Ereignisse in meiner Kindheit
Um zu verstehen, was in der Erweckung geschah, denke ich, dass es notwendig ist, einige historische Linien zurück zur Gemeinde in Oslo zur Zeit meiner Kindheit aufzuzeigen. Damals gab es ein paar Ereignisse, die mir heute noch zu denken geben. Heim und Gemeinde waren auf vielerlei Weise ein Kindheitsparadies, doch nicht alle verstanden den Weg zu einem solch glücklichen Leben für sich selbst oder für ihre Umgebung. Darüber hinaus habe ich später Dinge erlebt, die es wert sind, darüber nachzudenken und die gleichzeitig sehr lehrreich sind.
Rakel und Sigurd Bratlie wohnten 42 Jahre lang bei meinen Eltern im Kjelsåsweg 29 zur Miete und ihr Sohn Sigurd Johan wuchs hier auf. Sigurd Bratlie war während eines langen Lebens gemeinsam mit meinem Onkel Aksel J. Smith Vorsteher der Gemeinde weltweit. Rakel Bratlie, eine Tochter von J. O. Smith, war viele Jahre lang Redaktionsmitarbeiterin ihres Vaters, und nach dessen Tod arbeitete sie mit ihrem Bruder Aksel bei der Herausgabe des Blattes „Skjulte Skatter” eng zusammen. Zu Hause im Kjelsåsweg liefen historische Linien zusammen und vieles von der Geschichte der Gemeinde wurde eben hier geformt.
In Oslo wohnte auch ein anderer markanter Bruder, nämlich Enok Hansen. Er war ein begabter Redner und ein tüchtiger Leiter, doch an sein Leben wird man sich wohl kaum wegen seiner Tugenden in Christus erinnern. Hingegen erinnert man sich eher an ihn aufgrund seiner eiskalten, erkenntnismäßigen Ausstrahlung.
Mit zwölf Jahren bekam ich mein erstes Fahrrad mit Gangschaltung. Und das, obwohl Enok Hansen in einer seiner vielen Reden eben solche Räder mit Gangschaltung als weltlich und unpassend für einen Christen hervorgehoben hatte. Vollständig im Klaren über die offenbare Opposition meiner Eltern gegenüber Hansen, begegnete ich ihm eines Tages auf meinem neuen Fahrrad. Freimütig zeigte ich dieses Fahrrad einem steifen und stummen Hansen. In der Tiefe meines Herzens wusste ich, dass dieser Mann keinerlei Recht dazu hatte, mir meine kindliche Freude über mein neues Fahrrad zu nehmen, und ich verspürte sowohl Ruhe als auch Freude darin, ihm unsere Uneinigkeit mit seinem Verständnis von wahrem Christentum zu zeigen.
Enok Hansens Leben in der Gemeinde war leider von seinen Ambitionen und Machtgelüsten geprägt und es nahm ein schlechtes Ende mit ihm. Zuletzt nahm sich Elias Aslaksen der Sache an, räumte mit allen Verleumdungen auf, und Hansen musste sämtliche leitende Funktionen abgeben. Sein Neid gegenüber Sigurd Bratlie war offenbar geworden. Unter dem Vorwand, bei schlechter Gesundheit zu sein, zog er sich vollständig aus dem Gemeindeleben zurück und wurde leider ein warnendes Beispiel dafür, wie Ehre und Neid einen Menschen zerstören können.
