Weitere Bosheit kommt an den Tag
Gleich Anfang des Jahres 1992 landete in Oslo und an vielen anderen Orten ein langer, detaillierter Brief von Øyvind Velten in den Briefkästen der Geschwister. Auch Geschwister in fernen Ländern außerhalb Norwegens erhielten diesen Brief, der auf 7. Januar 1992 datiert war. Øyvind Velten stand Olav Bekkevold ziemlich nahe, aber er war nicht besonders darin bewandert, Briefe zu schreiben. Zudem ähnelte die Handschrift auf den Briefumschlägen in verblüffender Weise der Handschrift einer anderen Person, und die Briefe waren mit der Frankiermaschine eben dieser Person mit Datum abgestempelt worden. Es wurde sogleich klar, dass nicht Øyvind Velten diesen Brief geschrieben hatte, sondern dass sein Name als Alibi benutzt wurde, um dem Brief Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Brødrene Smith Ingeniør & Entreprenørforretning war unter Liquidation gewesen. In Verbindung damit hatte mein Rechtsanwalt bezüglich unserer Gesellschaft den Ausdruck „technischer Konkurs” verwendet. Øyvind Velten - oder seine Hintermänner - griffen das auf und behaupteten, dass ich persönlich in Konkurs wäre und gebrauchten für ihre Schreibereien folgende Überschrift: „Ungerechtigkeit, Spekulationen, Konkurs, Lüge, Afterreden und Verrat.”
Der Brief hatte keinen größeren Effekt auf die Geschwister als das Wasser auf eine Gans. Dieser Angriff wurde jedoch zu einem Katalysator, der den Prozess beschleunigte, der sich schon lange in Entwicklung befunden hatte. In der Mittwochversammlung am 15. Januar rechnete Sigurd Bratlie ab, nicht nur mit Øyvind Velten, sondern auch mit Olaf Bekkevold, in aller Öffentlichkeit. Manche meinten, Sigurd Bratlie wäre dement geworden und seine Entscheidungen wären von anderen gelenkt. Sigurd Bratlie selbst machte sich darüber lustig, dass manche meinten, er wäre senil.
In dieser Versammlung trat Sigurd Bratlie auf als ein im Alter von 87 Jahren höchst rüstiger und klar denkender starker Leiter. Øyvind Velten „fegte” er von dem Podium herunter, auf dem die Musiker saßen, und wandte sich direkt an Olaf Bekkevold. Er bat Bekkevold, seine „alten Prophezeiungen” über Kåre vor der ganzen Versammlung wiederzuerzählen und schlussfolgerte selbst, dass das Ganze seine Wurzel im Neid hatte.
In der Mittwochversammlung am 5. Februar hielt Olaf Bekkevold seine Abschiedsrede. Er verließe nicht die Gemeinde, sondern wolle eigene Versammlungen halten. Auf seinem Weg herunter vom Rednerpult kommentierte Sigurd Bratlie von seinem Sitzplatz aus: „Es wird bestimmt schlechter mit dir gehen, Bruder.”
Olaf Bekkevold wollte also eine eigene Versammlung betreiben und gleichzeitig in der Gemeinde sein. Wie er sich dazu stellen sollte, war eigentlich problematisch. Die Gemeinde stellte eine große Ressource dar, ohne die Olaf Bekkevold nicht auskommen würde. Die Gemeinde sollte nun Olaf Bekkevolds privates Fischwasser werden, während sich die Seinen in einer eigenen Versammlung unter seiner Regie trafen. Da entschloss sich Sigurd Bratlie dazu, etwas zu tun, das im Gemeindezusammenhang sehr selten ist, nämlich Olaf Bekkevold offiziell auszustoßen. Dies geschah in einem Brief an ihn am 7. Februar 1992.
Es zeigte sich schnell, dass es Olaf Bekkevold nicht schaffte, die verschiedenen Motivationen, verschiedenen Bibelverständnisse, verschiedenen Interessen und verschiedenen Personen zu einer neuen Schar zu vereinen. Ein beträchtlicher Teil war gesetzlich, aber viele waren gesetzlos und einig mit Ole Kristiansen und wollten von allem entbunden sein, was an eine Ermahnung in gesetzlicher Weise erinnerte. Wieder andere benützten die Gelegenheit, von allem davonzulaufen, um das zu tun, wozu sie am allermeisten Lust hatten. Diese zu vereinen war für Olaf Bekkevold eine unmögliche Aufgabe. Seine eigenen Leute machten sich über ihn lustig und er bekam viel Gegenwind, aber es kam trotzdem wie ein Schock für uns alle, als er im März 1994 von einem sehr ernsten Schlaganfall getroffen wurde, wodurch er bis zum heutigen Tag in seinen geistigen Kräften sehr eingeschränkt ist.
Irgendwie fühlte ich mich mitverantwortlich dafür, dass diese Menschen die Gemeinde verlassen hatten. Deshalb sprach ich mit Sigurd Bratlie darüber und bedauerte, dass ich schuld daran war, dass so viele uns verlassen hatten, auch aus Bratlies eigener Verwandtschaft. Ich erinnere mich noch so gut an Bratlies Reaktion: „Darüber solltest du dir überhaupt keine Gedanken machen. Diese Leute wollten etwas anderes als wir. Sie wollten keine Jünger sein, und wir sollten uns darüber freuen, dass sie verschwunden sind.”
Die Schlussfolgerung von Sigurd Bratlie war, dass der Niedergang Olaf Bekkevolds in seinem Neid mir gegenüber begründet lag. Ich persönlich hatte dies schon fast seit der Zeit bemerkt, als ich 1978 nach Oslo zurückzog, und ich glaube auch, dass Neid leider die eigentliche Ursache für Olaf Bekkevolds Fall war. Das, was sich in Oslo zwischen 1988 und 1992 abspielte, wurde von meinen Widersachern als eine bewusste Strategie meinerseits ausgelegt, um Olaf Bekkevold außer Gefecht zu setzen. Ich hatte aber nie solche Gedanken und war an irgendeiner Konkurrenz mit Olaf Bekkevold absolut uninteressiert. Dagegen trugen die Ereignisse jener Zeit dazu bei, das an den Tag zu bringen, was das Problem Bekkevolds eigentlich war.
Die Gemeinde konnte miterleben, dass zwei Richtungen innerhalb des Verständnisses des Evangeliums von Sigurd Bratlie in den richtigen Zusammenhang gestellt und korrigiert wurden. Gleichzeitig wurde allen klar, dass Olaf Bekkevold mit beiden Richtungen einig war, ohne zu erkennen, dass sie sich gegenseitig ausschließen. Olaf Bekkevold war Sigurd Bratlies enger Mitarbeiter gewesen, und das, was sich in Bezug auf die Behandlung der Angelegenheiten abspielte, stellte sich für uns andere so dar, dass Olaf Bekkevold Sigurd Bratlie in den Rücken fiel. In meiner Zusammenarbeit mit Sigurd Bratlie erlebte ich nie, dass es ein Problem war, mit ihm uneinig zu sein, jedoch akzeptierte er nie, dass man das Seine suchte oder einen anderen „Terminkalender” hatte. Sigurd Bratlie verlangte ganz einfach von seinen Mitarbeitern, dass sie danach trachteten das voranzutreiben, was zum Besten für die Menschen und die Gemeinde war. Es ist offenbar, dass Olaf Bekkevolds Engagement in der Behandlung der Angelegenheiten mit Ole Kristiansen und Leif Olstad mit sich brachte, dass er sich mehr und mehr von Sigurd Bratlie entfernte. Die Sache war entschieden, als es für Sigurd Bratlie offenbar wurde, dass Olaf Bekkevold mir gegenüber ein böses Auge hatte.
Im selben Zeitraum begann Sigurd Bratlie, mich in größerem Maße in seiner Arbeit für die Gemeinde einzubeziehen. Zum Beispiel bat er mich, zusammen mit David Nielsen nach Holland zu reisen. Er bat mich auch zu versuchen, in Drøbak eine Lösung zu finden, aber mein Engagement war nicht davon gefärbt, dass ich ein „Konkurrenzverhältnis” mit Olaf Bekkevold hatte. Ich wünschte, das voranzubringen, was dem einzelnen Menschen und der Gemeinde als Gesamtheit zum Besten dient. Dagegen war mein Engagement desto ärgerlicher für diejenigen, die selbst diesen Dienst wünschten - oder jedenfalls nicht wünschten, dass ich ihn haben sollte. In dieser Kategorie befand sich Erling Ekholt, der sowohl mündlich als auch schriftlich seine Besorgnis darüber zum Ausdruck brachte, dass ich von Sigurd Bratlie in verschiedenen Angelegenheiten beauftragt wurde.
Meine Ausführungen in diesem Buch über den Zeitraum 1988 bis 1992 sind keineswegs erschöpfend oder vollständig in Bezug auf Sigurd Bratlies Behandlung der Dinge, die in dieser Zeit geschahen. Das war auch nicht die Absicht dieser Schilderung, sondern ich schreibe zur Lehre für uns alle, so dass man vermeiden kann, in der Zukunft die gleichen Fehler zu begehen. Sigurd Bratlie behielt Recht: Die Ereignisse wurden ein Beispiel für die kommenden Generationen.
