Die Gesinnung und das Fleisch
Also: Ich selbst diene mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde. Röm. 7, 25.
Wie wahrheitsgetreu Paulus doch war! Er hatte den Heiligen Geist bekommen, war der Lehrer und Apostel der Heiden, redete mehr in Zungen als alle, hatte die Gnadengabe der Heilung und viele andere Tugenden und Herrlichkeiten. Trotzdem war er so ehrlich und so aufrichtig, dass er erkannte, dass er mit seinem Fleisch dem Gesetz der Sünde diente, obwohl er mit seiner Gesinnung dem Gesetz Gottes diente. Das, was aus seinem Fleisch hervorkam, bezeichnete er nicht als „Ecken“, „Mängel“, „alte Gewohnheiten“ usw., nein, er nannte es Sünde. Und er gestand ein, dass er mit seinem Fleisch dem Gesetz der Sünde diente. Wer unter den Christen in dieser weiten Welt dient nicht mit seinem Fleisch dem Gesetz der Sünde? Das Fleisch ist beim Gläubigen zwar nicht besser als beim Ungläubigen, die Sache ist aber: Wir leben nicht nach dem Fleisch mit dessen Lüsten und Begierden, denn es ist gekreuzigt. Aber wie weit bin ich gekreuzigt? In welchem Ausmaß? Natürlich so weit, wie ich Licht habe. Doch dort, wo ich noch nicht Licht bekommen habe, kann ich auch nicht gekreuzigt sein. Und da, wo ich noch nicht gekreuzigt bin (im Unbewussten), diene ich weiterhin mit meinem Fleisch dem Gesetz der Sünde.
Selbst diejenigen, die lehren, dass der Leib der Sünde weggenommen ist, dienen mit ihrem Fleisch dem Gesetz der Sünde, und meistens in dem Maß in das bewusste Leben hinein, dass es bei gottesfürchtigen Menschen Anstoß erregt. Denn wenn man mit der Gesinnung dem Gesetz der Sünde dient, ist man gottlos. Wenn man mit seiner Gesinnung in Hoffart und Geldgier lebt, dann dient man dem Gesetz der Sünde mit seiner Gesinnung. Paulus tat das nicht. Doch dort, wo er noch kein Licht hatte, tat er Dinge, die er hasste, wenn das Licht des Geistes diese Werke des Leibes beleuchtete, die er dann durch den Geist tötete.
Ist es nicht so im Natürlichen? Kleinkinder machen ja ganz unbewusst viel Verkehrtes. Man muss sie ja dann lehren, es richtig zu machen. Man kann sie nicht für das Unbewusste strafen; sondern in dem, was ihnen bewusst ist, kann man sie überzeugen, strafen und ermahnen. So ist es auch im Geistlichen. Es gibt keine Verdammnis dafür, dem Gesetz der Sünde im unbewussten Wesen zu dienen, aber es gibt Verdammnis dafür, dem Gesetz der Sünde mit der Gesinnung zu dienen. Paulus diente dem Gesetz Gottes mit seiner Gesinnung, darum war keine Verdammnis über ihm. Wenn wir genauso gesinnt sind, werden auch wir nicht unter der Verdammnis sein. Denn das Gesetz des Geistes hat in Christus Jesus meine Gesinnung von dem Gesetz der Sünde und des Todes frei gemacht. Aber mein Fleisch ist ganz und gar nicht frei gemacht, es soll den Tod erleiden wie bei dem Meister selbst.
