Hirte und Prophet

- Ein Erlebnis aus der Zeit in Stockholm

Hirte und Prophet

Ein Erlebnis aus der Zeit in Stockholm

In Stockholm hatte ich einen Arbeitsplatz, an dem über 200 meiner Mitarbei­ter aus dem Grund streikten, weil ich nicht gewerkschaftlich organisiert war. Die Gewerkschaft hatte an diesem Arbeitsplatz eine gewaltige Macht. Ich woll­te mich ihr nicht anschließen, weil sie stark kommunistisch und politisch enga­giert war. Die Mitglieder der Gewerkschaft tobten. Als ich eines Tages zur Arbeit kam, spuckte einer meiner Arbeitskameraden auf mich, und mehrere hiel­ten mir ihre Fäuste unter die Nase.

„Ich würde dir am liebsten eine verpassen”, drohte einer.

„Mach’s nur”, sagte ich.

„Ja, und was dann?” fragte er.

„Das wirst du schon merken, falls du dich danach noch daran erinnern kannst!” antwortete ich.

Ich fühlte mich voll vom Geist der Herrlichkeit und Kraft. Danach ging ich hinauf zum Büro des Chefs, schlug mit der Faust auf den Tisch und sagte zu ihm: „Hier werde ich von einer Masse Menschen drangsaliert, die mich hassen, und Sie unternehmen nichts! Ich werde schikaniert, weil ich meine demokrati­schen Rechte verteidige. Ebenso wie Sie und die anderen habe auch ich das Recht, eigene Meinungen zu haben und anders zu denken. Wie wagen Sie und Ihre Mitarbeiter, sich so aufzuführen? Das wird Sie teuer zu stehen kommen!” Da begannen seine Knie zu zittern.

Am nächsten Tag gab ich dem Chef einen guten Rat, wie er den negativen Einfluss der Gewerkschaft stoppen sollte. Als ich mich am Freitagnachmittag verabschiedete, glaubten wahrscheinlich die meisten, dass sie mich für immer los wären. Aber selbstverständlich war ich am Montagmorgen wieder da: „Hal­lo, Jungs, es ist sieben Uhr – sollen wir nicht anfangen zu arbeiten?” Der Gewerkschaftsvorsitzende kam und ich setzte mich mit ihm auseinander, bis er nur noch „Piep” sagte.

Geistliche Kriegsführung gibt Freude und Frieden ins Herz. Wir müssen in Gottes Willen und treu gegenüber der Stimme des Geistes sein. Dann werden wir frei und glücklich. Paulus wollte bei dem Kaiser von Rom Berufung einlegen – er wollte es nicht allen möglichen Leuten recht machen. Die meisten reagieren auf fleischliche Weise, wenn sie kämpfen sollen. Doch Kriegsführung müssen wir lernen, damit wir Vollblutkrieger des Herrn werden. Es muss uns ins Blut überge­hen und unser Leben werden. Sei das, was du bist – sei jemand „mit vollem Gefieder”, wie man auf schwedisch sagt. Tue es, weil du für „dein Land und dein Volk” begeistert bist – für das, wofür du kämpfst. Nutze solche Gelegenheiten nicht als Sprungbrett für etwas, was dir später selbst zugute kommen kann. Tritt für das ein, was du glaubst, ob es zu Tod oder Leben führt! Wir müssen dem Herrn mit Haut und Haar übergeben sein. Eben solche Verschnittenen sind die treibenden Kräfte in der Gemeinde. Matth. 19, 12. Sie haben sich mit Wissen und Wollen von den Möglichkeiten in dieser Welt abgeschnitten. Die Brücken zu die­ser Welt sind in Flammen aufgegangen und sie sind des Himmelreichs würdig.

Alle Hirten unter uns sind wohltätige und freigiebige Menschen gewesen, im Gegensatz zu denen aus der „Feldwebelschicht”, die knauserig und egoistisch waren. Diese dachten und handelten nach dem, was ihnen selbst Vorteile brin­gen konnte. Die Hirten traten für andere ein und sprangen für sie in die Bresche, auch wenn es scheinbar so aussah, dass ihnen das Nachteile bringen könnte. So haben sie gearbeitet, um zu beschützen und zu retten.

Von anderen Menschen kann man zwar sagen, dass sie gute Brüder und Schwestern sind, aber doch sind sie nie für jemanden oder etwas aufgestanden und haben gekämpft. Erst wenn sie sehen, wie die Sache ausgehen wird, tun sie etwas. Solche sind ja keine wahren Hirten.