Der Ruf der Weisheit
„Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei ...” Jak. 3, 17. „Zuerst lauter!” So muss es in unseren Ohren klingen, von Anfang an bis an unser Lebensende! Die Weisheit lässt sich nicht mit Eigennutz oder unserer Menschlichkeit vermischen – sie kostet immer unser Eigenleben. Zuerst lauter – das betrifft auch die Reinheit im Verhältnis zu leiblichen Verwandten. Viele glauben, dass es weise sei, einen Friedensbund mit fleischlichen Verwandten zu schließen. Verhält man sich so, ist man gewöhnlich in beträchtlichem Maß davon befleckt, das Seine zu suchen. Man entschuldigt sich damit, dass man friedfertig und nachgiebig sein soll. Aber wie steht es dann mit „zuerst lauter”? Wenn man zum Beispiel im Arbeitsleben irdische Vorteile anstrebt, ist das keine Weisheit von oben, sondern eine irdische, niedrige und teuflische Weisheit.
„Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?” Wenn man hier nachgiebig ist, kommt man ja selbst in die Finsternis hinein. „Wie stimmt Christus überein mit Belial? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen?” 2. Kor. 6, 14-15. Auch auf diesem Gebiet müssen wir zuerst lauter sein. Es ist reine Dummheit, darum zu beten, dass Gott eine solche Verbindung segnet, und dann zu glauben, dass er aufgrund dieser Gebete eine Ausnahme machen wird. Gott wird niemals eine Ausnahme aufgrund unserer eigenen, egoistischen Interessen machen. Darum lautet die Ermahnung in Gottes Wort klar: „‚Darum geht aus von ihnen und sondert euch ab’, spricht der Herr; ‚und rührt nichts Unreines an, so will ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein,’ spricht der allmächtige Herr. Weil wir nun solche Verheißungen haben, meine Lieben, so lasst uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und die Heiligung vollenden in der Furcht Gottes.” 2. Kor. 6, 17 und 7, 1. Wenn man diesen geistlichen Lebensgesetzen nicht gehorcht, erfährt man kein Wachstum in der Weisheit.
„O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn „wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm vergelten müsste?” Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Im sei Ehre in Ewigkeit! Amen.” Röm. 1, 33-36. Es ist verwunderlich, wie verborgen den Menschen diese Wege sind. Jesus ist der Anfänger und Vollender des Glaubens, aber auch er musste im Glauben wandeln, um alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis, ja, die ganze Fülle Gottes zu erlangen. Jesus ordnete sich demütig dem Willen seines Vaters unter. Nur auf diese Weise konnte das Erlösungswerk geschehen.
Jesus war Gottes eingeborener Sohn, aber er verzichtete von sich aus darauf, Gott gleich zu sein. Das, worauf er verzichtete, war, die ganze Herrlichkeit für sich zu haben. Jesus wünschte sich Brüder – Menschenseelen, die er zu Gott führen konnte. Hier sollte man sich ja selbst fragen: Auf welche Rechte und Möglichkeiten in dieser Welt habe ich verzichtet, um Menschen zu Gott führen zu können? Die meisten von uns sind ja dem Fleisch nach elend und unter denen, die nichts sind. Wir hätten absolut nicht viele Möglichkeiten in dieser Welt, aber durch die Gemeinde sind wir reichlich gesegnet worden. Wir haben es gut bekommen, haben gute Ehepartner, Kinder und Freunde bekommen, für die wir dankbar und froh sein sollten. Wir leben, sozial gesehen, ein sehr gutes Leben – verglichen mit den meisten Menschen in dieser Welt. Trotzdem lautet meine Frage an dich: Was hast du eigentlich um Jesu Willen aufgegeben? Es ist sehr gut, oft in 1. Kor. 9 zu lesen. Dadurch wachsen unser Verständnis und unsere Selbsterkenntnis. Wozu hast du ein Recht und worauf bist du bereit zu verzichten, um Menschen zu einem Leben in Gott zu verhelfen? Paulus selbst war frei von allen, aber er sagt trotzdem immer wieder: „bin ich geworden” Warum wiederholt er dieses: „bin ich geworden”? Ja, er tat dies, um auf alle mögliche Weise Menschen zu retten! Er verzichtete auf seine Rechte und persönlichen Interessen. Die allermeisten Menschen bestehen auf ihrem Recht und halten es für weise, das zu tun, aber so verhält sich die Weisheit von unten! Die Weisheit von oben kann gerne Unrecht leiden, und sie tut das mit Freuden. Sie lässt sich gern etwas sagen, um ein besseres Ergebnis zu erreichen.
„Denn den Unverständigen bringt ihre Abkehr den Tod, und die Toren bringt ihre Sorglosigkeit um.” Spr. 1, 32. In seinen eigenen Augen weise zu sein, dazu selbstgefällig und selbstklug, bringt einen um. „Wenn ich aber rufe und ihr euch weigert, wenn ich meine Hand ausstrecke und niemand darauf achtet, wenn ihr fahren lasst all meinen Rat und meine Zurechtweisung nicht wollt; dann will ich auch lachen bei eurem Unglück und euer spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet.” Spr. 1, 24-26.
Die Weisheit ruft denen ihre Warnung zu, die hören und sich warnen lassen wollen. „Kehrt euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun.” Spr. 1, 23. Das Seine zu suchen, auf welche Weise auch immer, eigensinnig und selbstklug zu sein, ist also pure Torheit. Die Weisheit ist beweglicher als alle Beweglichkeit. Die Weisheit lässt sich gerne sagen und stellt keine von menschlichen Hochmutsgedanken über Rang und Namen geprägten Ansprüche, von wem sie etwas annehmen kann.
Die Weisheit ist auch gütig. Jak. 3, 17. Man kann sehen, wie lieblos die Menschen zueinander sein können. Sie können große Lasten auf andere legen, aber selbst rühren sie keinen Finger. Man muss sich von all dem bekehren – gründlich aus tiefstem Herzen bekehren. Dann wird man mit Geist und Kraft erfüllt und das ewige Licht wird im Herzen entzündet. Wir kommen in das Haus der Weisheit und können dort zur Erbauung und zum Segen für andere Menschen dienen. Wir bekommen den Geist der Offenbarung und werden erfüllt mit diesen hohen und herrlichen Gedanken Gottes. Alles in dieser Welt wird so unsagbar klein gegenüber dem, dass wir an der Weisheit, die in alle Ewigkeit bestehen soll, Anteil bekommen.
„O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!” Röm. 11, 33. Dadurch, dass wir uns selbst erniedrigen, lernen wir die Wege der Weisheit verstehen. Jesus lebte durch die Worte, die er in seinem Herzen vom Vater empfing. Indem er ihnen gegenüber treu war, erlebte er, dass dies das Beste war, was er hätte tun können, und er wurde mit dem Öl der Freude gesalbt. Darum sagt er auch in seinem hohepriesterlichen Gebet über seine Jünger: „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.” Joh. 7, 17.
Satan verdarb seine Weisheit aufgrund seiner Pracht. „Weil sich dein Herz erhob, dass du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz, darum habe ich dich zu Boden gestürzt und ein Schauspiel aus dir gemacht vor den Königen.” Hes. 28, 17. Der Prophet Hesekiel vergleicht Juda auch mit einem neugeborenen Mädchen, das Gott fand, und dessen er sich annahm. Er beschreibt Gottes unendliche Barmherzigkeit und Güte an einem Säugling, der nicht die Möglichkeiten des Lebens hatte. „Bei deiner Geburt war es so: Am Tag, als du geboren wurdest, wurde deine Nabelschnur nicht abgeschnitten; auch hat man dich nicht mit Wasser gebadet, damit du sauber würdest, dich nicht mit Salz abgerieben und nicht in Windeln gewickelt. Denn niemand sah mitleidig auf dich und erbarmte sich, dass er etwas von all dem an dir getan hätte, sondern du wurdest aufs Feld geworfen. So verachtet war dein Leben, als du geboren wurdest. Ich aber ging an dir vorüber und sah dich in deinem Blut liegen und sprach zu dir, als du so in deinem Blut dalagst: Du sollst leben! Ja, zu dir sprach ich, als du so in deinem Blut dalagst: Du sollst leben.” Hes. 16, 4-6. Der Prophet beschreibt weiter, wie Gott sich des Mädchens erbarmt, sie fein gekleidet und geschmückt und darauf vorbereitet hat, eine Königin zu sein. Man sollte glauben, dass jemandem, der in solchem Maß Gottes Güte erlebt hat, nie der Gedanke kommen würde, sich zu erheben. Aber leider geschah genau das. „Und dein Ruhm erscholl unter den Völkern deiner Schönheit wegen, die vollkommen war durch den Schmuck, den ich dir angelegt hatte, spricht Gott der Herr. Aber du verließest dich auf deine Schönheit. Und weil du so gerühmt wurdest, triebst du Hurerei und botest dich jedem an, der vorüberging, und warst ihm zu Willen. Du nahmst von deinen Kleidern und machtest dir bunte Opferhöhen daraus und triebst dort deine Hurerei, wie es nie geschehen ist noch geschehen wird.” Hes. 16, 14-16.
Es ist satanisch und unheilvoll, sich aufgrund des Glanzes und der Herrlichkeit, die Gott einem gegeben hat, zu erheben. Jesus Christus, unser Vorläufer, ging genau den entgegengesetzten Weg. Das sehen wir deutlich in allem, was über ihn geschrieben steht, nicht zuletzt in Phil. 2, 5-11: „Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.”
Ohne Gottesfurcht ist es unmöglich, die Weisheit zu bewahren. „Also, meine Lieben, - wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, - schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.” V. 12.
„Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! Und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß.” Offb. 3, 17. Auch wenn man es nicht mit dem Mund ausspricht, sagt man es in seinem Herzen und stellt sich in seinem Geist über die anderen. „Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut - du bist aber reich - und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern sind die Synagoge des Satans.” Offb. 2, 9. Dieser Gemeindeengel war arm in sich selbst, aber Jesus sagte von ihm, dass er reich war. Es ist also Weisheit, in sich selbst arm zu sein. Darum sagt Jesus auch: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.” Matth. 5, 3. Zu solchen kann Jesus reden, er kann ihnen Wegleitung geben und sich ihnen offenbaren. Deshalb werden die Armen im Geist – diejenigen, die ihren Mangel erkennen können – immer Zugang zur himmlischen Vorratskammer haben. Sie sind wahrhaftig weise, und wenn sie treu bleiben, wird die Krone des Lebens für sie bereit liegen.
„Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts.” Spr. 8, 20. „Kehret euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun. Wenn ich aber rufe und ihr euch weigert, wenn ich meine Hand ausstrecke und niemand darauf achtet, wenn ihr fahren lasst all meinen Rat und meine Zurechtweisung nicht wollt: dann will ich auch lachen bei eurem Unglück und euer spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet; wenn über euch kommt wie ein Sturm, was ihr fürchtet, und euer Unglück wie ein Wetter; wenn über euch Angst und Not kommt. Dann werden sie nach mir rufen, aber ich werde nicht antworten; sie werden mich suchen und nicht finden. Weil sie die Erkenntnis hassten und die Furcht des Herrn nicht erwählten, meinen Rat nicht wollten und all meine Zurechtweisung verschmähten, darum sollen sie essen von den Früchten ihres Wandels und satt werden an ihren Ratschlägen. Denn den Unverständigen bringt ihre Abkehr (norw.: Eigensinnigkeit) den Tod, und die Toren bringt ihre Sorglosigkeit um; wer aber mir gehorcht, wird sicher wohnen und ohne Sorge sein und kein Unglück fürchten.” Spr. 1, 23-33.
Für ewig wird feststehen, dass es nicht möglich ist, das Seine oder etwas in dieser Welt zu suchen und gleichzeitig Gottes Weisheit zu bekommen! Das sollte sich ein jeder gehörig zu Herzen nehmen. Wir haben mehrere solcher Beispiele, z.B. Bileam, der ein großer Prophet war. Weil er so begierig nach dem Lohn für seine Weissagung war, ist er zusammen mit Gottes Feinden untergegangen. Er war nicht von seinem Egoismus befreit worden und bekam deshalb keinen Anteil an Gottes Weisheit.
