Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Brief an Elias Aslaksen, 8. März 1933

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936
Kristiansand S., 8. März 1933
Lieber Bruder E. Aslaksen,
Gottes guter Friede!

Am Montagabend bin ich mit dem Bus von Statthelle hier angekommen. Eine gute Straße. Ich kam bei Regen und Schneematsch hier an. Viele wunderliche Gedanken gingen mir durch den Kopf und durchs Herz, als ich alleine mit dem Koffer in Dunkelheit und Regen an meinen Kindheitserinnerungen vorüberging. Die Vergänglichkeit des Lebens wurde mir derart bewusst, dass ich mich am liebsten hingesetzt und geweint hätte. Aber das Leben ist mehr als der Tod und ich musste mich ermannen. Br. Frivold und seine Frau haben sich herzlich gefreut, als ich kam. Schw. Margith Sørlie wohnt nun bei Frivolds, und ich habe ihre Wohnung bekommen. Hier ist es so still – eine Wohnung, genau wie ich sie mir wünsche. Denn ich liebe die Stille. Menschen, Kampf und Schwierigkeiten sind das harte Brot vieler Jahre, daher ist es ein Segen, in völliger Stille alleine zu sein. Wenn diese Stille mit Gottes unendlicher Stille gepaart ist, dann ist man auf Zion, hoch erhoben über alle Kinder des Lärms.

Gestern Abend hatten wir unsere erste Versammlung bei Br. Frivold. Ich sprach über Gerechtigkeit und abermals Gerechtigkeit, dass wir in Gerechtigkeit berufen sind und dass alles andere zu Fall kommt und aus dem Leib hinausgeeitert wird. Danach sprachen Julian P., Wold, Frivold und Wennesland sowie Iglebæk. Dann stand Wold auf und fragte, aus welchem Anlass ich gekommen sei. Ob jemand bei mir angefragt hätte. Ich antwortete, dass Br. Andersen (Tønnes) mir geschrieben hatte. Nun ja, sagte Wold, denn es gäbe zur Zeit große Schwierigkeiten in Kristiansand. Tønnes Andersen hatte einen Fuhrauftrag von einem Kutscher Moseid übernommen, der nun eine rasende Wut auf „euren Pfarrer“ hatte. Es handelte sich um Auslieferungen von einem Schiff, das bis zum Topdalsfjord fährt. Moseid fuhr mit dem Pferdegespann, doch nun kam Tønnes mit dem Auto, sodass Moseid aufhören musste. Alle Brüder sprachen sich einer wie der andere gegen Tønnes aus. Außerdem hat er sich auch Geld geliehen und die Bank, Freunde und Nachbarn „abgeklappert“, und jetzt steht er mit seinem Haus und mit dem Geschäft fast am Rand des Bankrotts.

T. A. verteidigte sich, und aus seiner Sicht sah es nicht so schlecht aus wie aus der Sicht der Brüder. Nach diesem allem stand ich auf und sagte, dass T. Andersen nach all den Beschwerden dieser Zeugen die Leitung der Gemeinde niederlegen, mit Moseid schnellstens alles in Ordnung bringen und sich ruhig verhalten solle, bis all dies in Ordnung sei. Ja, das wollte er tun, und er wollte gleich heute zu Moseid gehen. Nach diesem waren alle zufrieden. Dann wies ich die anderen zurecht und bat sie, nicht auf ihren Bruder am Tag seines Unglücks herabzusehen, sondern demütig zu sein, damit Gottes Zorn nicht auch über sie komme. Die erste Versammlung war auf diese Weise eine ausgezeichnete Versammlung. Um 13 Uhr bin ich bei Br. Frivold zum Mittagessen eingeladen. Mehrere kommen dorthin. Und heute Abend haben wir wieder Versammlung dort.

Ehrlich gesagt tat mir T. A. leid, aber man kommt nicht um das Schicksal herum, man muss hindurch.

9. 3.

Gestern musste ich schließen, weil wir zur Versammlung mussten. Ich las aus Hes. 36-39 über das Sammeln des jüdischen Volks in den letzten Tagen, über die Hure und über das Kommen Christi, um ihnen die Zeit bewusst zu machen, in der wir leben und der wir entgegengehen. Danach Zeugnisse. Sie hackten in ihren Zeugnissen aufeinander herum. Besonders ist das mit den Finanzen ein wichtiger Faktor. Ich sprach zu ihnen davon, keine Forderungen zu stellen, sondern dass derjenige, der etwas hat, ein waches Auge haben soll, sodass er von sich aus mit freiwilligem Herzen diejenigen sehen kann, die Mangel leiden, und ihnen dann zur Hilfe kommen. Dass man in seiner Not eher Gott statt Menschen um Hilfe bitten soll. Dass dieses ewige Geldausleihen und diese Unruhe mit Krediten usw. aufhören muss. Ich sehe, dass das nötig ist, und dass sie selbst dadurch erleichtert wurden. Br. Wold erwähnte heute in seinem Zeugnis, dass ihm das Wasser in seine Schuhe hineinläuft. Am nächsten Tag sagte ich während der Versammlung zu ihnen, dass sie ihr Zeugnis nicht in der Weise geben sollen, dass es eine einzige Bettelei wird. Wold hatte in seinem Zeugnis gegen T. A. gesagt, dass es gesegnet ist, dass man es nicht mehr mit Menschen zu tun hat. Ich wies dann in der Versammlung darauf hin, dass, wenn man es alleine mit Gott und nicht mehr mit Menschen zu tun hat, dann ist es ja absolut verkehrt, in seiner Not ständig Hilfe bei Menschen zu suchen. Gerade dann sollte man zu Gott gehen, und dann kann er, in wem er will, wirken, in der Not zu helfen.

Ich sehe, dass es hier viel zurechtzubringen gibt. Frivold und seine Frau und Margith Sørlie waren heute Nacht lange auf und freuten sich. Frau Frivold ist in ihrem Geist wegen vielem gebunden gewesen; doch nun freut sie sich.

Heute bekam ich einen Brief von Kronstad. Er und Br. Petersen sind darüber einig geworden, dass dieses Jahr am 2. oder 9. Juli in Drammen eine Jugendkonferenz stattfinden soll. Das ist ausgezeichnet, gib deine Zustimmung. Gott segne die Konferenz. Wir sollten wohl auch wieder eine Mittsommerkonferenz in Hallingdal abhalten. Möge Gott das Ganze lenken.

Heute haben wir wieder Versammlung bei Frivold. Am Freitag und Sonntag wollen sie einen Saal für öffentliche Versammlungen mieten. Das wird schwieriger. Kristiansand ist zur Zeit eine große zugeschneite Stadt. Ich glaube, es war noch nie schlimmer als jetzt.

Grüße deine Familie und die Geschwister. Es lebe der Eifer für Gottes Haus! Hinaus mit den Taubenkrämern, über den Haufen mit Tischen und Stühlen, hinaus mit den Geldwechslern!

Liebe Grüße von deinem Bruder in derselben Gesinnung und demselben Dienst.

J. O. Smith

Adr.: Margith Sørlie, Skippergaten 20, Kristiansand S.