Hirte und Prophet

- Die heilsame Lehre

Hirte und Prophet

Die heilsame Lehre

Die „gesunde Lehre” muss auch im Heim offenbar werden. In der deut­schen Luther-Übersetzung wird sie die „heilsame Lehre” genannt. Durch die gesunde Lehre wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Vätern gewendet. Dies steht in starkem Gegensatz zu all der Gefühlskälte und Einsamkeit, die viele verspüren, wenn sie auch mit materi­ellen Dingen wie Kleidung und Essen versorgt werden.

Viele denken an Gott als einen schlimmen und schrecklichen Mann, der darauf aus ist, sie zu strafen. Sie haben Gottes gütige Herzenseinstellung nicht kennen gelernt. Es ist gut für Kinder zu erfahren, dass die Eltern mit ihnen in ihren Verhältnissen mitfühlen und mitleben, so dass sie sich nicht mit ihren Bürden alleine fühlen. Die Eltern müssen in einem solchen Kontakt mit den Kindern leben, dass sie es sofort merken, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte, ohne dass sie dadurch den Kindern zu nahe treten und sich ihnen auf­drängen. In einer solchen Atmosphäre der Offenheit können die Kinder selbst mit dem kommen, was sie plagt. Ein derartiges Vertrauensverhältnis ist sehr wertvoll.

Es ist wichtig, dass man den Stress und die Mühe des Arbeitslebens im Glauben ablegt, dass man an den Aufgaben im Heim Anteil nimmt und tat­sächlich da ist, wenn man zu Hause ist. Wenn man nicht Sieg hat über Sorgen, kommt es leicht zu einem Dominoeffekt, der besonders für die Kinder große Leiden mit sich bringt. Vielleicht schafft man es nicht auszuleiden, wenn man einer Demütigung ausgesetzt wird oder etwas anderem, das einem widerstrebt. Dies sollte ja in Christi Tod gehen, so dass man, wenn man nach Hause kommt, da ist, um sein Heim zu segnen.

„Wenn wir an die Familien denken, in denen Kinder aufwachsen, so müssen die Kleinen zuerst Nahrung bekommen, damit sie wachsen können. Wenn sie dann mit der Schule und Konfirmation fertig sind, falls das so gehandhabt wird, dann sollten sie nach alter Sitte erwachsen sein und selbst zurechtkom­men. Dann sind sie Schafe, die gehütet werden müssen. Wie sehr die Eltern hier gegen ihre Kinder sündigen, wenn sie sie nicht hüten in ihren Jugend­jahren”, schreibt Johan O. Smith in „Skjulte Skatter” im Januar 1941. Die Jugendlichen müssen auf eine gute Weise gehütet werden, so dass sie nicht an Dinge geraten, die ihrem Lebenslauf schaden werden. Es ist wichtig, dem Teufel zuvor zu kommen und seine Schafe genau zu kennen: „Du solltest das Aussehen deiner Schafe genau kennen. Hab Fürsorge für dein Vieh!” Spr. 27, 23 (norw. Übers.).

Es ist gut für ein Kind, Grenzen zu haben. Das empfindet es als Liebe und Fürsorge, wenn die Grenzen geräumig genug sind, um eine gesunde Lebens­entfaltung zu erlauben. Die Grenzen sollten so weiträumig wie möglich sein; doch wo es Grenzen gibt, muss bei Überschreitungen auch reagiert werden. Innerhalb der Grenzen muss es gesegnet und gut sein. Hier müssen Mutter und Vater wachen. Einige Kinder brauchen eine „kürzere Leine” als andere, das kann auch innerhalb derselben Familie so sein. In allem muss die Liebe zu den Kindern die Triebkraft sein und nicht der Ehrgeiz der Eltern.

Sei vorsichtig damit, Kinder zu vergeistlichen. Die Kinder spüren ja den guten Geist bei unseren Zusammenkünften. Die liebevolle Umgebung in der Gemeinde werden sie als ihr Heim empfinden. Hier müssen wir vorsichtig sein, die einzelnen einfach in Kategorien einzuteilen. Selbst wenn die Kinder nicht wiedergeboren sind und sich et­was unpassend benehmen sollten, sollte man mit den Jugendlichen der Ge­meinde besonders großzügig sein. Wenn sie dann groß sind und eventuell wählen, nach ihren Lüsten zu leben, führt das ja zu einem Bruch mit dem, wie sie aufgewachsen sind.

Gewalt gegenüber einem Kind zu gebrauchen oder es im Zorn zu schlagen, ist völlig unakzeptabel und schafft Furcht und Verunsicherung im Kinder­herz. Eltern, die so etwas tun, sollten darüber nachdenken, wie sie selbst es erleben würden, wenn ein Riese, der dreimal so groß ist wie sie selber, sie im Zorn packen würde.

Gott hat uns mit verschiedenen Talenten und Gnadengaben ausgerüstet. In seinen Augen ist niemand minderwertig. Mit unseren persönlichen Vorausset­zungen haben wir Gelegenheit, zur ganzen Fülle Gottes zu gelangen - danach zu streben, sich auf eine Stufe mit anderen zu stellen, ist nur Eitelkeit und Dummheit. Wahres Glück finden wir in dem ehrlichen Verhältnis, das wir zu Gott haben. In diesem Zustand können wir unseren Kindern etwas vom Him­mel geben. Ob man in einem kleinen oder großen Haus wohnt, hat keine Be­deutung. Dass die Eltern es gut miteinander haben und dass die Kinder Ge­borgenheit, Fürsorge und eine vorbehaltlose Liebe spüren, ist dagegen von sehr großer Bedeutung.

In den Jugendjahren ist es wichtig, dass wir Eltern uns als Erzieher etwas zurückhalten und lieber Wegleiter und gute Gesprächspartner für unsere Kin­der sind. Sie sollen auf natürliche Weise selbstständiger werden, und oftmals ist es auch leichter für sie, Rat und Wegleitung bei anderen zu suchen, zu denen sie Vertrauen haben. Darüber sollten wir uns als Eltern freuen.

Es ist gut die besonderen Tage zu beachten, etwas Besonderes daraus zu machen, wenn die Kinder Erfolg hatten und sie in ihren Niederlagen zu stüt­zen, ohne ihnen zu nahe zu treten. Wenn man mitfolgt, kann man bei Bedarf eingreifen wie der Adler, der seine Jungen aus dem Nest schmeißt, aber gleich­zeitig bereit ist, sie zu ergreifen, wenn es nicht gut geht.

Kinder sollten auch elementare Dinge wie zum Beispiel Fleiß lernen. Es ist gut, wenn sie lernen, ihre Zeit richtig einzuteilen und gute Haushalter zu sein. Alle Kinder sollten ermuntert werden, im Rahmen ihrer Fähigkeiten, die Gott ihnen geschenkt hat, ihr Bestes zu geben - in der Schule wie bei der praktischen Arbeit. Es ist gut für Kinder, eine gewisse Struktur zu haben. Die Mühe, die es macht, sein Leben und seine Zeit zu organisieren, ist weitaus geringer als die Mühe, ein chaotisches Leben zu führen, wo man ständig allem hinterher hinkt.

-Auch die Finanzen sind eine schwierige Sache. Manche gehen damit um, als sei das etwas ganz einfaches – deshalb geht es auch oft schief. Wenn man sich selbst nicht gut damit auskennt, sollte man Rat suchen, bevor man wichtige Entscheidungen treffen muss.

Das Verhältnis zwischen Mann und Frau ist eine irdische Sache. Auch hier spielen die Finanzen eine wichtige Rolle. Es gibt ein Sprichwort, das besagt, dass man nicht über seine Verhältnisse leben sollte. Das bedeutet unter ande­rem, dass der Verbrauch im Verhältnis zu den Einkünften stehen muss. Darum sollte man seinen Lebenswandel danach richten, wie Gott das Irdische für einen persönlich zurecht gelegt hat, ohne sich mit anderen zu vergleichen, die anderes gestellt und besser bemittelt sind als man selber.

Wenn ständig die Geldeintreiber an der Tür stehen, ist es schwierig, ein gutes Liebesleben zu führen. Geborgenheit im tiefsten Sinn entsteht, wenn Frau und Kinder wissen, dass der Vater in Verbindung mit dem Himmel steht und die Rede des Geistes in seinem Inneren hört. Das schafft Frieden und Ruhe.

Manche Kinder sind sehr offen und spontan und bekommen leicht Kontakt zu anderen. Andere sind eher schüchtern und zurückhaltend. Mit manchen ist es leicht umzugehen, während andere schwieriger und widerborstig sind. Dies kann auch auf Krankheit oder Störungen zurückzuführen sein. Alle Kinder müssen spüren, dass Mutter und Vater Anteil an ihnen nehmen und sie lieb haben, wie sie sind - ohne dass sie das Gefühl haben müssen, dass die Eltern ihre eigene Ehre suchen oder sich ihrer schämen. Dies schließt selbstverständ­lich auch ein, dass man fachlichen Rat bei Ärzten oder anderen Fachleuten sucht, wenn man den Verdacht eines abnormalen oder abweichenden Verhal­tens hat. Die Eltern brauchen Güte für alle Kinder, und es ist gut, für sie zu beten und auf sie zu warten, wenn sie eine Phase haben, in der sie selbst vielleicht etwas abweisend sind. Die Eltern sollten bestrebt sein, zu allen Kin­dern ein gutes Verhältnis zu haben – unabhängig davon, wie sich die Kinder entscheiden. Man muss auch denen der Nächste sein, die nicht denselben Le­benslauf wie die Eltern wählen. „Der Unglückliche sollte bei seinem Nächs­ten Liebe finden, auf dass er die Furcht vor dem Allmächtigen nicht aufgeben möge.” Hiob 6, 14 (norw. Übers.).

Kinder leiden sehr darunter, wenn die Eltern nicht miteinander reden oder kein gutes Verhältnis zueinander haben. Das wirkt sehr bedrückend auf die Nächsten. Manchmal ist der eine sehr verschlossen und der andere offen. Das Natürliche ist, das Verhältnis innerhalb der eigenen vier Wände zu regulieren; in manchen Fällen kann es allerdings auch gut und richtig sein, Rat bei ande­ren zu suchen. Suche Rat für dich selbst, ohne unnötig abwertend über andere zu sprechen. Überlege auch genau, bei wem du Rat suchst.

Wir leben in einer sehr aufgeklärten Zeit. Früher gab es viel Liebe, aber wenig Erkenntnis. Ob nicht die zu empfehlende Vorgehensweise und der Be­darf in unserer Zeit eher umgekehrt sind? „Und ich bete darum, dass all eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, so dass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi.” Phil. 1, 9-10. Die Erkenntnis ist oft groß, doch ob man nicht mehr darum beten könnte, dass diese Erkenntnis viel reicher an Liebe werden möge?!

Es wohnt viel Gefühlskälte im eigenen Fleisch – selbst da, wo man glaubte, dass es unmöglich so sein könnte. Die meisten nehmen wohl nicht an, dass es in Afrika Berge mit Schnee gibt, und doch ist es so. So kann es auch viel verborgene Gefühlskälte in uns geben. Wir haben es alle nötig, in einer leben­digen Verbindung mit dem Geist der Wahrheit zu stehen, um die Wahrheit zu erkennen. Dann kann er zu einem reden und das aufzeigen, was man vorher, obwohl man das „richtige Verständnis” hat, nicht sah. Es kommt wohl in kei­nem anderen Verhältnis das Erstlingsseufzen „ich elender Mensch” so oft hervor wie gerade in der Familie.

In deinem Heim hast du eine Gemeinde in deinem Hause. Röm. 16, 5. Hier hast du einen Platz, an dem du dich üben und so arbeiten kannst, dass die Kinder wirklich spüren können, dass das Reich der Kindheit ein Himmelreich ist. Dann wird Gott, der in das Verborgene sieht, es dir im Offenbaren vergel­ten. Solche treuen Menschen werden an Gunst und Weisheit bei Gott und den Menschen wachsen, und sie werden nach einer gewissen Zeit auch sehr nütz­liche Gemeindediener werden. In einer solchen Armut wird man nicht so leicht auf den Gedanken kommen, dass man selbst geeigneter ist, die Gemeinde zu leiten als der, der dieses Amt innehat. Derartige Gedanken führen dazu, dass man leicht außerhalb seines Maßes an Glauben - außerhalb seines gesalbten Gebietes - gerät. Denen, die solchermaßen denken, entgleitet die Zeit, in der sie sich eigentlich ihrer Kinder annehmen sollten.

Es ist gut für uns alle, über die Worte nachzudenken, die N.P. Wetterlund in seinem Artikel „Dein Kind” schreibt, der in der Januarnummer von „Skjulte Skatter” 1931 abgedruckt wurde. Dort heißt es unter anderem:

„Du Vater und du Mutter! Der Kern in aller Erziehung ist, das Kind hoch zu schätzen, so hoch, wie der Herr es gestellt hat: als Besitzer des Himmel­reichs und unser Vorbild. Matth. 18, 1-6. Bis heute hat noch niemand sein Kind zu groß gesehen. Und alle die Kinder, die auf unserer Erde zu Grunde gerichtet wurden, sind darum zu Grunde gerichtet worden, weil man sie zu klein gesehen hat.

Wenn du das Kleine in deinen Armen hältst, dann wisse, dass du den Him­mel und damit deinen Gott umarmst; in einem Bild, das niemals zuvor hervor­kam und das in nichts stärker hervorkommt als in diesem deinem Kind.

Im Kind gab dein Gott sich dir, damit du dich ihm geben kannst. So wie du dein Kind behandelst, so behandelst du deinen Gott, und so wird Gott dich behandeln. Matth. 18, 5-6. Nur zwei Dinge kannst du für dein Kind tun: es auf seiner himmlischen Höhe bewahren oder es davon herunterziehen.

Hilf deinem Kind im Kampf des Lebens! Denn was hier in den günstigen Stunden versäumt wird, kann durch jahrelange Leiden selten wieder gutge­macht werden. Die „entscheidenden Momente” im Kinderzimmer sind Knos­pen, die lange Zeiten der Freude oder der Qual in sich tragen. Daher kommt das Gleichnis des Herrn vom Mühlstein. Vater, Mutter! Dein Wort ist heilig, deine Macht ist groß; dein Segen oder Fluch haben unüberschaubaren Ein­fluss.”