Grillen
Grillen war früher in Norwegen nicht so üblich. Manche kamen auf den Gedanken, dass Grillen zur Fresserei führen könnte und darum Gott nicht wohlgefällig wäre.
Einmal war ich auf einer Reise gewesen, und es blieb uns kaum noch Zeit, rechtzeitig zum Gemeindeausflug zu kommen, der auf der Skullerud-Ebene stattfinden sollte. Ich war damals schon verheiratet und hatte Kinder. Daher sagte ich zu Eva (meiner Frau):
„Mach dir keine Gedanken wegen des Essens, wir schaffen das jetzt nicht mehr. Ich gehe unterwegs kurz in ein Geschäft und kaufe dort etwas.”
Auf dem Weg zum Ausflugsort ging ich in einen Laden und kaufte einen Einmalgrill und ein paar Würste für die Familie. Als wir dort ankamen, wo die Geschwister versammelt waren, zündete ich den Grill an und begann, die Würste für die Kinder, Eva und mich selbst zu grillen. Es dauerte nicht lange, bis einer der „Spitzel” kam und zu mir sagte:
„Kåre Smith, weißt du nicht, dass unser Ältester – Olaf Bekkevold – es nicht mag, dass wir Würste grillen?”
„Doch, aber wir haben ja in all den Jahren auf Jugend- und Sonntagsschulausflügen Würste gegessen”, entgegnete ich.
„Ja, aber das waren gekochte Würstchen”, erwiderte er.
„Meinst du, dass der Teufel in die Wurst hineinfährt, wenn du sie grillst?” fragte ich.
„Kåre Smith, du sollst nicht spotten!” sagte er zu mir und ging seines Weges.
Aksel J. Smith ermahnte mich in dieser Zeit, mich zu befleißigen, die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu bewahren. Eph. 4, 3. Ich nahm diese Ermahnung zu Herzen und ließ das Grillen einige Jahre lang sein, um die anderen nicht unnötig zu provozieren. In Versammlungen und Zusammenkünften achtete ich auch sehr darauf, dass ich das wieder aufgriff, was sie gesagt hatten - eben um mich zu befleißigen, die Einheit des Geistes zu bewahren und das Band der Gemeinschaft nicht zu zerbrechen.
Dieses Ereignis sagt dennoch etwas darüber aus, wie gesetzlich und gebunden man in seinen eigenen Gedanken sein kann. Ich glaube, Gott im Himmel muss in diesen Zeiten oft den Kopf geschüttelt haben, wenn er sah, wie weit solche Personen von den Wegen der Liebe entfernt waren.
Warum erzähle ich von diesen Erlebnissen? Ja, ich will einen jeden eindringlich ermahnen, sich an das zu halten, was von Anfang an war. Es ist sehr leicht, aus der Spur zu geraten und auf die eine oder andere Weise anzufangen, das Seine zu suchen. Niemand darf andere Menschen mit kalten Händen anfassen! Selbst die Geringsten müssen mit Respekt, Wärme und Güte behandelt werden. Tue ich das nicht, lästere ich Gott. „Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer; aber wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott.” Spr. 14, 31.
Jesus kam, um den Armen das Evangelium zu verkündigen. „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.” Luk. 4, 18-19. Wir sehen, wie die Apostel besonders dies im Gedächtnis behielten und sich in all ihrem Handeln befleißigten, genau das zu tun. „… nur dass wir an die Armen dächten, was ich mich auch eifrig bemüht habe zu tun.” Gal. 2, 10. Dies ist Gott wohlgefällig. Gott führt in erster Linie ihm wohlgefällige Seelen in den Ofen der Demut, um dort ein Werk in ihnen zu tun. Sie sollen dem Sohn gleich gestaltet werden, so dass sie dabei sein können, Tränen abzutrocknen und alle Leiden wegzunehmen, in die die Menschen aufgrund der Sünde hineingekommen sind.
„Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; siehe, da ist Gott, der Herr! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.” Jes. 40, 9-10.
„Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja. Amen.” Offb. 1, 7. Dann kommt eine neue Zeit – ein neues und ewiges Friedensreich. Jesus und seine Brüder werden in vollkommener Weisheit dienen und das Licht, das jetzt aus dem Evangelium strahlt, wird sich wie Sonnenlicht über die ganze Erde ausbreiten. Dann kommt wahrhaftig ein neuer Tag für alles, was lebt.
Als Hirten müssen wir wahrhaftig sein in der Liebe und nicht in Selbstgerechtigkeit und eigener Stärke rücksichtslos vorpreschen. Die Menschen müssen in Verbindung mit dem Licht und der Wahrheit, wozu wir sie führen wollen, Fürsorge spüren. Die wahren Hirten wirken durch ihren Dienst sammelnd. Zu Christus zu sammeln – das ist der Dienst, den wir von Anfang empfangen haben, und diesen fand man in seinem Kern alle Jahre hindurch ununterbrochen unter uns. Die Gleichgestaltung mit dem Bild des Sohnes stand immer zentral in unserer Verkündigung. Durch diese Gleichgestaltung kommen eben dieses Leben und diese Güte so reichlich hervor.
