bewusst daran zu arbeiten, die Gemeinde und den Einzelnen tiefer in Heiligung hineinzuführen. Dies war auch Sigurd Bratlies inständige Ermahnung an mich, als er sagte: „Kåre, jetzt darfst du nicht soviel in deiner irdischen Arbeit arbeiten, sondern musst in der Gemeinde arbeiten und Gottes Wort reden, denn sonst geht das hier schief.”
Eine Geistestaufe macht einen Menschen nicht erwachsen. Was da geschieht, ist eine Wiedergeburt. Wir können uns alle vorstellen, wie es in einem Kreissaal eines großen Krankenhauses zugeht. Dort ist so richtig Leben, Geburtshelfer laufen hin und her und niemand hat die vollständige Kontrolle über das, was geschieht. In solchen Verhältnissen ist es sehr gut, Mitarbeiter zu haben, die verstehen was geschieht und die rechte Hilfe geben können.
Nachdem die Wiedergeburt stattgefunden hat, brauchen die neugeborenen Kinder auch Nahrung. „Und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch, wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil, da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.” 1. Petrus 2, 2-3. Ob Erweckungszeiten sind oder nicht, ist es sehr wichtig, dass auf alle „Abweichungen” hingewiesen wird und dass der Not durch Gottes Wort abgeholfen wird. Dann kommt man selbst zu Wachstum und einer Arbeit der Fürsorge für andere Menschen. Sigurd Bratlie freute sich sehr darüber, dass die Jugend in der Erweckung mit dem heiligen Geist erfüllt wurde. Am Ende seines Lebens ermahnte Sigurd Bratlie die Jugend ständig dazu, Menschenfischer zu werden, solche, die etwas Gutes auf dem Herzen haben, das sie den Menschen verkündigen können, die in ihren Sünde gebunden sind und es nötig haben, zum Glauben an das Evangelium zu kommen. „Als nun Jesus am Galiläischen Meer entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder; die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.” Matth. 4, 18-20.
Erweckungen sind nicht dazu gegeben, dass man sich in seiner eigenen Kraft und Stärke sonnen kann. Die Kraft muss in Arbeit für die Menschen umgesetzt werden, wenn sie den einzelnen zum Segen werden soll. Sucht man Macht und Ämter durch die Gnadengaben, die Gott in Erweckungszeiten gibt, dann ist man auf gefährlichen Wegen und man wird ohne Grund aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn. Ohne dass man in eine Arbeit hineinkommt, in der man selber in Not kommt und zerbrochen wird, wird selbst eine Erweckungszeit selbstdestruktiv für die, die sich nicht erlösen lassen.
Paulus ermahnte die Galater in der gleichen Richtung, als er schrieb: „Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.” Gal. 5, 25. Man kann also in einen gewaltigen Betrug hineingeraten, wenn man glaubt, dass all die Seelenkräfte, die in Schwingungen geraten, wenn man im Geist lebt, göttlich sind. Wenn man zu Wachstum und Entwicklung kommen will, muss man zum Glaubensgehorsam kommen und im Geist wandeln. Dann bekommt man eine Aufgabe im Leben und kommt zu Heiligung und Weisheit.
Salomo schreibt so über die Weisheit: „Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts, dass ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.” Spr. 8, 20-21 Diejenigen, die auf menschliche Weise extrem werden, geraten oft aus dem einen in den anderen Graben. Auf diese Weise entstehen wenig Fortschritt und Entwicklung.
