Hirte und Prophet

Kåre J. Smith

- Lass dich nicht anklagen!

Hirte und Prophet

Lass dich nicht anklagen!

„… denn der Verkläger unserer Brüder ist verworfen, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserem Gott. Darum freut euch, ihr Himmel und die darin wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat.” Offb. 12, 10 und 12.

Hier sehen wir, dass der Teufel Zugang zum Himmel hatte und die Freiheit, die Menschen Tag und Nacht bei Gott anzuklagen. Gott hatte ja das Gesetz, das Mose gegeben worden war, mit seiner eigenen Hand geschrieben. Dadurch wurden Satan sehr gute Karten in die Hand gespielt: Gott musste ihm Recht geben. „Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue! Das Gesetz aber ist nicht „aus Glau­ben”, sondern: „Der Mensch, der es tut, wird dadurch leben.” Gal. 3, 10 und 12. Es gab keinen, der es geschafft hat, nach dem Gesetz zu leben und somit war, bevor Jesus kam, alles Fleisch dem Tod verfallen. „Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt”, damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheiße­nen Geist empfingen durch den Glauben.” V. 13-14.

„Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sün­den. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen (norw. Übers.: mit Geboten) gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus (norw. Übers.: am Kreuz).” Kol. 2, 13-15.

Als Christus für uns starb, hätte er uns anklagen können, weil wir einen, der unschuldig war, umbrachten – wir töteten den heiligen Sohn Gottes. Anstatt uns anzuklagen, nahm er den Schuldbrief, der mit Geboten versehen war, und nagelte ihn an das Kreuz, so dass, als er am Kreuz von Golgatha starb, auch alle Anklagen gegen jeden Menschen, der bei ihm seine Zuflucht nimmt, mit ihm zusammen starben. Auf diese Weise entwaffnete er die Mächte und Ge­walten, ja er entwaffnete auch den Ankläger, als er am Kreuz als Siegesherr über ihn triumphierte! Mitten in dieser großen Schwachheit, in der er die Lei­den des Kreuzes spürte, besiegte er diese gewaltigen Mächte, die die ganze Welt beherrschten, bis Jesus kam. Als Jesus am dritten Tag von den Toten auferstand, bekamen wir einen Verteidiger im Himmel, Jesus Christus, unse­ren Herrn. Wir, die wir vorher so verkommen und verirrt waren, haben nun eine unendliche Gnade und Güte über unser Leben bekommen. Höre nur, was Paulus an Titus schreibt: „Denn wir waren früher unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gelüsten dienstbar und lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten uns untereinander. Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Hei­landes, machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist.” Titus 3, 3-5.

Michael und seine Engel kämpften und warfen Satan und seine Engel vom Himmel hinaus, so dass ihre Stätte dort nicht mehr gefunden wurde. Offb. 12, 7-8. Jetzt hat Jesus Satans Platz eingenommen, er ist nun unser Verteidiger und Fürsprecher beim Vater. „Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.” 1. Joh. 2, 1. Deshalb können wir uns freuen und fröhlich sein, wenn wir mit ihm zusammen im Himmel eingesetzt sind. „Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Chris­tus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus.” Eph. 2, 4-7.

So lange unser Sinn dem Himmel zugewandt ist, hat der Geist der Anklage keine Macht über uns. Deshalb steht vom Gott des Friedens geschrieben, der den Satan „in Kürze unter unsere Füße treten wird.” Röm. 16, 20. Von dem Augenblick an, in dem wir von neuem geboren werden und dadurch eine neue Gesinnung und ein reines Herz bekommen, verliert der Geist der Anklage seine Macht. Satan ist ja der Ankläger. Wer überwindet, den will Gott zum Pfeiler in seinem Tempel machen. Offb. 3, 12. Was sollen wir überwinden? Die Sünde! Ja, aber zuallererst müssen wir den Ankläger überwinden, so dass er keine Macht mehr über uns hat! Dann ist man wirklich frei und zusammen mit Jesus Christus im Himmel eingesetzt!

Auch in der Gemeinde haben wir oft gesehen, wie Satan sich zum Engel des Lichts verstellen kann. Er kleidet sich gerne in den Mantel der Liebe und Gerechtigkeit. Dann sagt er: „Ja, aber es muss ganz gerecht sein! Gerecht bis ins kleinste Detail!” Auf diese Weise versucht er, viele Menschen im Zweifel festzuhalten; denn er will, dass sie nicht zum Glauben daran kommen, dass sie durch den Sieg Jesu von all dieser Anklage freigemacht sind. Hört man auf den Ankläger, so wird man sehr bedrückt. Nur Menschen, die reines Herzens sind, können in Geist und Wahrheit erklären, was gerecht ist.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Geist der Anklage am Werk ist, ist die Entstehung von Unruhe und Unsicherheit. Die Schrift ermahnt dazu, alles zu prüfen und das Gute zu behalten. 1. Thess. 5, 21. Menschen, die dem An­kläger Raum geben, zweifeln an allem und halten an nichts fest. Ich kenne nichts, was einen Menschen stärker aushöhlt und an Inhalt verlieren lässt, als eben der Geist der Anklage. Deshalb müssen wir uns wie vor dem Feuer der Hölle davor hüten, etwas von diesem Geist in unserem Herzen Eingang fin­den zu lassen. Nur irdisch gesinnte Personen kann der Ankläger plagen. Wenn wir mit Jesus in den Himmel versetzt sind, dann sind wir in Wahrheit frei von diesem schrecklichen Geist. Der Geist der Anklage ist ungeheuer frech. Selbst über das heiligste Leben kann er mit Verachtung und Geringschätzung reden. Sogar der Meister entging dem nicht: Judas nannte Jesus einen Verschwen­der, der das, was den Armen zugedacht war, vergeudete. Wie kann man nur so viel für sich selbst verwenden! Judas fand es gerecht, den Meister für dreißig Silberlinge zu verraten! Der Geist der Anklage war in sein Herz hineinge­kommen. Nachher ging er fort, und es war Nacht. Der Fürst der Finsternis kann nur in der Finsternis wirksam sein. In Gottes herrlichem Sonnenlicht hat er keine Macht. Sind wir mit ihm auferweckt und im Himmel mit eingesetzt, so sind wir für ewig frei von dem Geist, der die Menschenkinder seit Jahrtau­senden geplagt hat!

Jakobus nennt die Wirksamkeit des Anklägers „Weisheit von unten”. Sie ist menschlich, teuflisch und dämonisch. Im Licht können wir uns gegenseitig ermahnen und zurechtweisen, und wenn man sich über etwas im Unklaren ist, können wir uns Jesu Richtschnur aus Matth. 18, 15 zu Herzen nehmen: „Sün­digt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.”

Jesu Gleichnis vom Schalksknecht sollten wir uns auch sehr zu Herzen neh­men. Der Mann, dem seine unbezahlbare Schuld erlassen worden war, begeg­nete seinem Mitknecht in diesem schrecklichen Geist der Anklage: „Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist!” Matth. 18, 28. Wir sehen deutlich, was Jesus von dieser Sache hielt: „Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht (norw. Übers.: von Herzen) vergebt, ein jeder seinem Bruder.” V. 24-35.

Paulus ermahnte Timotheus, nach der Liebe, dem Glauben und anderen Tugenden Christi zu jagen. Weder tadelte er ihn noch klagte er ihn dafür an, dass zu wenig von der einen oder anderen Tugend bei ihm vorhanden sei. Er war zufrieden mit ihm, so wie er war und bat ihn, in der guten Entwicklung, in der er stand, fortzufahren. Paulus war ein Meister darin, nie zu tadeln oder Vorwürfe zu machen. Er hatte eine enorme Hoffnung für die Menschen, selbst dann, wenn er sah, dass ihnen dieses oder jenes fehlte. Er glaubte an ihre gute Gesinnung und hatte Glauben dafür, dass er sie zusammen mit sich selbst vor Gottes Angesicht in Herrlichkeit darstellen konnte, wenn er nur die Möglich­keit hatte, weiter mit ihnen zu arbeiten. Der Geist der Anklage dagegen wird immer Zweifel an den guten Absichten anderer Menschen hegen. „Ja, ja, das stimmt wohl, aber...” Dort, wo der Geist der Anklage wirken kann, werden immer Unruhe und Misstrauen herrschen.

Eine Hauptursache dafür, dass wir es heute in der Gemeinde so gut haben, ist, dass der Geist der Anklage unter unseren Füßen zertreten ist. Dadurch haben wir Heilsfreude, wir sind glücklich und haben eine innige Gemein­schaft miteinander. Sobald man den Geist der Anklage wittert, muss man ihm immer hart widerstehen. Auf diese Weise wird die Gemeinde mit Jesus aufer­weckt und mit im Himmel eingesetzt bleiben, hoch erhoben über die Mächte der Finsternis.

Paulus fragt: „Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben?” Röm. 8, 33 (Schlachter Übers.). Ja, wer wagt wohl so etwas, wenn Jesus für sie gestorben, mit ihnen auferweckt ist und lebt, um für sie einzutreten! Wie sehr liegt es dann fern, sich zu erdreisten, einen solchen Bruder anzuklagen! Sollte dich jemand anklagen, so kannst du fragen: „Welche Sünde habe ich getan, für die Jesus nicht gestorben ist?” Ist es so, dass du dich leicht selbst anklagst, so stelle dir die gleiche Frage. Dadurch wird der Ankläger auch aus dem Himmel deines Herzens hinausgeworfen. In diesem Kampf hast du Michael, seine Engel und den ganzen Himmel auf deiner Seite, um ihn aus deinem Herzen hinauszuwerfen.

Satan kommt nicht nur, um andere zu verurteilen, er kommt auch, um unser Gewissen zu verurteilen und es uns damit sehr schwierig und schwer zu ma­chen. Für die, die in Christus Jesus sind, gibt es ja keine Verdammnis. Röm. 8, 1. Hier machen wir die Erfahrung, dass das Gesetz des lebendigmachenden Geistes uns in Christus Jesus vom Gesetz der Sünde und des Todes frei macht. Hier wird auch unser Gewissen von toten Werken gereinigt, damit wir dem lebendigen Gott dienen können. Hebr. 9, 14.

Wenn wir geistlich gesinnt sind, haben wir Sieg, und die Forderung des Gesetzes kann in uns erfüllt werden. Deshalb sind wir nicht dem Fleisch schul­dig. Wir werden von der Sünde im Fleisch erlöst und können als eine Waffe der Gerechtigkeit für Gott gebraucht werden. Wir haben Kraft, um Satan dort, wo er am Werk ist, den Kopf zu zertreten – dann muss er fliehen und be­kommt dort, wo wir sind, keine Macht.

Die Menschen haben oft nicht allzu viel Inhalt und darum auch nicht allzu viel positiven Gesprächsstoff. Deshalb geschieht es leicht, dass sie in einen negativen Gedankengang hineinkommen. Hier haben wir die herrliche Auf­gabe, „Weichensteller” zu sein! Wir sollen niemandem Vorwürfe machen und niemanden anklagen, sondern den Menschen helfen, indem wir ihre Gedan­ken auf die Bahn der ewigen Werte leiten. Unsere Liebe und Fürsorge sollen wie eine ausgestreckte Hand sein, um den Menschen zu einem Leben in Gott zu verhelfen. In unserer Arbeit in der Gemeinde werden sowohl Ermahnun­gen als auch Zurechtweisungen notwendig werden, aber wir sollen nie jeman­dem Vorwürfe machen. Alle Vorwürfe kommen vom Ankläger und schaffen nur Unfrieden und eine schlechte Atmosphäre.

Wenn man vom Geist der Anklage frei wird, ist es, als ob sich ewige Türen auftun und der Herr der Herrlichkeit in Herz und Sinn hineinkommt. Das Leben wird überaus herrlich und gut! Ich erinnere mich daran, wie mein Herz zu brennen anfing, als Sigurd Bratlie uns in einer seiner Bibelstunden darin unterwies. Es wurde mir sehr lebendig und war für mich ein fantastisches Licht. Ich erinnere mich gut daran, wie damals in meinem Herzen der Glaube entfacht wurde, dass ich für ewig von diesem Geist der Anklage frei sein konnte. Das machte mich sehr wirksam im Glauben. Ich weiß noch, dass mehrere junge Brüder und ich die ganze Nacht aufblieben und uns über diese Dinge unterhielten. Es war so lebendig und unsere Herzen waren von solch einer Freude erfüllt, dass wir uns durch diese herrlichen Wahrheiten stark genug fühlten, Panzerstahl zu sprengen. Man kann sich an jedem einzelnen Tag freuen, wenn man von diesem Geist frei wird. Es ist, als wenn die Welt neu erschaffen würde. Man bekommt Glauben an Gottes Liebe in Jesus Chris­tus. Es liegt eine Güte hinter allem, was Gott tut, obwohl wir nicht alles in seinem großen und vielfältigen Haushalt fassen können!