Der Segen und der Fluch
„Diese sollen auf dem Berg Garizim stehen, um das Volk zu segnen, wenn ihr über den Jordan gegangen seid: Simeon, Levi, Juda, Issaschar, Joseph und Benjamin. Und diese sollen auf dem Berg Ebal stehen, um zu verfluchen: Ruben, Gad, Asser, Sebulon, Dan und Naphtali. Und die Leviten sollen das Wort ergreifen und zu allen Männern Israels mit lauter Stimme sagen: Verflucht sei, wer ein geschnitztes oder gegossenes Bild macht, das dem Herrn ein Gräuel ist, ein Machwerk von Künstlerhand, und es heimlich aufstellt! Und das ganze Volk soll antworten und sagen: Amen!“ usw.
Dies wurde uns in Gottes lebendiger Gemeinde zum Vorbild geschrieben. Da war das Volk über den Jordan gegangen und in das Land hineingekommen. Draußen in der Wüste gab es kein Garizim und kein Ebal. Das gilt nur für Christen, die über den Jordan gegangen (mit Christus gestorben) sind und sich jetzt in dem verheißenen Land befinden, das voller Feinde ist. Wo es in der Gemeinde kein Ebal gibt, da gibt es auch kein Garizim. Sind wir mit Christus gestorben (Ebal), dann glauben wir auch, dass wir mit ihm leben werden (Garizim). Kein Sieg ohne ein kräftiges Ebal. Josua konnte das Volk nicht in die Ruhe führen, weil der Fluch über das, was Gott verflucht hatte, nicht stark genug war. Die Liebe zu Gott und zu seinem Wort war zu schwach, daher waren auch der Hass und der Fluch, die Gott gibt, nicht so stark, wie sie sein sollten. Gottes Liebe und der Hass auf die Sünde machen sowohl die Anführer als auch das Volk hellwach, und das ist das, was notwendig ist, um zu vollkommener Ruhe zu kommen.
David war ein guter König; bei ihm war Ebal kräftig entwickelt, sodass die israelitischen Frauen singen konnten: „Saul hat tausend erschlagen, aber David zehntausend.“ Saul hatte den Befehl bekommen, die Amalekiter zu schlagen. Er sollte nichts verschonen, sondern Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel erschlagen. Doch was tat Saul? Er und das Volk verschonten Agag und die besten Schafe und Rinder und das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war, und sie wollten den Bann daran nicht vollstrecken; was aber nichts taugte und gering war, daran vollstreckten sie den Bann. 1. Sam. 15, 3. – Hätte Saul Gott geliebt, hätte er Sein Gebot gehalten und getan, wie Er sagte. Sauls Ebal entsprach nicht dem Ebal Gottes, deswegen konnte er nie das Garizim Gottes erreichen. Er wurde als König abgesetzt und ein anderer wurde an seiner Stelle eingesetzt.
Wenn wir die Gemeindeengel in Kleinasien betrachten, dann finden wir immer wieder, dass der Fluch von Ebal nicht kräftig genug war. Der Engel der Gemeinde in Ephesus hatte die erste Liebe verlassen. Seine Werke waren vor Gott nicht vollkommen, und das kam daher, dass sein Hass gegen die Sünde nicht stark genug war. Der Fluch von Ebal reichte nicht ganz aus. Doch die Werke der Nikolaiten lagen innerhalb seiner Reichweite, sodass der Hass Gottes und der Hass des Gemeindeengels hierin übereinstimmten, und das war allen Ruhmes wert.
An dieselbe Gemeinde steht geschrieben: „Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist.“ Der Gemeindeengel in Ephesus siegte nicht, weil sein Fluch von Ebal über die Sünde nicht stark genug war. Er musste sich bekehren und die ersten Werke tun, um vom Baum des Lebens essen und den Segen von Garizim genießen zu können.
Der Engel der Gemeinde in Pergamon erlaubte einigen, an der Lehre Bileams und der Lehre der Nikolaiten festzuhalten. Er bekam den Befehl, Buße zu tun, sonst würde Jesus über ihn kommen und mit dem Schwert seines Mundes gegen sie streiten.
Den Streit, den der Engel der Gemeinde in Pergamon nicht zu führen vermochte, weil sein Ebal zu schwach war, wollte der Geist selbst führen, indem er den Engel der Gemeinde dieser Aufgabe enthob und durch andere Werkzeuge den Kampf gegen die Lehre Bileams und der Nikolaiten aufnahm. Für den Engel der Gemeinde wurde das ja eine Schmach, zu sehen, dass er auf diese Weise dieser Aufgabe enthoben wurde.
Der Engel der Gemeinde in Thyatira ließ es zu, dass die Frau Isebel herrschte, und die Frucht ihrer Werke führte zu Sünde in der Gemeinde. Ebal war zu schwach.
Hier haben wir alle etwas sehr Ernstes, worüber wir nachdenken und worüber wir wachen müssen, damit wir nicht das zulassen, was Gott nicht zulässt. Es bedarf des Mutes eines geistlichen Mannes, um die Torheit niederzuringen, die sich in die Gemeinde einschleichen will. Überall, wo Ebal kräftig wirkt, strahlen die Segnungen Garizims kräftig hervor. Ebal führt uns in die Tiefen der Erde, und sind wir dort gewesen, hebt uns der Segen von Garizim hinauf auf den Grund der Auferstehung und setzt uns in das himmlische Jerusalem unter die vielen tausend Engel, und wir kommen zu Gott, dem Richter über alle, und zu dem Mittler des Neuen Bundes und zu den Geistern der vollendeten Gerechten.
