Hirte und Prophet

- Aksel J. Smith

Hirte und Prophet

Aksel J. Smith

Aksel J. Smith war ein überaus beliebter Bruder, ein herausragender Hirte und Prophet. Er offenbarte das Menschenangesicht im göttlichen Wesen, wie wir in Hes. 1, 5-10 lesen: „Und mitten darin war etwas wie vier Gestalten; die waren anzusehen wie Menschen. Und jede von ihnen hatte vier Angesichter und vier Flügel. Und ihre Beine standen gerade, und ihre Füße waren wie Stierfüße und glänzten wie blinkendes, glattes Kupfer. Und sie hatten Men­schenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; die vier hatten Angesich­ter und Flügel. Ihre Flügel berührten einer den andern. Und wenn sie gingen, brauchten sie sich nicht umzuwenden; immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter. Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen und zur rechten Seite gleich einem Löwen bei allen vieren und zur linken Seite gleich einem Stier bei allen vieren und hinten gleich einem Adler bei allen vieren.”

Für die Entwicklung der Gemeinde war Aksel J. Smith in vielerlei Hinsicht wegweisend und hatte eine göttliche Schau. Er wuchs mit seinem Vater, Johan O. Smith, auf und bekam so einen intuitiven Kompass dafür, wie der Weg für die Gemeinde zurechtgelegt werden sollte. Er bekam Einsicht, indem er die Weisheit seines Vaters in verschiedenen Dingen sah und indem er selbst das­selbe Jüngerleben führte. Sein Vater sagte von ihm, als er noch jung war, dass er dazu berufen sei, Hirte und Prophet zu sein. In seinem letzten Lebensjahr verfügte Johan O. Smith, dass Aksel J. Smith Redakteur für „Skjulte Skatter” werden sollte. Diese Arbeit führte er 55 Jahre lang mit großem Eifer aus. Er hat auch durch die Konferenzberichte all diese Jahre hindurch die Geschichte der Gemeinde festgehalten.

Frei von Neid und aufgrund seiner Hochachtung denen gegenüber, die Gott in der Gemeinde eingesetzt hatte, verstand er, wo der Weg zu den guten Weide­gründen war. Warum soll man die Schafe die Geröllhalde hochjagen, wenn es einen guten Pfad unten im Tal gibt? Es kann wohl kühn und mutig aussehen, die Herde zu extremen Handlungen zu treiben, aber dahin wirkt die Weisheit nicht. Wenn auch einzelne Personen manche Dinge sehr überspitzten, wachte er über das Blatt, so dass nur das gedruckt wurde, was zur Erbauung war. Er hatte den Geist der Weisheit von seiner Jugend an im Herzen. Die Weisheit geht mitten auf dem Weg des Rechts. Er war kein Radikalist, weder auf der linken noch auf der rechten Seite, sondern ein Wegweiser im Guten. Durch die guten Worte, die er in der Sanftmut der Weisheit redete, fanden viele den Weg zum Leben und zum Guten, vielfältig veranschaulichte er das Menschen­angesicht im göttlichen Wesen. Besonders zeichnete er sich auch dadurch aus, dass er solche besuchte, die etwas abseits wohnten. Auch schrieb er Briefe an sie und pflegte den persönlichen Kontakt mit den Einzelnen. Ferner verfasste er einige der inhaltsreichsten Lieder in unserem Liederbuch. Er verstand es durch seinen Dienst die Menschen aus Nacht und Hoffnungslosigkeit zu be­freien. Durch seinen Dienst erlebten sie Gott.

Falls damals Probleme zwischen den leitenden Brüdern entstanden wären, glaube ich, dass die Gemeinde in Norwegen Aksel J. Smith gefolgt wäre. Eine solche Situation hat es ja indes nie gegeben. Aksel J. Smith jedoch war ein Meister darin, den Weg zu weisen, damit der einzelne Geborgenheit fand und mit Freude auf dem Weg des Lebens vorwärts gehen konnte.

Hingegen waren auch radikale Personen unter uns, die die Schafe die Fels­wände hoch jagen wollten, wo sie hätten umkommen können. Die guten Hir­ten hingegen finden den Weg, auf dem die Schafe glücklich folgen. Wohl mag dieser Weg etwas länger sein, aber er sieht bei weitem nicht so gefährlich aus und man erreicht dennoch dasselbe Ziel. So war auch die Verkündigung von Aksel J. Smith. Die Gemeinde spürte, dass er das Herz eines Hirten und Pro­pheten hatte, dem sie sicher nachfolgen konnte. Dieses Zeugnis gab Gott de­nen, die ihn hörten, ins Herz hinein.

Er hat die Gemeinde auch vor unendlich langen Versammlungen bewahrt, wenn Elias Aslaksen leicht die Uhr vergaß. Während einer Versammlung bei einer unserer Konferenzen ging Elias Aslaksen zur Toilette. Als er zurück­kam, wollte er die Versammlung gerne noch zwei Stunden weiterführen. Da sagte Aksel J. Smith zu ihm: „Denke an alle die Geschwister, die auch gerne das tun würden, was du gerade getan hast. Wir sollten die Versammlung jetzt beenden.” Da beugte Aslaksen sich sofort. Johan O. Smith sagte vor seinem Tod zu Aksel, dass er Aslaksen helfen müsse, was das Einhalten von Zeiten betrifft. Aslaksen beugte sich stets in großer Demut vor dem, was Aksel J. Smith sagte.

Wenn wir heute die Entwicklung der Gemeinde sehen, dann sehen wir auf vielerlei Weisen, dass die Gemeinde sich eben in die Richtung entwickelt hat, wie es Aksel J. Smith wünschte.

Brunstad

Etwas vom Letzten vor seinem Tod, das von Johan O. Smith berichtet wird, ist, dass er einen Traum hatte. Als er eines Morgens aufwachte, sagte er: „Heute Nacht hatte ich einen ordentlichen Traum. Ich stand mit zwei großen Koffern auf dem Bahnsteig in Hokksund. Ich hatte richtig zu schleppen, um sie nach Vestfold hinunter mitzubekommen.”

Als die Brüder an Konferenzen dachten, setzte sich eben Hokksund als ge­eigneter Ort dafür in ihrem Bewusstsein fest. Hokksund war ein guter Eisenbahnknotenpunkt in Norwegen, und man dachte damals nicht weiter als an die Wirksamkeit in Norwegen. Pinehas Nilsen machte dennoch Aksel J. Smith auf eine Annonce in der Zeitung „Aftenposten” aufmerksam, in der der Hof Brunstad zum Verkauf ausgeschrieben war. Aksel J. Smith fuhr nach Brunstad hinaus, um sich den Ort anzusehen. Obwohl dort tiefer Schnee lag, spürte er, wie die prophetische Begeisterung in seinem Herzen erwachte. Er sah vor sich, welch einen herrlichen Ort die Geschwister mit diesem Bauern­hof bekommen würden, der direkt am Fjord lag und er verstand, dass Brunstad das war, was Gott uns geben wollte. Bruder Bratlie war damals gerade in Deutschland, daher sandte Aksel J. Smith einen Expressbrief wegen des Kau­fes von Brunstad an Bratlie. „Nicht Hokksund, sondern Brunstad in Vestfold ist das, was wir haben sollen.”, schrieb er in einer solchen prophetischen Be­geisterung, dass Bratlie augenblicklich zu Hause anrief und sagte: „Aksel J. Smith hat Recht – Brunstad ist das, was wir haben sollen!” Aslaksen war einverstanden.

Die Brüder hatten den Kaufvertrag für das Grundstück in Hokksund eigent­lich schon unterschrieben. Aslaksen meinte, dass sie dort hinfahren und mit dem Verkäufer reden sollten. Es gab Brüder, die für diesen Ort kämpften und versuchten, in diese Richtung Einfluss zu nehmen. Als sie nach Hokksund kamen, kam ihnen der Verkäufer entgegen. „Es reut mich, dass ich den Kauf­vertrag mit euch abgeschlossen habe. Ich habe das Grundstück zu billig ver­kauft.” Er wollte, dass wir mehr dafür bezahlen sollten.

„Das ist vollkommen in Ordnung! Sie sind frei von dem Vertrag. Nun wer­den wir ein ganz anderes Grundstück kaufen. Auf Wiedersehen!”, sagte Aksel J. Smith. Aslaksen schloss sich Smith und Bratlie an, und damit war das Ren­nen gelaufen.

Heute sehen wir ja deutlich, dass Gott uns Brunstad geben wollte. Dort ist ein Flugplatz ganz in der Nähe, und es zeigt sich, dass es für die Geschwister einer der besten Orte in ganz Norwegen ist. Gott hat uns auch nach und nach Türen aufgetan, so dass wir mehr Land erwerben konnten. Heute ist Brunstad doppelt so groß wie das Gelände, dass wir 1956 kauften.

Nach dem Krieg gab es damals wenig Baumaterial im Land. Wenn man einen Saal bauen wollte, musste man beim zuständigen Ministerium eine Genehmigung vom Staat einholen. Als wir wieder einmal dringend mehr Platz brauchten und ausbauen mussten, meinte der Leiter der staatlichen Verwaltungsstelle in Tønsberg: „Jetzt geht nichts mehr, Smith, jetzt könnt ihr nicht mehr weiterbauen.”

„Gibt es keine Stelle mehr, bei der wir uns erkundigen können?” fragte Smith.

„Sie können natürlich versuchen, die Angelegenheit beim Ministerium über­prüfen zu lassen”, überlegte der Verwalter, „aber das nützt ja doch nichts.”

Smith fuhr nach Oslo und bekam einen Termin im Ministerium.

„Worum geht es bei Ihnen - hat das etwas mit dem Schulwesen zu tun?” fragte der Ministerialrat.

„Ja, selbstverständlich hat es mit dem Schulwesen zu tun – hier geht es um Bibelunterricht auf höchster Ebene.”, antwortete Smith.

„Gut, dann ist es in Ordnung”, befand der Ministerialrat und stempelte die Papiere ab.

Aksel J. Smith kehrte schmunzelnd zum Leiter der staatlichen Verwaltungs­stelle in Tønsberg zurück.

„Nun ist alles in Ordnung”, sagte Smith, „ich habe die Sache vom Ministe­rium genehmigt bekommen.”

„Was sagen Sie da, das ist ja ganz unmöglich! Wurde das Bauvorhaben als Schule genehmigt?”

„Ja, wir halten ja Unterricht auf höchster Ebene”, bejahte Smith.

„Ja, ja, dann bekommen Sie eben auch von mir den Stempel. Ein liebes Kind hat viele Namen!”

Ein kühner und mutiger Mann

Während des Krieges gab es nur wenig Papier für Zeitschriften, darum wurden alle Provinzblätter eingestellt und nur die Hauptorgane und Zeitun­gen durften weiterhin veröffentlicht werden. Aksel J. Smith bekam in einem Traum die Eingebung, dass „Skjulte Skatter” weiter erscheinen sollte. Da fuhr er zum Ministerium in Oslo und fragte dort an, ob es nicht möglich wäre, das Blatt weiterhin herauszugeben.

„Nein, alle Provinzblätter müssen jetzt eingestellt werden”, bekam er zur Antwort.

„Skjulte Skatter ist kein Provinzblatt”, entgegnete Smith.

„Ist Skjulte Skatter das Hauptorgan für Ihre Wirksamkeit?” fragte der Mi­nisterialrat.

„Ja, im allerhöchsten Grad – es ist das Hauptorgan für das ganze Land und unsere gesamte Wirksamkeit”, antwortete Smith.

„Habt ihr denn selber Papier?” entgegnete der Ministerialrat.

„Ja, unser Papiervorrat reicht für viele Jahre”, bestätigte Smith.

„Nun, wenn es so ist, dann darf es eben sein”, meinte der Ministerialrat.

Aksel J. Smith war ein Glaubensmann, der den guten Kampf des Glaubens kämpfte, damit es den Geschwistern gut gehen sollte. Bevor wir Brunstad gekauft hatten, ging er einmal dort umher und blickte über das Gelände. „Das hier ist der richtige Ort für die Geschwister”, dachte er, „wir müssen dafür sorgen, dass sie es wirklich gut haben.” Ein anderes Mal, als er von den Ge­schwistern sprach, sagte er zu mir: „Dem Fleisch nach sind sie die Schlech­testen, aber dem Geist nach sind sie das Höchste von Gottes Schöpfungswerk. Daran musst du denken, Kåre!” Das ließ mich die Geschwister sehr groß sehen. Selbst den Geringsten achtete er sehr hoch. Wir haben in seinem Dienst nie bemerkt, dass er das Seine gesucht hätte – in seiner Eigenschaft als Sohn von Johan O. Smith wäre es ein Leichtes gewesen, das zu tun. Er diente in Demut und Güte und wurde daher von den Geschwistern sehr geliebt.

Er war ein ausgezeichneter Mann für seine Frau und ein sehr guter Vater, und auch seine Kinder haben etwas von diesem Milden und Guten in sich bekommen. Eine große Dankbarkeit und Zuneigung gegenüber der Gemein­de prägt auch diejenigen seiner Kinder, die sich heute nicht als zu uns gehörig betrachten.

Aksel J. Smith war kein Gewohnheitsmensch. Wenn schönes Sommerwetter war, ließ er die Versammlung ausfallen und fuhr lieber mit der ganzen Ge­meinde zum Borrestrand außerhalb von Horten. „Hier in Horten lernen sie ihr Pensum so schnell, dass wir ab Mai Ferien machen können und nicht vor dem Herbst wieder anfangen. Aber in Oslo müsst ihr sogar während der Brunstadkonferenz Versammlung haben!” konnte er sagen. Ein anderes Mal bemerkte er: „Als die Böcke und Schafe den Oslofjord hineingejagt wurden, waren die Schafe so müde, dass sie hier in Horten angehalten haben, während die Böcke weiter jagten bis nach Oslo hinein.” Er selbst meinte das alles ja nur verschmitzt und humorvoll, aber ob nicht dennoch etwas Prophetisches dran war?

Wenn wir an einen Hirten und Propheten in der Gemeinde denken, dann ist es nicht schwierig an Bruder Aksel J. Smith zu denken. Er war auf mannigfa­che Weise das Bindeglied zwischen den verantwortlichen Brüdern. Es war so leicht, seine Worte, seinen Rat anzunehmen. Seine Fülle an Güte ermöglichte ihm einen einfachen Zugang zu den Herzen. Darum wurde er auch so vielen Menschen zur Hilfe. Aksel J. Smith und Elihu Pedersen waren als Evangelis­ten überall in Norwegen zum großen Segen. Sie verkündigten und sangen die herrlichen Wahrheiten des Evangeliums in die Menschenherzen hinein.

„Ich hätte gerne etwas mehr von dem in der Gemeinde getan, was Gott in mir gewirkt hat, aber das kannst ja du tun, Kåre”, sagte er einmal zu mir.