Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Skjulte Skatter 1933-04 - Die Zunge und der Gedanke

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Die Zunge und der Gedanke

Den Gedanken kann niemand zähmen, wird gesagt, und Jakobus sagt: „So ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet’s an!“ Und all dies kommt vom Gedanken.

Die sündigen Lüste kribbeln im Körper und die Gedanken kommen in Schwingungen. Wenn man dann nicht wach ist, beginnt die Zunge zu laufen. Die Zunge wird durch die Gedanken direkt mit der Sünde im Fleisch in Verbindung gesetzt und wird dadurch zu einem Feuer, das den ganzen Leib befleckt und den Umkreis des Lebens in Brand steckt und wird selbst von der Hölle in Brand gesteckt. Jak. 3, 6.

Wo muss nun der Kampf beginnen, um Sieg über diese Hölle zu bekommen? Er muss im Gedankenleben beginnen. Wir kommen um die Versuchungen nicht herum, aber wir können unsere Gedanken von den Lüsten im Fleisch wegwenden. Das ist unmöglich, meint man. Doch, das ist möglich, denn Jesus sagt: „Warum denkt ihr dies in euren Herzen?“ Mk. 2, 8. Man kann dafür verantwortlich gemacht werden, dass man schlechte Gedanken beherbergt. Von dort bekommt die Zunge ihre Nahrung, und dann sendet sie diese schlechten Gedanken nach Ost und West aus. Große Wälder werden in Brand gesteckt, und alle, die darauf hören, bekommen das Verderben zu spüren.

„Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert.“ Spr. 12, 18. „Das Herz des Toren schreit seine Torheit hinaus.“ Spr. 12, 23.

In der Gesinnung werden die Gedanken gewogen, ob sie böse oder gut sind, ob sie bösen Ursprungs sind oder aus einer guten Quelle stammen. Was von einer guten Quelle kommt, können wir ruhig passieren lassen, denn es wird Gutes bewirken. Doch dem, was bösen Ursprungs ist, muss man Einhalt gebieten. Hier hilft uns das Kreuz. Wir haben Macht bekommen, „nein“ zum Bösen und „ja“ zum Guten zu sagen. Damit haben wir auch Macht über unsere Gedanken und unsere Zunge bekommen. Wir brauchen nicht böse zu denken und wir brauchen nicht böse zu reden. Dies gilt auf Gebieten, wo wir erleuchtet wurden und zwischen gut und böse unterscheiden können. Doch das verlangt große Aufmerksamkeit. Jakobus sagt: „Aber die Zunge kann kein Mensch zähmen.“ „Aus ein und demselben Mund geht Loben und Fluchen hervor.“ Doch dann sagt derselbe Apostel im gleichen Atemzug: „Das darf nicht so sein, meine Brüder! Lässt etwa eine Quelle aus derselben Öffnung süßes und bitteres Wasser sprudeln?“ (Menge Übers.) Hieraus geht hervor, dass wir schlechten Gedanken verweigern können, unseren Sinn zu passieren. Hier stehen du und ich Schildwache. Wir können der Zunge verweigern, sündige Gedanken auszusprechen.

Böses zu reden und Böses zu schreiben läuft auf dasselbe hinaus, weil man der Bosheit erlaubt, den Sinn zu passieren, mit dem man dem Gesetz Gottes dienen sollte. Röm. 7, 25. Dies alles muss gerichtet und getötet werden, und hat man hier Menschen geschadet, dann muss man sie um Vergebung bitten. Hier gibt es reichlich Gelegenheit, sich in Gottesfurcht zu üben. Denke, dies soweit voranzutreiben, dass man in Gedanken, Worten und Werken siegt. Sollte man, während man sich darin übt, straucheln, dann gilt es, nicht den Mut zu verlieren, sondern wieder neu anzugreifen.

Wenn wir an einen richtig geschwätzigen Menschen denken, der sich auf dem Weg zur Reinheit in Gedanken, Worten und Werken üben will, dann verstehen wir, dass Jesus „der Weg“ ist und dass es auf diesem Weg viel Leiden und Selbstverleugnung für das Fleisch gibt.