Die ersten Lebensjahre in Horten
Mutter und Vater waren nach Horten umgezogen, bevor ich geboren wurde. Die Hauptwerft der Marine lag in Horten und wurde von der Besatzungsmacht genutzt. Aus diesem Grunde ließen die Alliierten einen starken Bombenregen über die Anlage der Marine niedergehen. Mutter und Vater wurden daher aus Horten evakuiert, so dass ich dann am 14. November 1944 im Haus meiner Großeltern Karen und Peder Døviken in Krokstadelva geboren wurde. Später zog unsere Familie nach Horten zurück. Mein anderer Großvater - Johan O. Smith - war über ein Jahr vor meiner Geburt gestorben.
Während meiner ersten beiden Lebensjahre wohnten wir in Horten. Ich habe selbstverständlich nicht viele Erinnerungen an diese Zeit, aber aufgrund späterer Besuche zu Hause bei meiner Großmutter - Pauline Smith - entsinne ich mich deutlich an die unsagbar gute Atmosphäre, die ich als felsenfesten Schutz und große Geborgenheit erlebte. Ohne dass ich genau sagen kann warum, erlebte ich sie als eine große Kraft in meinem Leben. Ich hatte oft Gespräche mit ihr und spürte ihre Güte und Fürsorge. Das bedeutete viel für mich in meiner frühen Kindheit. Sie starb, als ich fast 10 Jahre alt war. Ich erinnere mich gut an diesen Tag. Mutter und Vater hatten früh am Morgen von ihrem Tod erfahren. Ich wollte gerade in die Schule gehen, als Mutter sagte, dass Großmutter gestorben wäre. Ich fühlte eine große Leere und Trauer in meinem Inneren. Auf dem Weg zur Schule blieb ich an einem Denkmal stehen, das für Menschen aufgerichtet war, die im Krieg im Kampf für ihr Vaterland gefallen waren. Dort stand ich und dachte an Großmutter. Ich erinnere mich, dass ich Gott und die Engel bat, mich nun zu bewahren, wo ich Großmutter nicht mehr hatte. Als sie uns verließ, spürte ich, dass etwas Schützendes und Gutes, das ich nötig hatte, von mir ging. Darum war es mir ein großes Bedürfnis, dass Gott und die Engel in meinem weiteren Leben auf mich aufpassen sollten.
Das Haus meiner Großeltern in Krokstadelva war ein Zentrum der Widerstandsarbeit in Eiker während des Zweiten Weltkriegs. Mein Großvater – Peder Døviken - war ein äußerst mutiger Mann. Eines Tages kamen deutsche Soldaten überraschend zu uns, um den Hof nach Waffen oder anderen Ausrüstungsgegenständen zu durchsuchen, die der Widerstandsarbeit dienten. Die Deutschen gingen unter anderem in die Scheune und stachen mit einer Heugabel an vielen Stellen in das Heu, um zu sehen, ob dort etwas versteckt wäre. Großvater stand sicher und ruhig da, sah sich das Ganze an und sagte zu den deutschen Soldaten: „Hier findet ihr nichts!” Das taten sie auch nicht, denn Großvater selbst stand an der Stelle im Holzschuppen, wo die Waffen in einer Metallkiste unter dem Boden vergraben waren!
1945, einige Monate nachdem der Krieg beendet war, saß ich - sieben Monate alt - auf einer Decke im Garten bei meinen Großeltern. Da kam ein Journalist von der „Buskerud-Zeitung”, der eine Reportage über die Widerstandsbewegung in Eiker schreiben wollte und über die Bedeutung, die das Haus meiner Großmutter und meines Großvaters Døviken dabei hatte. Das Ergebnis war ein großer Zeitungsartikel unter der Überschrift: „Eine 11-köpfige Familie - und alle bei der Widerstandsbewegung.” Gemeint waren meine Großeltern und alle ihre neun Kinder, die der Widerstandsbewegung angehörten. Am Schluss des Zeitungsartikels stand: „Im Laufe des Gespräches sind wir am Døviken-Hof angekommen. Harmonisch und schön liegt er in der Landschaft. Niemand würde vermuten, dass der Hof eines der wichtigsten Zentren der illegalen Arbeit während des Krieges war. Es liegt ein Hauch von Frieden über jedem kleinen Detail, über dem Pferd, das uns gleich hinter dem Tor begegnet, über dem Brunnentrog auf dem Hof, über allem – bis hin zu einem kleinen sieben Monate alten Knirps, der draußen im Hof zufrieden auf einer Decke sitzt: der jüngste Sprössling der Familie Døviken, ein Enkel aus Horten, der bei Zeit und Gelegenheit sicher ein gefährlicher Widerstandskämpfer werden wird.”
Dieses furchtlose Wesen hat auch meine Mutter geerbt. Viele Male befand sie sich in gefährlichen Situationen, auch solchen, wo sie mit geistesgestörten und unberechenbaren Menschen zusammentraf. Sie hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, die Gedanken anderer zurechtzurücken, so dass selbst stark geistesgestörte Menschen ruhig werden. So hatte sie viele starke Glaubenserlebnisse mit Gott. Einmal sah sie einen Mann, der auf einen anderen einschlug. Mutter rief: „Stopp!” Dann trat sie zu den beiden und regelte ihre Unstimmigkeit, so dass sie sich leise davon schlichen.
Wenn ich Menschen auswählen müsste, die ich mit in den Krieg nehmen sollte, wäre meine Mutter natürlich die erste Wahl. Sie ist frei von Angst und ich würde niemals befürchten, dass sie irgendwann einmal die Treue brechen würde. Bevor 1991 die Erweckung ausbrach, fühlte sie sich ein wenig alt und lebensmüde und wäre vielleicht am liebsten gestorben, um daheim beim Herrn zu sein. Als die Erweckung kam, lebte sie wieder auf und erlebt heute, dass das Leben wirklich lebenswert ist.
