Irdische Christen und himmlische
„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heiligedurch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.“ Hebr. 13, 12.
Beachte „das Volk heilige.“ Mehr wird nicht daraus, wenn man nicht mit ihm aus dem Lager hinausgehen und seine Schmach tragen will. Das ist auch gerecht. Wir sehen ja Christen, die ihr ganzes Leben lang ohne Entwicklung „auf der Stelle treten“. Sie gehen keinen „Weg“, obwohl Jesus „der Weg“ ist. Sie sind durch sein Blut geheiligt, aber sie gehen überhaupt nicht in die Heiligung hinein. Sie wollen nicht seine Schmach tragen, indem sie zu ihm hinausgehen aus dem Lager. Das Ganze dreht sich um Sündenvergebung, die man auch im Alten Bund bekommen konnte.
Außerhalb des Lagers wird der Leib des Tieres verbrannt, während das Blut durch den Hohepriester in das Heiligtum hineingetragen wurde. Darum haben diejenigen, die Jesus nach draußen vor das Lager folgen, das Recht, von einem Altar zu essen, von dem zu essen kein Recht haben, die der Stiftshütte dienen. Der Stiftshütte zu dienen ist nur ein Dienst zur Reinheit des Fleisches, während diejenigen, die ihm nach draußen vor das Lager folgen, ihr Fleisch opfern.
Indem wir Jesus folgen, folgen wir dem Hohepriester, der nicht nach dem Gesetz äußerlicher Gebote Hohepriester geworden ist, sondern nach der Kraft unzerstörbaren Lebens. Hebr. 7, 16. Es sind diese Kräfte des unzerstörbaren Lebens, die in uns wirksam sind und uns dazu zwingen, dem Lamm nachzufolgen, wohin es geht, auch nach draußen vor das Lager. Es ist nicht genug für uns, „geheiligt“ zu sein wie das Volk im Lager. Das Leben bricht mit Sitten und Gebräuchen, bricht mit allerlei Kirchengemeinschaften und lässt nicht ab, bevor wir nicht mit dem Vater und dem Sohn Gemeinschaft bekommen.
Die Kräfte des ewigen Lebens zehren am Fleisch. Dieses Leben braucht ein Opfer und einen Altar, wovon es essen kann. Jesus gab sein Fleisch für das Leben der Welt. Dieses Fleisch tragen wir in uns, wenn wir mit einem Geist zu einem Leib getauft sind. Dieses Fleisch wird durch Gottes Feuer draußen vor dem Lager verbrannt. Das Blut wird durch den Hohepriester in das Heiligtum hineingetragen. Und was ist das Blut? Das ist die Seele. Wenn nun das Blut Jesu das Volk „heiligte“, sodass er es leiten kann, dann werden auch alle, deren Blut in das Heiligtum hineingetragen wird, zu denen gehören, die mit ihm regieren. Dies ist ganz logisch und einfach. Denn wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden, und halten wir aus, werden wir mit ihm regieren.
Die Braut ist die Stadt, und die Völker, die durch sein Blut geheiligt sind, werden im Licht der Stadt wandeln. Offb. 21, 9-10 und 24. Sie sind nur über einen Silbergroschen, die Sündenvergebung, einig geworden und sie bekommen nicht mehr, gleichgültig, ob sie in der ersten oder in der elften Stunde kommen. Die Braut dagegen ist keinesfalls nur über einen Silbergroschen mit ihm einig geworden. Sie ist mit ihm darüber einig geworden, mit ihrem Bräutigam im Tod und im Leben gleichgestaltet zu werden. EinFleisch mit ihm. Dieselbe Ausbildung wie er. Zwar ist sie das schwächere Gefäß, wird aber doch seine Gehilfin. Sie hat das neue Lied gelernt, das nur die hundertvierundvierzigtausend lernen konnten, denn sie ist erkauft von der Erde, erkauft aus den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm. Offb. 14, 3-4.
„Man soll Gebanntes nicht verkaufen oder ablösen, das jemand dem Herrn durch einen Bann geweiht hat, von allem, was sein ist, es seien Menschen, Vieh oder Erbacker; denn alles Gebannte ist ein Hochheiliges dem Herrn.
Man soll auch keinen gebannten Menschen loskaufen; er soll des Todes sterben.“ 3. Mos. 27, 28-29.
Wer aus dem Lager zu Ihm hinausgeht – zur Opferstätte – und Seine Schmach trägt, der ist verbannt und hochheilig dem Herrn. Er gehört zu den Auserwählten, die Gott zuvor ersehen hat und die er auch vorherbestimmt hat, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden. Röm. 8, 29. Gott kennt von Ewigkeit her die Gesinnung der Menschen, und solche, die die Gesinnung haben, dem Lamm zu folgen, wohin es geht, erwählt er aus den Menschen dazu, die Braut des Lammes zu werden. Sie bekommen göttliche Natur. Sie leiden mit Christus, sterben mit ihm und werden mit ihm verherrlicht. Sie sind Tempelchristen im Gegensatz zu Völkern, die gerettet werden und Vorhofchristen sind, die vom Heiligtum des Tempels aus geleitet und geführt werden müssen.
Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch. Der zweite Mensch ist der Herr aus dem Himmel. Der erste Mensch ist seelisch, der zweite Mensch ist geistlich. So ist auch der Mensch, der durch das Blut Jesu geheiligt ist, seelisch und irdisch. Er hat seine Sünde vergeben bekommen, hat aber keine neue Natur bekommen. Der geistliche Mensch ist himmlisch; denn er hat den Tod nach dem Fleisch erlitten wie der Meister selbst – doch in verschiedenem Maß entsprechend der Treue, sodass manche in der Auferstehung der Toten den Glanz der Sonne haben, andere den Glanz des Mondes und wieder andere den Glanz der Sterne.
Jesus sagt von Johannes dem Täufer, dass er der Größte war, der von Frauen geboren wurde; aber der Kleinste im Himmelreich war größer als er.
Wir verstehen hieraus die zwei Geburten und die zwei Naturen – irdische Wesen und himmlische. Wenn Gott daher einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft, in denen Gerechtigkeit wohnt, dann geschieht das in völliger Harmonie mit dem, was der Mensch während der Wanderung seines Erdenlebens erreicht hat. Die Treuen tragen schon hier das Himmelreich in sich, und sie sind bereits in den Tagen ihres Fleisches von oben geboren aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt. Sie tragen in sich „die Kraft des ewigen Lebens“ und werden durch diese nach dem Bild ihres Meisters geformt.
Herrliches Leben, köstlich vor Gott und den Menschen! Fremdling auf der Erde, aber voll und ganz zuhause in der Stadt droben, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Die Stadt, die einen festen Grund hat und die nicht erschüttert werden kann, denn sie ist durch das Wort Gottes entstanden und ist durch das Wort erbaut worden.
Wir merken ja auch an uns selbst, dass wir inwendig ein unerschütterliches Reich bekommen haben. Dafür können wir dankbar sein in dieser Zeit, wo alles bebt und erschüttert wird.
Himmel und Erde werden vergehen, aber wer den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.
Gesegnetes Los von Gott, unserem himmlischen Vater, durch Jesus Christus, unseren Herrn.
