Selbstständig denken
Ein Zuhause, in dem gegenseitige Liebe zwischen den Eltern herrscht, wo wohlwollende, gute Ermahnungen sind und wo die Kinder gelernt haben, selbstständig zu denken, ist eine gute Grundlage für das weitere Leben. Es ist gut, wenn Kinder darin unterwiesen werden, Ermahnungen abzuwägen und selbst zu prüfen, was schaden und zerstören kann und was ihnen im Leben zu Nutze ist. Kinder, die so aufwachsen, spüren wohl, dass sie privilegiert sind, weil sie die Lebenskraft erleben, die durch das Wort hervor kommt. Sie sind begeistert für Gottes Wort, selbst wenn sie sich in ihrem eigenen Leben für etwas anderes entscheiden sollten. Viele, die das Christentum in den falschen Hals bekamen, haben wohl eher religiöses Formwesen erlebt, als dass sie aus der Quelle schmecken und trinken durften, von der Jesus redet: „Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.” Joh. 4, 14. Wer kann wohl in der Tiefe seines Herzens etwas gegen Ströme lebendigen Wassers haben, wo Christi Leben aus sterblichen Leibern hervorströmt!
Die Eltern sind verschieden, und selbstverständlich sind auch die Kinder verschieden. Darum können wir Kinder nicht nach Schablonen erziehen. So wie es keine zwei Blätter auf einem Baum gibt, die ganz gleich sind, gibt es auch keine zwei Kinder, die ganz gleich sind. Daher empfinden diejenigen, die ihre Kinder lieben, Armut im Geist. Im Allgemeinen nützliche Erkenntnisse über ein Kindergemüt können eine gute Sache sein, es ist aber gleichzeitig genauso wichtig zu verstehen, dass das, was für das eine Kind gut war, nicht notwendigerweise bei dem anderen Kind zum Erfolg führen muss. Hier müssen wir aufmerksam sein und auf die Wirkungen des Heiligen Geistes in unserem Herzen hören, denn allein Gott kennt ja das Verborgene der Menschen. „An dem Tag, an dem Gott das Verborgene der Menschen nach meinem Evangelium durch Christus Jesus richten wird.” Röm. 2, 16. Es ist völlig unmöglich, nur durch den Buchstaben zu begreifen, was im Inneren eines Kindergemüts vor sich geht. Wir brauchen den Heiligen Geist als Wegleiter, um die wahren Bedürfnisse der Kinder zu verstehen. Als Lehrer des Gesetzes war Paulus mit der Anwendung des gesamten Gesetzwesens sehr gut vertraut, aber er lebte in der Erkenntnis, dass er die Wegleitung und Hilfe des Geistes brauchte. „Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott, der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.” 2. Kor. 3, 5-6.
Durch die Liebe zu Gott findet man Zugang zum Kind, so dass es sich unterstützt und verstanden fühlt. Mit Hilfe des Gesetzes kann man zwar die richtige Strafe für die verschiedenen Versehen finden, aber man weiß trotzdem nicht, warum das Kind etwas gesagt oder getan hat. Hier muss uns der Geist unterweisen, und wir brauchen ein aufmerksames Ohr.
