Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Brief an N. N., 31. Mai 1933

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

(Empfänger nicht bekannt)

Horten, 31. Mai 1933
Lieber Bruder N. N.,
Friede!

Danke für den Brief vom 30. des Monats, aus dem ich verstehe, dass Sie eine nach Wahrheit suchende Seele sind.

Um Ihre Frage richtig beantworten zu können, muss ich sagen: Wir haben keinen Namen. „Smiths venner“ (Smiths Freunde) ist eine Bezeichnung, die uns Außenstehende gegeben haben. Wir sind nur eine freie Geschwisterschar ohne Namen und ohne menschliche Organisation.

Um dies verständlich zu machen, würde ich gerne ein paar Worte über den Anfang sagen. Und da ich es war, der diese Arbeit anfing, möchte ich ein wenig darüber sagen, wie das durch Gottes Gnade zuging.

Von Kindheit an spürte ich ein starkes Ziehen von Gottes Geist. Mein Vater war ein gerechter Mann (er starb 1915 als Arsenalverwalter in Kristiansand S.). In den Kinderjahren säte er einen guten Samen in uns. Mit 15 ½ Jahren ging ich zur See und wurde zwei Jahre später in die Marine aufgenommen, wo ich 39 ¾ Jahre in den verschiedenen Dienstgraden bis hin zum Oberkanonier diente. Nachdem ich sechs Jahre lang als Matrose an Bord und in der Kaserne gelebt hatte, kam ich in die Stadt. Alle Kameraden waren weg. Es wurde still um mich her. Gottes Geist fing an, mächtig in meinem Inneren zu reden, und ich vermochte nicht zu widerstehen. Am 17. Mai 1898 nachts während der Hundewache an Bord des Monitors „Thor“ übergab ich mich an Gott und bekam eine tiefe innere Gewissheit, dass ich ihm angehörte. Ich ging zu jener Zeit in die Methodistenkirche, fand aber nicht ausreichend Nahrung. Ich fing dann mit ein paar kleinen Versammlungen mit Jugendlichen an. Wir beteten und lasen in der Bibel. Gottes Geist wirkte kräftig an mir, dass ich mich reinigen sollte. Es ging nicht so schnell, aber ich nahm alles als von Gott, und er gab mir Kraft. Zwei Jahre nach meiner Bekehrung, im Jahr 1900, kam an Bord des Kanonenbootes „Sleipner“ Gottes Geist über mich. Die Schrift war viel leichter zu verstehen als vorher. Doch das Eigenartige war, dass niemand von den Gläubigen, die ich kannte, mich verstand. Ich wurde einsam. Aber dann traf ich einen hier und einen dort auf dem Schiff und auf der Marinewerft. Wir kamen an den Abenden zusammen und beteten zu Gott und lasen in der Schrift. 1905 bekehrte sich mein Bruder, der Zahnarzt Aksel Smith. Im Jahr 1907 trafen wir uns in Horten. Wir beteten und forschten in der Schrift. Dann begegnete ich 1908 dem Kadetten Elias Aslaksen an Bord der „Sleipner“. Wir beteten und lasen in der Bibel. Mein Bruder Aksel war der Erste, der mich darum bat, ihn zu taufen. Am gleichen Tag trat er aus der Staatskirche aus. Wir kamen zusammen und hielten Abendmahl miteinander. Während des Krieges ging es in die Finnmark und nach Westnorwegen. Wenn wir Landgang hatten, hielten wir Versammlungen, wo wir Gelegenheit dazu bekamen. Gott segnete mehr, als wir ahnten, sodass es heute an verschiedenen Orten viele Geschwister gibt.

Ich hoffe, lieber Bruder, dass dieser kurze Bericht Ihnen ein wenig Einblick in unsere Arbeit gibt. Wir haben uns immer befleißigt, uns zur Gottesfurcht zu halten. Wir haben niemals daran gedacht, eine Parteiung zu gründen. Doch Gottes Segen hat bewirkt, dass es so ist, wie es heute ist.

Wir haben uns selbst nirgendwo eingetragen und tragen auch niemand anderen ein. Aber wir sind im Buch des Lebens, dem Buch des Lammes, eingetragen. Unsere Gemeinschaft besteht im Geist durch den Wandel in dem Licht, das Gott gibt. Nicht alle, die als unsere Geschwister gelten, sind in gleichem Maße gottesfürchtig. Aber wir versuchen, aus allen, die Gott in unseren Weg schickt, gute Menschen zu machen.

Es würde mich freuen, mit Ihnen ausführlicher über „Gottes Weg“ sprechen zu können. Ich bin jetzt im Ruhestand und habe frei; aber ich bin ja in anderer Weise eingeschränkt, was das Reisen betrifft. An Pfingsten haben wir, so Gott will, wieder eine Konferenz hier in Horten. Es wäre ja erfreulich, Sie wieder hier zu sehen. Ihre Schwester, die in Hallingdal war, kam kürzlich mit Grüßen aus Nesbyen hierher. Es war wirklich eine wahre Freude, ihre aufrichtige Freude im Herrn zu sehen. Möge Gott sie weiterhin segnen.

Was die Geschwister in der Pfingstgemeinde angeht, dürfen Sie nicht meinen, wir hätten etwas gegen sie. Aber wir haben versucht, ihnen das Verständnis zu vermitteln, dass es nicht nur darum geht, den Geist zu bekommen, sondern auch darum, dem Geist gehorsam zu sein. Ich zweifle nicht daran, dass es unter den Geschwistern der Pfingstgemeinde Gottesfürchtige gibt.

Ein Formular zum Austritt aus der Staatskirche habe ich nicht. Im Übrigen muss es reichen, wenn ich sage, dass ich nicht vorhabe, mich in einer von Menschen organisierten Gemeinschaft einzutragen. Wir wissen ja, dass jegliches Bilden von Parteiungen vom Teufel ist. Das sind Werke des Fleisches. Dadurch werden andere Kinder Gottes ausgeschlossen, die nach der Schrift – ohne Parteiung – leben wollen. Gal. 5, 19 ff.

Liebe Grüße von Ihrem im Herrn verbundenen Bruder

J. O. Smith