Hirte und Prophet

- Zur See

Hirte und Prophet

Zur See

Als ich 16 oder 17 Jahre alt war, bat ich meine Eltern, zur See fahren zu dürfen. Damals zweifelte ich stark an der Gemeinde und hatte das Bedürfnis, etwas Abstand und Einsamkeit zu finden und über das Leben nachzudenken. Sie gaben ihren Segen dazu, so dass ich als 17-Jähriger für ein Jahr zur See fuhr. Eine Frage, die ständig vor mir auftauchte, war: „Ist die Gemeinde das Richtige für mich?” Die Zeit an Bord nutzte ich, um viel in der Bibel und in Johan O. Smiths Briefen zu lesen und über das Leben nachzudenken. Ich betete auch viel zu Gott. Während der tropischen Nächte, wenn ich frei hatte und den Sternen­himmel ansah, empfand ich das Ziehen des Vaters so stark, dass ich manchmal nur dastand und weinte. Ich kam in Not über meine eigene Sünde und spürte, dass der Vater sehr nahe war.

Auf einer der Reisen – im Oktober 1962 - sollten wir in die USA fahren und steuerten auf den Kontinent zu. Als wir uns Kuba näherten, begannen amerikanische Kriegsflugzeuge uns zu umkreisen. Wir wurden aufgefordert, die Flagge zu hissen und uns zu identifizieren. Es zeigte sich, dass sowjetische Marinefahrzeuge nur einige wenige Seemeilen hinter uns lagen. Sie waren mit Raketen ausgerüstet, die auf Kuba installiert werden sollten. Der kalte Krieg hatte einen Höhepunkt erreicht, und die Welt war am Rande eines dritten Welt­krieges. In allen Nachrichten wurde von der gespannten Weltsituation berichtet, die als Kubakrise in die Geschichte einging. Der Kapitän an Bord wurde von der Botschaft aufgefordert, den am nächsten gelegenen amerikanischen Hafen anzulaufen. Es war eine sehr gedrückte und gespannte Stimmung an Bord. Ich betete zu Gott in meiner Not, aber ich dachte, dass es für mich zu spät wäre, eine Braut Jesu zu werden. Es war dennoch gut, die Gewissheit zu haben, von der Verdammnis errettet zu sein. Im Nachhinein betrachtet ist es ein Wunder, dass Gott so gnädig war und mir noch viele Jahre in seinem Dienst gegeben hat.

Ich war ja unter dem Gesetz bewahrt geblieben und hatte nicht viele Sünden auf meinem Gewissen, doch zu dieser Zeit wurde der Sohn für mich offenbart. Der Chef der Reederei war von mir begeistert und bot mir eine gute Maschinisten­ausbildung bei vollem Lohn an. Obwohl ich eigentlich große Lust zum See­leben hatte, konnte ich nicht anders, als sein Angebot dankend abzulehnen und heim zu fahren. Ich spürte ein so starkes Ziehen zum Himmlischen, dass ich mich danach sehnte, mein Herz ganz Jesus zu geben. An der Sommerkonferenz, als ich 18 Jahre alt war, bat ich um Fürbitte, und Bruder Sigurd Bratlie betete mit mir während einer Erweckungsversammlung. Es war unwahrscheinlich gut, die Sache mit Gott in Ordnung zu bekommen und das vor den Menschen zu bekennen! Ungefähr 14 Tage nach meiner Bekehrung bekam ich einen Brief von Bruder Sigurd Bratlie, in dem er mich sehr ermahnte, die Zucht vom Vater der Geister anzunehmen. „Es gibt nichts, was so vorteilhaft auf unseren Geist einwirkt wie die Zucht.”, schrieb er. Später im Leben habe ich wirklich Bedarf für diese Ermahnungen gehabt, die sicher schon damals in einem prophetischen Geist geschrieben wurden.