Hirte und Prophet

Kåre J. Smith

- Sich selbst empfehlen

Hirte und Prophet

Sich selbst empfehlen

„Denn wir wagen nicht, uns unter die zu rechnen oder mit denen zu verglei­chen, die sich selbst empfehlen; aber weil sie sich nur an sich selbst messen und mit sich selbst vergleichen, verstehen sie nichts.” 2. Kor. 10, 12.

Als sie in der Kraft des Geistes redeten, war Gnade über ihnen und vielleicht segnete Gott das Ganze mit großen Erweckungen. In solchen Fällen kann man so aufgeblasen sein, dass man sich aufgrund der Gnade, die am Redner­pult über einem war, selbst empfiehlt. Aber zu einer beständigen Gnade kom­me ich ja nur, wenn ich in den Verhältnissen des Lebens die Sünde überwinde.

Vor allem in Erweckungszeiten können manche große Kerle werden. Sie schei­nen zu glauben, dass alles auf Null gestellt wird – sie wollen Chefs und Leiter sein. Man ist aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn. „Was aber das Götzen­opfer angeht, so wissen wir, dass wir alle die Erkenntnis haben. Die Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf. Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll.” 1. Kor. 8, 1-2.

Die Erkenntnis bläht auf, aber die Gemeinde kann man nicht ohne Liebe bau­en. Fast alle Schwierigkeiten in einer Gemeinde entstehen, weil man nicht damit zufrieden ist, wie Gott die Glieder nach seinem Willen zusammengefügt hat. 1. Kor. 12, 7-11. Dann wird man leicht dazu verführt zu glauben, dass es die Gnadengaben sind, die Bedeutung haben. Aber es geht darum, zur Weisheit zu gelangen, denn in der Ewigkeit wird die Weisheit regieren. Die Weisheit liegt verborgen in den Geboten, und durch Glaubensgehorsam komme ich zur Weis­heit. Man kann es als Gnadengabe haben, über die Weisheit zu reden, ohne selbst zur Weisheit gekommen zu sein. Von der Weisheit zu reden, ohne in der Liebe zu sein, kann sehr schief gehen; denn es gibt weise Männer, die anderen zur Hilfe sind, aber sich selbst nicht helfen können. Erst, wenn ich die Erkennt­nis im praktischen Leben anwende, komme ich zu Weisheit.

In 1. Kor. 13, 4-7 wird beschrieben, wie es ist, die Liebe als innewohnende Kraft zu besitzen. Das ist ein Leben, das in den Boden der Liebe gepflanzt ist, so dass weder ein Verhältnis noch Menschen mich aus der Liebe bringen kön­nen. Es muss ein Schrei in unseren Herzen nach Entwicklung in diesem Leben sein – ein Leben, das frei davon ist, Anstoß zu nehmen, das Böses ertra­gen kann, das nicht im Geringsten mit Großtuerei behaftet ist! Nimmt man z. B. Anstoß, kann man kein Diener des Herrn sein. Es ist ja unmöglich, dem zu helfen, an dem man Anstoß genommen hat!

Es ist keine Weisheit, jemand feste Speise zu geben, der sie nicht ertragen kann. Jeder muss Gelegenheit bekommen, heranzuwachsen. Satan kann ja am leichtesten durch die Schwachen hereinkommen, und wenn wir Rücksicht nehmen und die Gemeinde nach den „Klagen” der Schwachen leiten, bekommt leicht Satan Macht. Unsere Berufung ist, dass wir Diener des Geistes sind, so dass wir im jeweiligen Augenblick frei nach seinen Wirkungen tätig werden können. Man braucht Glauben, um zu handeln, wenn gehandelt werden muss, und es braucht Glauben zu warten, wenn dies erforderlich ist.

Man braucht Weisheit, wenn man mit Menschen zu tun hat. Die Schafe müssen merken, dass sie uns am Herzen liegen. Die Schafe, die etwas Gutes geschmeckt haben, kann man sammeln, während die anderen oft scheu und schwierig werden. Die Schafe müssen spüren, dass der Hirte ihre Verhältnisse versteht und ihre Sache kennt und dass er sie auf dem Herzen trägt.