Hirte und Prophet

- Ein Lehrer und Mittler

Hirte und Prophet

Ein Lehrer und Mittler

Das Evangelium, welches J.O. Smith hervorgebracht hatte und das durch Elias Aslaksen vorangetrieben und verbreitet wurde - so dass er sowohl be­rühmt als auch berüchtigt wurde - fand in Sigurd Bratlie einen Mittler und einen Lehrer, der in der Gemeinde einzig dasteht. Sigurd Bratlies Bücher weckten großes Interesse und fanden in vielen Ländern auf der ganzen Welt Zuspruch. Seine Schriften führten ihn auch in eine enorme Reisewirksamkeit hinein. Die Bücher „Der neue Bund und das Geheimnis der Gesetzlosigkeit”, „Die Braut und die Hure” und „Die Gnade in Jesus Christus” sind in unzähli­ge Sprachen übersetzt und wurden von Zehntausenden gelesen. Bratlies ein­fache Art, Gottes Wort zu verkündigen, gab fast allen, die ihn hörten, Licht und Hilfe. Johan O. Smiths Literatur war wohl für viele zu tiefgehend und etwas schwer verständlich. Bratlies Bücher waren „populärwissenschaftlicher” und für alle und jeden leichter zu verstehen.

Sigurd Bratlie wuchs als Jüngster in einem Elternhaus auf, das in der Missi­on verankert war. Sowohl die Chinamission, die Santalenmission als auch die Lapplandmission hielten in seinem Elternhaus Versammlungen ab. Einige seiner älteren Brüder wurden von der Pfingsterweckung ergriffen, als diese mit T. B. Barrat nach Norwegen kam. Dies war Bratlies Hintergrund, als er im Alter von sechzehn Jahren mit J.O. Smith in Verbindung kam. Er wurde vom Evangelium ergriffen und nahm deshalb entschieden Abstand von einem Evan­gelium, das zur Gesetzlosigkeit führte. Er fiel aber auch nicht in den anderen Graben, dass der Sünde durch gesetzliche Gebote und Regeln Einhalt geboten werden sollte. Ganz im Gegenteil – wir sollten durch das Kreuz von der Sün­de freigemacht werden, um auf diese Weise vom Gesetz frei zu werden.

Zu Hause in Oslo hielt Sigurd Bratlie nahezu sein ganzes Leben lang seine berühmten Bibelstunden – in der Regel jeden Montagabend, wenn er in Oslo war. Seine bloße Anwesenheit machte es unmöglich, in ein anderes Verständ­nis oder eine andere Verkündigung auszuscheren. Herausforderungen erga­ben sich jedoch daraus, dass er durch seine große Wirksamkeit viel auf Reisen war. Während Sigurd Bratlies Abwesenheit entwickelten sich zwei Subkultu­ren in und um die Gemeinde Oslo.

Bildlich gesprochen kann man sagen, dass es zwei Gräben auf dem Weg des Evangeliums gibt, den gesetzlichen und den gesetzlosen. Direkt vor unseren Augen entwickelten sich beide - zwar in sehr kleinem Maßstab - aber den­noch deutlich genug, um der Gemeinde als Beispiel für kommende Generati­onen zu dienen.