Hirte und Prophet

- Elias Aslaksen

Hirte und Prophet

Elias Aslaksen

In Elias Aslaksen hörten die Geschwister zuallererst die Stimme des Antrei­bers. Er war ein ganzherziger, brennender und eifriger Mann. Er suchte die Wahrheit, ja, deren Kern in jedem einzelnen Punkt, über den die Schrift Aus­kunft gibt. Dieser Eifer und sein unermüdlicher Eifer für die Wahrheit führten dazu, dass er die Gemeinde zum Geist, zum Wasser und zum Blut und zur Gleichgestaltung mit Christus hin trieb. Es besteht kein Zweifel daran, dass er viele zu einem gerechten Leben führte. Nach dem Wort der Schrift wird sein Name für immer und ewig leuchten. „Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.” Dan. 12, 3.

Er war außerordentlich demütig und beugte sich tief, um das auszuführen, was sein Herr und Meister in seinem Leben tun wollte, und um das Werk auszuführen, das Gott ihm anvertraut hatte. Er war in vielerlei Hinsicht ein brillanter Mann und verfügte über ganz besondere Begabungen, so dass er es weit hätte bringen können in dieser Welt. Schon als junger Kadett sah die Marine in ihm die Fähigkeit zum Admiral. Ein Kollege sagte von ihm, dass er zwar klein an Statur wäre – er war etwa einen Kopf kleiner als die meisten – dafür aber in fast allen Disziplinen einen Kopf größer als sie. Bereits als jun­ger Mann in der Marine war er sehr dienstwillig und stand in dem Ruf, die personifizierte Hilfsbereitschaft zu sein.

Zwischen Johan O. Smith und Elias Aslaksen entstand eine unendlich gute Gemeinschaft. Sie liebten einander, und durch die Zusammenarbeit in der Gemeinde über viele Jahre waren sie eng verbunden. Das war eine Liebe, die das ganze Leben lang andauerte. Es gab auch ein blitzendes Schwert zwi­schen ihnen, aber das führte nie zu einem Bruch in der Liebe.

Elias Aslaksen war ein Diener des Wortes erster Klasse. Er gebrauchte oftmals äußerliche Dinge als Beispiel, um das Innere zu beleuchten. So mochte er wohl auf viele in seiner Verkündigung gesetzlich wirken, was jedoch überhaupt nicht zutraf. Ich glaube, dass Bruder Elias Aslaksen eine der am meisten missverstandenen Personen ist, die wir unter uns hatten. Manche fass­ten seine Verkündigung buchstäblich auf. Sie richteten sich im Äußerlichen nach seinen Ansichten und Wünschen. Sie hatten nicht genug Liebe zur Wahr­heit, um zu verstehen, dass er Beispiele anführte, um das zu vertiefen und klar zu machen, wozu uns das Wort in Hinblick auf unser inneres Leben führen wollte. Aslaksen redete beispielsweise über Eitelkeit und gebrauchte hier ver­schiedene Beispiele. Viele folgten ihm jedoch nicht auf den wahren, inneren Wegen. Sie wurden in einer äußerlichen Form gebunden, ohne dass sie ver­standen, auf den inneren Wegen zu gehen und zu einem verborgenen Leben mit Christus in Gott zu kommen. Viele kamen wohl dadurch, dass sie in ihrem Geist nicht frei waren, um Gott so zu dienen, wie er in ihrem Herzen wirkte, in einen gesetzlichen Lebenswandel hinein.

Ich fragte Bruder Aslaksen auf seiner letzten Reise nach Finnland, warum er so redete. „Das bewirkt ja, dass viele gesetzlich werden und nicht am Evan­gelium Teil bekommen.”, sagte ich. Doch er entgegnete: „Ich habe ja nie gemeint, dass andere es genau so tun sollen wie ich. Das wäre ja schrecklich, das würde ja bedeuten, über die Seelen zu herrschen!”

„Ja, aber wenn du so großes Vertrauen hast und in deinen Reden so viele äußerliche Beispiele gebrauchst, dann machen sie es so, wie du sagst, und folgen dir im Äußerlichen”, erwiderte ich.

Da sah er mich mit betrübten Augen an und sagte: „Ja, wenn sie so dumm sind, dann geschieht ihnen Recht.”

Wenn ich Elias Aslaksen reden hörte, verstand ich rein intuitiv, dass über allem, was er sagte und tat, eine große Herrlichkeit lag. Deshalb war er für mich eine Quelle des Lebens, von der ich begierig trank. Er redete den Glau­ben in mein Herz hinein. Ich wurde bei einer seiner Reden ganz einfach wie­dergeboren und erhielt eine Kraft, die seitdem immer in meinem Leben ge­blieben ist. Das hatte unter anderem zur Folge, dass der Gedanke daran, mut­los zu werden - selbst während der größten Prüfungen – weit weg von mir war. Ganz im Gegenteil – ich habe eine Lebenskraft gespürt, die alle meine Tage in meinem Inneren gewirkt hat und die mich zu unendlichem Glück und unendlicher Freude geführt hat. Ich freue mich darüber, einen solchen Verkündiger gehabt zu haben und betrachte ihn als einen der allergrößten Männer, die die Gemeinde hervorgebracht hat. Ich freue mich unsagbar dar­auf, ihn wieder zu sehen und in der Ewigkeit mit ihm zusammen zu sein.