Gottes guter Friede.
Herzlichen Dank für deinen guten Brief und für den Eifer, den du an den Tag legst. Es war eine Freude für mich, von eurer guten Konferenz in Bergen zu hören. An Pfingsten wird in Horten eine Konferenz für Brüder stattfinden, und die Brüder aus Stavanger sind herzlich willkommen.
Meine Berufung und Auserwählung ist, in der Stille zu sein. Ich kann nicht mit gutem Gewissen umherreisen und Versammlungen für die Menge abhalten. Wenn ich durch Gottes Gnade den einen oder anderen Jünger gewinnen kann, dann bin ich dankbar und froh dafür. Dann müssen diese wiederum ihrer eigenen Berufung folgen. Ich hoffe, du verstehst das. Man darf das Zentrum des Kreises nicht in die Peripherie hinaus verlegen, auch nicht ein Schiff so beladen, dass der Bug oder das Achterdeck in die Luft ragt. Man muss entsprechend den Tiefgangsmarken beladen.
Eine Konferenz ist wie ein großes Fest mit Feuerwerk, doch es sind die ruhigen Stunden unter der Leitung des Geistes in der Schrift, die Mark ins Gebein geben. Daher würde ich, wenn Gott Gnade, Gesundheit und Gelegenheit dazu gibt, gerne in aller Stille zu euch kommen – ohne Konferenz. Denn ich habe viel Gutes über die Geschwister in Stavanger gehört. Wenn ihr nur nicht durch all meine Gebrechlichkeit enttäuscht werdet, denn ich sehe nicht mehr genug, um lesen zu können. Mein Sehvermögen hat vor ca. zwei Monaten rapide nachgelassen.
Wir hatten an Ostern gute Konferenzen in Brevik und Drammen. Auch hier in Ostnorwegen gibt es vieles, um das man sich kümmern muss. Das Schwierigste ist, fähige Arbeiter zu finden. Man bekommt sehr viel Erkenntnis, aber nicht den entsprechenden Ballast. Dann setzt man alle Segel und kentert, obwohl man die Lehre gut kann. Es geht einem darum, so viel wie möglich gesehen zu werden. Auch das ist eitle Ehre. Sich im Licht anderer zu freuen und große Segelflächen zu setzen – das hält dem Sturm am Tag der Prüfung nicht stand. Ein junger Bruder in Dänemark schrieb ein ganzes Buch, das er mir zum Durchlesen gab. Es war zwar ausgezeichnet, doch ich riet ihm, es zu verbrennen, weil er zu wenig Lebenserfahrung und Ballast hatte. Gestern bekam ich Antwort, und das Manuskript ist jetzt verbrannt. Wir sind elende Menschen.
Grüße deine Familie und die Geschwister.
Liebe Grüße, dein Bruder
J. O. Smith